„Menschenverachtend und völlig substanzlos“

DSDS im Kloster Eberbach: Kritik hält an

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Das Kloster Eberbach bei Eltville im Rheingau-Taunus-Kreis. Mönche leben schon lange nicht mehr hier. Stattdessen werden neue Managementtechniken für Baudenkmäler getestet.

Eltville - Das Kloster Eberbach im Rheingau stimmt sich auf die RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ ein. Rund eineinhalb Wochen vor dem Event am 20. April berichtet die Stiftung von „reibungslosen“ Vorbereitungen.

Gemeinsam mit der Produktionsfirma würden derzeit die technischen Voraussetzungen geschaffen, um die Fernsehshow optimal über die Bühne bringen zu können, teilte Geschäftsführer Martin Blach in Eltville mit. „Alle Beteiligten haben verinnerlicht, dass es sich beim Kloster Eberbach nicht um eine Stadt- oder Messehalle handelt, sondern einen Ort mit einem ganz anderen Charakter, den es zu achten gilt.“ Die Show um Musikproduzent Dieter Bohlen in der Basilika der ehemaligen Zisterzienserabtei ist im Rheingau weiter umstritten. „Unsere Skepsis hinsichtlich der DSDS-Aufzeichnung ist keinesfalls geringer geworden“, sagte Guntram Althoff von den Eltviller Grünen. „Wir sind nach wie vor der Meinung, dass der menschenverachtende Grundtenor dieser Sendung sowie die völlig substanzlose Oberflächlichkeit nicht zum Charakter von Kloster Eberbach passen.“

Stiftungs-Geschäftsführer Blach freut sich dagegen über die bundesweite Aufmerksamkeit, die das Kloster erfährt. „Die Buchungen für Führungen und Tagungen haben im 1. Quartal gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent zugenommen, die Zahl der Klicks auf unserer Homepage um 36 Prozent“, erklärte er. „Eine solche Werbung hätten wir als kleine gemeinnützige Stiftung nie finanzieren können.“ Tickets für die Aufzeichnung gebe es nicht mehr. Insgesamt werden etwa 700 Zuschauer im Kloster erwartet.

Den Verweis der Stiftung auf zusätzliche Einnahmen lässt Kommunalpolitiker Althoff nicht gelten. Durch die Show werde ein Damm gebrochen. „Aus dieser Begründung heraus gäbe es dann also auch kein Argument gegen die Durchführung einer Wrestling-Veranstaltung oder eines Death Metal-Festivals im Kloster.“

Der Sängerwettstreit ist am 13. April zunächst im Erlebnis-Bergwerk Merkers in Thüringen zu Gast, am 27. April soll das Halbfinale im Landschaftspark Duisburg produziert werden. Die Shows werden jeweils am darauffolgenden Samstag ausgestrahlt. Das Finale steigt dann live am 7. Mai in Düsseldorf im „ISS Dome“.

Die besten Sprüche von Dieter Bohlen

Mönche leben schon lange nicht mehr hinter der Schutzmauer, die das Kloster umgibt. Gegründet hat es Bernhard von Clairvaux (1090-1153), einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens. Nachdem Anfang des 19. Jahrhundertes die Säkularisierung einsetzte, diente das Gebäude unter anderem als erstes „Irrenhaus“ im Herzogtum Nassau und als Gefängnis. Im Jahr 1998 schließlich trennte das Land Hessen das eigentliche Klosterareal mit seinen Bauwerken organisatorisch von den „Hessischen Staatsweingütern Kloster Eberbach“.

Für den Unterhalt der historischen Anlage soll seither eine gemeinnützige Stiftung aufkommen. Das Kloster ist auf diesem Weg zum Labor für innovatives Management historischer Baudenkmäler geworden. Die Zisterzienserabtei diente unter anderem schon als Kulisse für den Film „Der Name der Rose“ mit Sean Connery in der Hauptrolle. 

dpa/epd

Quelle: op-online.de

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