Neue Modellreihe ET 430 auf der Linie S 1

Mehr Komfort im Nahverkehr

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Auf ihrer „Jungfernfahrt“ hält die S 1 am Hauptbahnhof Frankfurt

Offenbach - Alles so schön neu hier - seit Montag setzen der Rhein Main Verkehrsverbund (RMV) und die Deutsche Bahn auf der S-Bahnlinie 1 zwischen Rödermark-Ober Roden und dem Wiesbadener Hauptbahnhof nurmehr fabrikneue Züge der Modellreihe ET 430 des Herstellers Bombardier ein. Von Christian Riethmüller

Am Bahnhof Ober Roden ist am Montagvormittag das Gleis vor lauter Zügen nicht mehr zu sehen. Im übertragenen Sinne versteht sich, denn bei allen Bemühungen des RMV, in puncto Service und Qualität im öffentlichen Nahverkehr weiter zuzulegen, wird der Verkehrsverbund trotzdem nicht S-Bahnen im Fünf-Minuten-Takt von Rödermark aus starten lassen. Die Ansammlung mehrerer Züge ist einem ärztlichen Notfall irgendwo auf der Strecke nach Wiesbaden geschuldet, der die ursprünglichen Abfahrtszeiten einiger Bahnen durcheinanderbringt. Vor solchen Störungen sind Fahrgäste der Linie S 1 auch künftig nicht gefeit. Selbst die neuen Züge, die seit Montag auf der Strecke zwischen Ober Roden und Wiesbaden verkehren, dürften in diesen Fällen nichts ausrichten können. Fliegen können sie nämlich noch nicht, selbst wenn man es ihnen im Vergleich mit den alten S-Bahnzügen, die in den vergangenen Jahren durchs Rhein-Main-Gebiet schwankten und schaukelten, durchaus zutrauen würde.

Der Triebwagen ET 430 von vorn. Neu sind die LED-Lampen.

Seit Montag jedenfalls sind auf der Linie S 1 ausschließlich nur noch S-Bahn-Triebzüge vom Typ ET 430 im Einsatz, wie Hersteller Bombardier die Züge seiner Modellreihe nennt. Die roten Züge sehen im Vergleich zum Vorgängermodell ET 423 zwar nicht grundsätzlich anders aus - etwas geschwungener und damit stromlinienförmiger vielleicht - doch in ihrem Innenraum ist einiges verbessert worden. Monitore in Höhe jeder Tür informieren die Fahrgäste über den aktuellen Fahrplan und die nächsten Stationen. Selbst die voraussichtliche Fahrtzeit zu diesen Bahnhöfen wird angezeigt. Auf großen LED-Anzeigern über dem Gang ist ebenfalls Linie, Ziel und der Name der nächsten Station zu lesen. Videokameras sollen das Sicherheitsgefühl erhöhen. Zudem sind die Mehrzweckräume nun größer und bieten so mehr Platz für Rollstuhlfahrer, für Radfahrer oder für Eltern, die einen Kinderwagen dabei haben. Die größeren Mehrzweckräume vermitteln außerdem den Eindruck, dass die Züge des Typs ET 430 generell mehr Platz bieten, was Lutz Biermann allerdings verneint. „Das täuscht“, sagt er, „ein Vollzug bietet weiterhin knapp 200 Sitzplätze und etwa 310 Stehplätze.

500 Millionen Euro

Die offene Bauweise lässt aber an größere Dimensionen denken.“ Der 45-Jährige ist stellvertretender Teamleiter bei der Deutschen Bahn und derzeit nicht nur für den Einsatz der Lokführer zuständig, die in diesen Wochen mit den neuen Triebwagen vertraut gemacht werden. Er begleitet auch die Einführung der neuen Flotte, die bis zum Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres abgeschlossen sein soll. Dann werden auf den Linien S 1, S 7, S 8 und S 9 insgesamt 91 vierteilige Züge des Typs ET 430 im Einsatz sein - frisch aus der Fabrik. Gut 500 Millionen Euro kostet die Bahn-Tochter Regio diese Anschaffung, die mit dem RMV einen auf 22 Jahre Laufzeit fixierten Vertrag zum Betrieb des sogenannten Teilnetzes Kleyer, der die oben genannten S-Bahnen umfasst, abgeschlossen hat. Biermann ist mit den technischen Details der neuen Züge bestens vertraut. Als Bahner durch und durch schwärmt er von der Kraft der Maschine, die mit 3000 PS den Zug auf eine (selten gefahrene) Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern bringen kann und von den Magnetbremsen, die den Koloss nach 500 Metern sanft zum Stehen bringen.

Auch das Cockpit mit seinen Touchscreen-Monitoren und die automatischen Ansagen lobt er, weil die Zugführer hier in ihrer Arbeit entlastet würden. „Schließlich fahren wir noch selbst“, lacht Biermann, „nicht so wie die Kollegen im ICE, die auch das Rollo runterziehen könnten.“ Ein technisches Detail gibt Biermann und seinen Kollegen allerdings noch zu denken. Direkt neben den vordersten Türen sind grün beleuchtete Tasten angebracht. Ein Piktogramm weist darauf hin, dass behinderte Fahrgäste hier Hilfe beim Fahrer anfordern können, etwa, dass er ihnen eine mobile Rampe zum einfachen Ein- und Ausstieg zur Verfügung stellt. Allerdings werden diese Tasten immer wieder irrtümlich von anderen Reisenden gedrückt, die glauben, so die Tür öffnen zu können.

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Da der Fahrer nicht nachfragen kann, wer nun die Taste gedrückt hat, muss er stets kontrollieren. Im Falle von Tania Nedelka, die in Eddernheim zusteigen möchte, ist der Fall klar. Die blonde Frau sitzt im Rollstuhl und ist angetan von dem Angebot. Biermann und Zugführer Fouad Amalpai klappen mit wenigen Handgriffen eine Rampe auf, über die Nedelka problemlos in den Wagen rollen kann. „Alle fahren mit“ - im ET 430 wird der Werbespruch wahr.

Quelle: op-online.de

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