Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt

Mehr Platz für die Dinos

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Die Visualisierung zeigt den Entwurf für das Jügelhaus, das frühere Hauptgebäude der Goethe-Universität.

Frankfurt - Für geschätzt 116 Millionen Euro soll das Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt bis zum Jahr 2018 umgebaut und erweitert werden. Von Christian Riethmüller

In den nächsten Wochen wird mit den Baumaßnahmen in den früheren Universitätsgebäuden „Jügelhaus“ und „Alte Physik“ begonnen. Der Dinosaurier auf dem Grünstreifen der Senckenberganlage könnte in den nächsten Monaten und Jahren ordentlich was erzählen, wäre er nicht nur ein Modell. Nicht allein, dass sie ihm einfach so das seinen Leib wärmende Eintracht-Frankfurt-Trikot ausgezogen haben. Nun sprengen sie ihm in wenigen auch noch den den AfE-Turm weg, der bisher in seinem linken Blickfeld gestanden hat. Und dann wird auch noch groß und umfassend an „seiner“ Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung herumgebaut.

Bei den Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, die bis voraussichtlich März 2018 auf dem Gelände rund um das weithin bekannte Senckenberg Naturmuseum durchgeführt werden, geht es allerdings nicht unmittelbar um eine Erweiterung der Ausstellungsflächen des Museums. Vielmehr wird der ganze Forschungs- und Sammlungsbereich der vielfältig tätigen Gesellschaft um etliche Tausend Quadratmeter Fläche erweitert.

Unter Denkmalschutz

Im Jahr 2010 hatte die Dr. Senckenbergische Stiftung als Eignerin der Grundstücke die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude des Physikalischen Vereins (Alte Physik), in dem sich auch die beliebte Volkssternwarte befindet, sowie das alte Hauptgebäude der Goethe-Universität (Jügelhaus) der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Erbpacht unentgeltlich auf 99 Jahre zur wissenschaftlichen Nutzung überlassen.

Zwei Jahre später, im Juni 2012, erhielt Senckenberg dann den Bewilligungsbescheid von Bund und Land, der für Sanierung und Umbau der beiden Gebäude gut 116 Millionen Euro zur Verfügung stellt: 46 Millionen Euro finanziert der Bund, 70 Millionen Euro trägt Hessen. Die Planungen für das Großprojekt waren da schon im Gange. Das auf historische Umbauten spezialisierte Architekturbüro Peter Kulka (Köln/Dresden) wird in den nächsten vier Jahren die beiden geschichtsträchtigen Gebäude Alte Physik und Jügelhaus unter strengen denkmalschützerischen Auflagen entkernen und barrierefrei für ihre künftige Nutzung umgestalten lassen. Mit der endgültigen Baugenehmigung wird im Februar dieses Jahres gerechnet.

Das an Senckenberganlage und Robert-Mayer-Straße gelegene und 1906 eingeweihte Gebäude Alte Physik soll künftig wichtige Teile der insgesamt 22 Millionen Objekte zählenden Sammlung beherbergen und bedarf etwa wegen der vielen Alkoholpräparate oder der biologischen Trockensammlungen ganz besonderer Regelungen des Brandschutzes oder der Temperierung.

Das ebenfalls 1906 eingeweihte Jügelhaus soll künftig das geologische Zentrallabor sowie die Zentralbibliothek der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung beherbergen und Platz für ein Tagungszentrum mit Hörsälen und Besprechungsräumen bieten. Sowohl Alte Physik als auch Jügelhaus sollen durch transparente Brücken mit dem Museumsbau verbunden werden und eine einheitliche Dachlandschaft erhalten.

Herausforderungen der Planer

Bei einer Besichtigung der seit Ende 2013 leergeräumten Gebäude am Donnerstag wurde deutlich, vor welchen Herausforderungen die Planer stehen. Die beiden Gebäude mit ihren vielen Treppen und verwinkelten Räumlichkeiten sind noch längst nicht reif für die ihnen zugedachte Nutzung. Wie Gerd Mangel, Projektleiter der Neugestaltung Senckenberg, gestern sagte, müssen die beiden Gebäude im Grunde auf „Rohbauzustand“ zurückgebaut werden. Allerdings kann dort nicht ohne weiteres die Abbruchbirne geschwungen werden. Unter mancher in den 1950er Jahren abgehängter Decke findet sich erhaltenswerter Stuck und unter asbesthaltigen Belägen sind schöne Sandsteintreppen versteckt.

Einfacher dürften es die Bauherren auf dem Gelände hinter dem Museum in Richtung Gräfstraße haben. Hier sollen sowohl das Fernheizkraftwerk mit seinem gewaltigen Schornstein, kleinere Anbauten, als auch die bisher für Sonderausstellungen genutzte Wolfgang-Steubing-Halle schon in diesem Frühjahr abgerissen werden, um dem Grünstreifen Platz zu machen, der einmal den dort geplanten Kulturcampus Bockenheim durchziehen soll. Gerade die in Modularbauweise errichtete Steubing-Halle war in den vergangenen Monaten ins Gespräch gekommen. So hatte etwa das Museum für Weltkulturen Interesse angemeldet, die Halle an einem anderen Ort nutzen zu können. Letztlich würde aber ein neues Fundament an einem neuen Standort zu teuer kommen, berichtet Gerd Mangel, weshalb diese Idee nicht weiterverfolgt wird. Wie die zahlreichen Öltanks im Lager des Heizkraftwerks hat die Halle so nurmehr Schrottwert.

Quelle: op-online.de

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