Mentor Frankfurts auf dem Weg zur Metropole

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Leopold Sonnemann um das Jahr 1870.

Frankfurt ‐ „Um keinen Preis möchten wir jedoch Frankfurt mit Berlin vertauschen.“ Diese für die Ewigkeit gültigen Worte schrieb ein Mann, ohne den das moderne Frankfurt womöglich nicht denkbar wäre. Von Christian Riethmüller

Er war einer der herausragenden Förderer und Mäzene in der Geschichte der Mainmetropole, die er als „Oase in der Wüste“ pries und der er als Gründer und Verleger der legendären „Frankfurter Zeitung“ ihre vielgepriesene Liberalität jeden Tag aufs Neue zum Frühstück versicherte. Trotzdem ist der Name Leopold Sonnemann nurmehr eine Fußnote in der Stadtgeschichte, auch wenn diese Fußnote bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten immer wieder aufscheint.

Weil sich am 30. Oktober Leopold Sonnemanns Todestag zum 100. Mal jährt, soll nun eine große Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt die Erinnerung an den Verleger, Politiker, Mäzen und begnadeten Netzwerker wieder aufleben lassen, dessen Vermächtnis nicht nur in der von ihm gegründeten „Frankfurter Societaets Druckerei“, sondern auch in allseits bekannten Orten wie der Alten Oper, dem Palmengarten oder dem Hotel Frankfurter Hof fortlebt, die es ohne Sonnemanns Zutun nicht gäbe.

Schon Adolf Hitler hatte gegen das Blatt gegiftet

Angesichts des vielfältigen Schaffens und Wirkens Sonnemanns mag es verwundern, seine Geschichte nun der Vergessenheit entreißen zu müssen, doch wurde Name des Juden Sonnemann während der NS-Diktatur ausgelöscht. Seine Nachfahren wurden schon früh zum Rückzug aus der „Frankfurter Zeitung“ und dem Verlag gedrängt und das Blatt selbst, gegen das Adolf Hitler bereits in „Mein Kampf“ gegiftet hatte, zum 31. August 1943 eingestellt. Die Spuren Sonnemanns im Frankfurter Stadtbild waren da schon verschwunden. Seine Villa an der Taunusanlage war 1930 abgerissen und das an die Reichsbank verkaufte Grundstück neu bebaut worden. Die Sonnemannstraße wurde 1936 in Max-Eyth-Straße umbenannt.

Heute gibt es wieder eine Sonnemannstraße in Frankfurt und es hat durchaus symbolischen Gehalt, dass dort auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle die Europäische Zentralbank (EZB) ihr neues Domizil errichten wird. Der frühe Europäer Sonnemann hat sich stets für Demokratie und Gemeinsamkeit stark gemacht - und er hat sein Vermögen, das ihm sein Mäzenatentum erlaubte, als Bankier verdient.

Die erste elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt wurde von Leopold Sonnemann initiiert.

Sonnemann wurde am 29. Oktober 1831 im Dorf Höchberg bei Würzburg in den bescheidenen Wohlstand einer jüdischen Weberfamilie geboren. Die restriktiven bayerischen Gewerbegesetze und judenfeindliche Ausschreitungen in Höchberg bewogen die Familie im Jahr 1840 nach Offenbach an die Frankfurter Straße umzusiedeln, wo Leopold Sonnemann prägende Jahre erlebte. Er besuchte dort die Realschule und erhielt abendlichen Nachhilfeunterricht bei dem Rabbiner Salomon Formstecher. Dieser spätere Offenbacher Ehrenbürger brachte Leopold nicht nur Französisch und Englisch bei, sondern auch die Ideen ein reformierten Judentums nahe, die für den lernbegierigen Jungen intellektuelle Stimulans waren.

Sonnemann verstand Strom demokratisch

Ähnlich prägend waren für Sonnemann die Ideale der Französischen Revolution. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren für den späteren Stadtverordneten und Reichstagsabgeordneten aber nicht nur Schlagworte, sondern Maxime seines Handelns, das sich übrigens auch auf den Einsatz für einen technischen Fortschritt für alle erstreckte. Er verstand etwa Strom als demokratisch und initiierte deshalb 1891 in Frankfurt eine der ersten Weltausstellungen der Elektrotechnik.

Die Ausstellung „Frankfurts demokratische Moderne und Leopold Sonnemann“ ist bis zum 28. Februar 2010 im Historischen Museum Frankfurt zu sehen. Öffnungszeiten: Di - So 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 21 Uhr.

Ebenso sollten Kunst, Kultur und Bildung für alle da sein, weshalb er nicht nur den Städelschen Museums-Verein gründete, sondern als Mäzen auch zahlreiche Kunstwerke den Museen stiftete. Vor allem wirkte er aber als Netzwerker, der andere für eine gemeinsame Sache ins Boot zu holen verstand. Es ist das große Verdienst der sehenswerten Schau, die von Jürgen Steen, Anna Schnädelbach und Michael Lenarz kuratiert wurde, diese vielen Facetten im Leben Sonnemanns zur wesentlichen Aussage zusammenzufügen: Ohne diesen Universalisten wäre die Geschichte Frankfurt eine andere, hätte die Stadt eine anderes Bewusstsein.

Quelle: op-online.de

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