Bei Umfrage skeptisch

Metaller in der Region: Aufschwung ist ausgeblieben

Offenbach - Kein Aufschwung in der Metall- und Elektroindustrie in der Region. Unterdessen klagt der Branchenverband über die Politik der Großen Koalition in Berlin. Von Marc Kuhn

Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in Offenbach sorgen sich um die wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Derweil geht der Arbeitgeberverband Hessenmetall mit der Politik der Bundesregierung scharf ins Gericht. „Wir sind mit dem Ressort Arbeit und Soziales mehr als unzufrieden“, sagte Hans-Joachim Jungbluth, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Offenbach und Osthessen von Hessenmetall gestern. „Es bedarf keiner gesetzlichen Eingriffe mehr“, erklärte er in Offenbach mit Blick auf die Reformvorhaben bei Leiharbeit und Werkverträgen. Über Leiharbeit würden die Unternehmen atmen. „Das soll mit dem neuen Gesetz von (Arbeitsministerin Andrea) Nahles eingeschränkt werden“, sagte Jungbluth.

Zu den Ergebnissen einer Umfrage von Hessenmetall berichtete er weiter: „Der Aufschwung ist ausgeblieben.“ Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Bezirksgruppe, Erwin Feldhaus. Er verwies auf die Auftragslage. „Es ist keine Hurra-Situation.“ 91 Prozent der befragten Unternehmen schätzt die momentanen Auftragsbücher zwar als ausreichend beziehungsweise verhältnismäßig groß gefüllt ein. Bei den Aussichten für das Frühjahr ändert sich das Bild bei der Umfrage aber. Mit zunehmenden Beständen rechnen nur 18 Prozent der Firmen, 36 Prozent erwarten unveränderte Eingänge und 46 Prozent der Befragten gehen von abnehmenden Auftragsbeständen aus. Feldhaus machte für die Entwicklung beispielsweise die Lohn-Stück-Kosten verantwortlich. Sie seien seit 2010 um 17 Prozent gestiegen, während die Produktivität lediglich um 0,5 Prozent zugelegt habe. Es sei ein Spagat für die Unternehmen, wie Feldhaus erläuterte. Zudem sprach er von starkem Wettbewerbsdruck in der Branche. Und: „Wir hängen an Strukturen, die schwer zu durchbrechen sind“, sagte Feldhaus. „Es schreit alles nach Flexibilisierung am Arbeitsmarkt.“ Die Agenda 2010 der rot-grünen Koalition unter Kanzler Gerhard Schröder habe Deutschland Vorteile gebracht. Doch die seien verspielt worden, kritisierte Feldhaus die schwarz-rote Bundesregierung.

Jungbluth berichtete weiter: „Kein einziges Mitgliedsunternehmen bewertete seine derzeitige Geschäftslage als sehr gut.“ 64 Prozent würden die aktuelle Situation als befriedigend, nur 36 Prozent als gut bezeichnen. Für 55 Prozent der Betriebe sei die gegenwärtige Lage vergleichbar mit der im Frühjahr. „Die Aussichten für das Frühjahr 2016 sind eher trübe: 64 Prozent der Unternehmen gehen von einer gleichbleibenden Lage aus, 27 Prozent befürchten sogar eine Verschlechterung“, erläuterte Jungbluth. „Der dringend notwendige Aufschwung blieb für die meisten Unternehmen der Metall- und Elektro-Unternehmen in unserer Region aus“, ergänzte Feldhaus. „Das wird sehr gut an der Entwicklung der Stammarbeitsplätze deutlich. Diese haben sich im Vergleich zum Frühjahr kaum verändert und werden sich auch im Laufe der nächsten Monate auf diesem Niveau bewegen.“

Bei der Zeitarbeit werde es jedoch einen Beschäftigungsrückgang geben, sagte Feldhaus. Im Frühjahr habe ihr Anteil an der Zahl der Beschäftigen bei vier Prozent gelegen, heute sei es ein Prozent, fügte Jungbluth hinzu. Die etwa 60 Firmen im Zuständigkeitsbereich der Bezirksgruppe beschäftigen rund 20.000 Menschen. 55 Prozent der Betriebe investieren gegenwärtig auf dem gleichen Niveau wie zu Jahresbeginn, 45 Prozent sprechen von gestiegenen Investitionen, wie aus der Umfrage hervorgeht. „Der Ausblick für das Frühjahr 2016 gestaltet sich genau umgekehrt.“ 55 Prozent der Firmen planten eine Zunahme der Investitionen, 45 Prozent blieben beim bisherigen Umfang. Allerdings stehen sowohl gegenwärtig (60 Prozent) als auch künftig (65 Prozent) Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen im Fokus der Unternehmen. Mitarbeiterqualifikationen und beschäftigungswirksame Investitionen planten aktuell 30 Prozent der Betriebe, für das nächste Jahr sind es 35 Prozent.

Quelle: op-online.de

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