Metropolregion FrankfurtRheinMain

Mehr Region wagen

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Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (r) und der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (beide SPD) studieren gemeinsam die Erklärung zur Zukunft der Metropolregion FrankfurtRheinMain.

Frankfurt - „Global denken, regional handeln“ - unter diesem Slogan haben am Freitag in der Frankfurter Paulskirche Rathauschefs, Landräte und Wirtschaftsvertreter eine gemeinsame Erklärung zur Zukunft der Metropolregion FrankfurtRheinMain vorgelegt. Von Christian Riethmüller 

Sie regen einen Staatsvertrag der Bundesländer Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz an, der der Metropolregion die gemeinsame Verantwortung für zahlreiche regionale Aufgaben übertragen soll. Die Paulskirche ist in der Geschichte der Demokratie in Deutschland ein ganz besonderer Ort. Hier tagten 1848 und 1849 die Delegierten der Frankfurter Nationalversammlung, der ersten frei gewählten Volksvertretung der deutschen Lande. Hier verabschiedeten sie am 28. März 1849 auch eine Reichsverfassung. In solchen Dimensionen denkt am Freitag in der Paulskirche zwar niemand (und wenn doch, dann nur heimlich), aber vom Nimbus der Geschichte darf ruhig ein Strahl auf den „Tag der Metropolregion“ fallen, der einige hundert Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf Einladung von Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ins symbolträchtige Rund geführt hat.

„Die Paulskirche ist das Mindeste, was ich ihnen bieten muss“, bedankt sich Feldmann bei den Gästen, die seinem Werben gefolgt sind, mit der Veranstaltung ein deutliches Zeichen für eine bessere und intensivere Zusammenarbeit in der Metropolregion FrankfurtRheinMain, in der immerhin rund 5,5 Millionen Menschen leben, zu setzen. Grundlage dieser vertieften Zusammenarbeit soll ein Staatsvertrag zwischen den Bundesländern Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz sein, der der Metropolregion FrankfurtRheinMain die Verantwortung für zahlreiche Aufgabenfelder mit regionaler Bedeutung überträgt. Vorbild ist der bereits existierende Staatsvertrag für die Metropolregion RheinNeckar, den die Länder Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im Jahr 2005 schlossen und der sich seither bewährt hat.

300 Unterzeichner von Erklärung

Um die Forderung nach einem Staatsvertrag zu bekräftigen, ist am Freitag in der Paulskirche eine Erklärung zur Zukunft der Metropolregion FrankfurtRheinMain vorgelegt worden, die mittlerweile gut 300 Landräte, Bürgermeister, Wirtschafts- und Kulturvertreter unterzeichnet haben, darunter als Erstunterzeichner neben Peter Feldmann auch Offenbachs Oberbürgermeister Host Schneider (SPD) sowie als Unterstützer etwa Oliver Quilling (CDU), Landrat des Kreises Offenbach, Erich Pipa (SPD), Landrat des Main-Kinzig-Kreises, und Klaus Peter Schellhaas (SPD), Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg.

Rhetorischen Beistand erhalten die Initiatoren der Erklärung vom Gastredner der Festveranstaltung. Martin Schulz (SPD), Präsident des Europäischen Parlaments, und in vielen Jahren in Brüssel gestählt im Herbeiführen von Kompromissen im Widerstreit zahlreicher (nationaler) Interessen, preist regionale Zusammenschlüsse als „Zukunftsprojekt“. Und er schwärmt von den Potenzialen der Rhein-Main-Region, angesichts derer man als ein Außenstehender „neidisch werden könnte“.

Schulz prognostiziert, dass im Jahr 2050 der Anteil der Europäer an der Weltbevölkerung nur noch fünf Prozent betragen werde. 80 Prozent der Europäer würden dann in Städten leben, was den Wettbewerb nicht nur der elf deutschen Metropolregionen entscheidend verstärken werde. Mathias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt, pflichtet diesen Aussagen bei. „Die Region ist die Stadt der Zukunft“ sagt er in seinem Referat und fordert, dass „die Strukturen der Zusammenarbeit in der Metropolregion endlich der Lebenswirklichkeit der Bevölkerung angepasst werden“, die den Ballungsraum um Frankfurt ohnehin schon wesentlich größer wahrnehme. Die Erklärung sei daher ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung.

Quelle: op-online.de

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