Branchenverband stellt Herbstumfrage vor

Metaller bieten Flüchtlingen Jobs

Frankfurt - Die Unternehmen der hessischen Metall- und Elektroindustrie wollen Flüchtlinge einstellen. Derweil zeigt eine Umfrage: Ein Aufschwung ist nicht in Sicht. Von Marc Kuhn

Hessens Metallfirmen warnen vor einem Fachkräftemangel. Gleichzeitig setzen sie auf Flüchtlinge. „Die hessischen Metall- und Elektrounternehmen sind in hohem Maße bereit, Flüchtlinge über Einstiegsqualifizierungen an Ausbildung und Jobs heranzuführen und in Arbeit zu integrieren“, sagte Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Hessenmetall gestern in Frankfurt bei Vorstellung der Herbstumfrage. Schon jetzt hätten mehr als sechs Prozent der Firmen Flüchtlinge eingestellt, über 30 Prozent würden es kurzfristig planen.

„Das halten wir für erstaunlich hohe Zahlen, wenn man in Betracht zieht, wie kritisch die Unternehmen die Qualifikation der Auszubildenden bewerten, wie schwer es aktuell noch ist, Flüchtlinge überhaupt zu rekrutieren und dass es in unserer Industrie praktisch kaum Helferjobs gibt“, erklärte Fasbender. Er sprach von relativ niedrigen Qualifikationen.

Dass Integration viel länger dauern werde, als viele glauben, würden unter anderem Zahlen zeigen, die der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, auf dem deutschen Arbeitgebertag vergangene Woche benannt habe, berichtete Fasbender. Danach sind zehn Prozent der Bleibeberechtigten gut ausgebildet und rasch vermittelbar. Bis 50 Prozent der Eingewanderten in Lohn und Brot sind, werden fünf Jahre ins Land gehen. Bis 70 Prozent der Flüchtlinge arbeitsfähig sind, werden sogar zehn Jahre vergehen. „Das bedeute: Je höher die Qualifikationsvoraussetzungen für Ausbildung und Arbeit, desto schwieriger wird die Integration“, erläuterte Fasbender. Bei der Umfrage in Hessen hätten die Firmen von der Politik gefordert, bessere sprachliche Voraussetzungen zu schaffen. Zudem verlangten sie eine schnelle Erfassung der Qualifikation von Flüchtlingen.

Fasbender erklärte weiter, Anfang Oktober sei der Integrations-Tarifvertrag für Flüchtlinge geöffnet worden. Ursprünglich soll er Jugendlichen mit großen Handicaps den Einstieg in eine Ausbildung ermöglichen. Nun sollen Flüchtlinge an die Ausbildungsreife herangeführt werden. Bei der Besetzung von Stellen zeichnen sich in Hessen zunehmend Probleme ab. 28 Prozent der Unternehmen können Akademiker-Positionen nicht mehr planmäßig besetzen, berichtete Fasbender aus der Umfrage. Bei den Fachkräften seien es 27 Prozent, bei Auszubildenden 13 Prozent. Für die nächsten drei Jahre erwarten die befragten Firmen eine Verschärfung der Situation: Bei den Akademikern rechnen 30 Prozent der Unternehmen damit, niemanden zu finden – bei den Fachkräften sogar 32 Prozent, bei den Auszubildenden 22 Prozent.

„Mangel an Qualifikation und Mangel an Bewerber sind die Gründe für die Nichtbesetzung“, erklärte Fasbender. Über fehlende Qualifikationen bei Lehrlingen klagten 61 Prozent der Betriebe. Bei den Fachkräften halten sich Qualifikations- und Bewerbermangel die Waage. Bei Akademikern fehlen schlicht die Bewerber.

Top Ten der unbeliebten Berufe

In der Metall- und Elektroindustrie zeigen sich laut Hessenmetall für die ersten neun Monate Auftragszuwächse von knapp vier Prozent, eine Stagnation beim Jahresumsatz von voraussichtlich 56 Milliarden Euro und ein Rückgang bei der Beschäftigung auf 212 500 Mitarbeiter. „Ein wirklicher Aufschwung ist nicht in Sicht“, erklärte Fasbender. Er klagte über hohe Arbeitskosten, hohe Stromkosten sowie hohe Regulierungs- und Bürokratiekosten für die Unternehmen der Branche. Die Stimmung in den Firmen sei zufriedenstellend bis gut, ergänzte Peter Hampel, designierter Geschäftsführer Tarifwesen und Arbeitswissenschaft bei Hessenmetall mit Blick auf die Herbstumfrage.

„Die positive Grundstimmung hat zwar bis in den Herbst 2015 angehalten. Gegenüber Frühjahr 2015 hat sie sich sogar leicht aufgehellt. Bis zum Frühjahr 2016 erwarten die teilnehmenden Unternehmen aber eine Seitwärts-Bewegung: wegen rückläufigen Welthandels, politischer Unsicherheiten und belastender sozial- und wirtschaftspolitischer Maßnahmen in Deutschland.“ Hampel sagte: „Die Stimmung passt sich der Lage an: Wir haben Stagnation.“

56 Prozent der befragten Unternehmen halten ihre Auftragsbestände für „ausreichend“, 21 Prozent für „verhältnismäßig groß“, aber fast 24 Prozent für „zu gering“. Bis zum Frühjahr erwarten 53 Prozent der Firmen eine „unveränderte“ Entwicklung. Mit „eher zunehmenden“ Auftragsbeständen rechnen 27 Prozent, mit „eher abnehmenden“ 20 Prozent.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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