Metaller greifen Politik an

Frankfurt - Die hessische Metall- und Elektroindustrie ist mit der Politik hart ins Gericht gegangen. Die Probleme der Energiewende seien ungelöst, sagte Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Hessenmetall, gestern in Frankfurt. Von Marc Kuhn 

„Die Subventionsspirale steigt weiter.“ Fasbender klagte: „Die Zahl der Unternehmen, die wegen steigender Stromkosten verstärkt über Verlagerungen ins Ausland nachdenken, steigt. “ Im nächsten Jahr würden die stark anziehenden Netzentgelte dazu kommen. Fasbender kritisierte zudem eine „wirtschaftsfeindliche Umverteilungspolitik“ mit Mindestlohn und Rentenpaketen. Er forderte die Rückkehr „zu einer investitionsfreundlichen Politik.

Die Lage in der Branche ist nach seinen Worten durchwachsen. „Nach den ersten beiden Quartalen mit stark rückläufigen Auftragseingängen bis in den August hinein sind sie im September im Vorjahresvergleich um 0,3 Prozent gestiegen“, berichtete Fasbender unter Verweis auf Zahlen des hessischen Statistischen Landesamtes. „Ausschlaggebend für diese leichte Zunahme war ein Plus bei den Auslandsbestellungen von 4 Prozent.“ Die Umsätze der Metall- und Elektro-unternehmen hätten im dritten Quartal mit 13,8 Milliarden Euro um 1,4 Prozent über Vorjahresniveau gelegen, in den ersten drei Quartalen zusammen mit 40,7 Milliarden Euro leicht unter dem Wert des Vorjahres. Für das gesamte Jahr erwartet der Verband Erlöse von 53 Milliarden Euro - knapp unter dem Niveau von 2013. Mehr als 214 000 Menschen waren im September in der Branche beschäftigt, 1,3 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Auch die Stimmung bei den Firmen sei durchwachsen, erläuterte Helmut Rau, Geschäftsführer für Arbeitswissenschaft im Verband. „Im Rückblick freundlich, im Ausblick aber eher pessimistisch“, erklärte er mit Blick auf eine Umfrage unter Mitgliedsunternehmen. Die Metall- und Elektrofirmen würden ihre gegenwärtige Geschäftslage positiver als vor einem Jahr beurteilen. 41 Prozent hielten sie für „gut“ oder „sehr gut“. 46 Prozent bezeichneten die Situation als „befriedigend“. Nur 13 Prozent beurteilen sie als „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Der Blick auf das Frühjahr 2015 sei dagegen eindeutig pessimistisch, sagte Rau. 64 Prozent der Befragten würden von einer „vergleichbaren“ Lage ihres Unternehmens sprechen. Allerdings rechneten lediglich zwölf Prozent mit einer „besseren“ oder „erheblich besseren“ Entwicklung der Geschäftslage. 23 Prozent erwarten eine „schlechtere“ oder „erheblich schlechtere“ Lage. Fasbender verwies auf die Krise in der Ukraine, Probleme bei Ländern in Südeuropa und das nachlassende Wachstum in China.

Der Hauptgeschäftsführer lehnte die Gehaltsforderung der IG Metall von 5,5 Prozent ab. Sie passe weder zur Lage noch zur Stimmung in den Unternehmen. Der Bezirksleiter der IG Metall Mitte und Verhandlungsführer, Armin Schild, erklärte dagegen, „aus wirtschaftspolitischer Sicht sind wir damit vollkommen richtig unterwegs“.

Quelle: op-online.de

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