Meister-Barbier Mounir Damlkhi

Bitte entspannt zurücklehnen...

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Seit 13 Jahren zelebriert der Syrer Mounir Damlkhi die hohe Kunst der Gesichtspflege in Frankfurt. Jetzt leitet er im Frankfurter Hof den Herren-Salon „Hommage Gentlemen Barber“.

Frankfurt - Mounir Damlkhi hat ein scharfes Messer in der Hand. Ein sehr scharfes, das er vorher extra nochmal geschliffen hat. Dafür ist er mit der stählernen Klinge ein paar Mal über den schwarzen Lederriemen gefahren. Von Sonja Thelen

Doch Uwe Harmening, der vor ihm in dem Rasierstuhl sitzt, ist nicht argwöhnisch. Der 49-Jährige ist völlig entspannt, als der Barbier das Messer an seine Kehle setzt.

Mounir Damlkhi ist ein Meister seines Fachs. Das Talent zur perfekten Rasur ist ihm quasi in die Wiege gelegt worden. Schon sein Großvater und sein Vater waren Barbiere, erzählt der 39-jährige Syrer, der in Damaskus aufgewachsen ist. Auch sein Bruder und sein Onkel gehen diesem traditionsreichen Handwerk nach, ergänzt er.

Vor 13 Jahren kam er nach Deutschland und eröffnete in der Kaiserstraße einen eigenen Salon. Mit seiner Kunst des Bartschneidens und der Rasur erwarb er sich einen exzellenten Ruf. Prominente aus aller Herren Länder kamen zu ihm, wenn sie in der Mainmetropole waren. Schließlich machte ihm das Fünf-Sterne-Haus „Frankfurter Hof“ das Angebot, in der neu eröffneten und luxuriösen Wellness-Oase „The Spa“ den Herren-Salon „Hommage Gentlemen Barber“ zu leiten.

Zu diesem exklusiven Bereich haben nur „Gentlemen“ Zutritt. Die Anmutung des Salons ist edel und erinnert an den Stil der 20er Jahre. Ausgestattet ist er mit ledernen Rasur-Fauteuils und dunklen Hölzern. Hier wird die Jahrhunderte alte Tradition der Männerpflege zu neuem Leben erweckt. Denn mit der Erfindung des Rasierhobels Ende des 19. Jahrhunderts gingen viele Männer dazu über, sich selbst zu rasieren. Die Rasur beim Barbier oder Herrenfriseur wurde damit zur Ausnahme. Und spätestens mit der Einführung des Elektrorasierers verlor der Beruf des Barbiers zunehmend an Bedeutung – zumindest in der westlichen Hemisphäre. In Damlkhis Heimat Syrien sowie in der arabischen Welt und in vielen Teilen Asiens ist es nach wie vor üblich, sich die Bartpracht vom Barbier zurechtschneiden oder ganz entfernen zu lassen, berichtet der „Master Barber“.

Sehr angenehm auf der Haut

Dabei kann es eine Wohltat sein, sich rasieren zu lassen. Diese Erfahrung macht an diesem Tag Uwe Harmening. Er hatte davon gehört, dass es im Frankfurter Hof einen Barbier für Trockenrasur gibt. „Ich habe schon viele Urlaube in Asien verbracht und bin dann immer sehr gerne zu einem Barbier, weil das einfach sehr entspannend und angenehm ist.“ An diesem Tag begibt er sich vertrauensvoll in die Hände von Mounir Damlkhi. Bei ihm kann er sicher sein, nachher ohne einen Schnitt im Gesicht den Salon zu verlassen. „Mir ist das nur einmal passiert. Bei meinem Vater, als er mir als ich acht Jahre alt war, das Messer in die Hand gab, um ihn zu rasieren. Und da habe ich ihn geschnitten. Und er hat mir eine ordentliche Backpfeife gegeben“, erinnert sich der 39-Jährige, Vater von zwei Kindern.

In der rechten Hand hat der Meister das Rasiermesser, in der linken eine noch verpackte frische Klinge.

Bevor er überhaupt mit der Rasur beginnt, fragt Damlkhi seinen Kunden, wie er sich selbst üblicherweise rasiert und schaut sich die Haut an. Ist sie empfindlich oder trocken? Und vorher prüft er, in welche Richtung die Barthaare wachsen. Das ist entscheidend, wenn er anfängt mit dem Messer die Haare zu schneiden. Für eine klassische Rasur wird die Haut mit einem besonderen Peeling aus gezüchteten schwarzen Diamanten sowie heißen Tüchern vorbereitet. „Die heiße Kompresse öffnet die Poren“, erklärt der Barbier, während er sich über seine Hemdsärmel Halter zieht, damit ihn der Stoff bei der Arbeit nicht stört. Anschließend folgt das Peeling, das er einmassiert und mit einem Tuch wieder entfernt. Dann trägt er das schäumende Rasiergel mit einem Pinsel aus Dachshaaren auf. „Das ist die beste Qualität und fühlt sich einfach sehr angenehm auf der Haut an“, erklärt Damlkhi. Sein Kunde nickt bestätigend. In ruhigen und routinierten Bewegungen schneidet er dann die Barthaare: Dafür spannt er mit dem Daumen und dem Mittelfinger der linken Hand die Haut an der Stelle im Gesicht, an der er das Messer ansetzt und rasiert. Auf den Wangen schneidet er von oben nach unten, auf dem Hals in die andere Richtung. Er achtet auf die Stellen, an denen Wirbel die Haare in verschiedene Richtungen wachsen lassen. Den Schaum, der an der Klinge haften bleibt, streift er an seinem Handrücken ab.

Glatt wie ein Kinderpopo

Mounir Damlkhi lässt sich Zeit, geht gründlich vor. Wenn Haare eingewachsen sind oder beispielsweise uneinheitlich an den Augenbrauen wachsen, verwendet er einen straff zwischen seinen Fingern gespannten Bindfaden, um sie herauszureißen. Am Ende der Rasur nimmt er eine kalte Kompresse, um die Haut zu beruhigen und um die Poren wieder zu verschließen. „Das war einfach sehr entspannend“, lobt Uwe Harmening: „Und meine Haut fühlt sich jetzt so glatt an wie ein Kinderpopo.“

Sich mit einem Elektrorasierer zu rasieren, käme für den Barbier nie in Frage. Er nimmt dafür immer sein scharf geschliffenes Rasiermesser aus Edelstahl. „So wie James Bond beziehungsweise der Darsteller. Der hat die kalte Rasur richtig vorm Spiegel geübt“. Doch ebenso bietet Mounir Damlkhi in dem Gentleman-Salon den Herren Kopfmassage, Körperbehandlungen und Haarschnitte an.

Aber nicht nur die Herren der Schöpfung kommen im „The Spa“ auf ihre Kosten, sondern auch die Damenwelt. Ein Gefühl von Orient, von „Tausendundeine Nacht“ empfindet man beim Betreten des „Hamam“: Es ist das Glanzstück im neuen Spa, das der Frankfurter Hof – das Flagschiff der Steigenberger Gruppe – Anfang Februar offiziell eröffnet hat. Mit Mosaiken ist das traditionelle Dampfbad ausgekleidet. Wo früher im ersten Stock des Grand Hotels die Büros der Verwaltung waren, befinden sich heute die vielfältigen Behandlungsräume. Auf 1000 Quadratmeter bietet „The Spa“ eine Kombination aus Wellness, Schönheits- und Pflegebehandlungen.

Quelle: op-online.de

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