Mit Engagement bei der Sache

Ein Mikro für jedermann: „Komm ich zeig dir Main Hiphop“

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Levent Görcek und Daniele Loiotile haben das Projekt ins Leben gerufen.

Frankfurt/Offenbach - Mit Eigeninitiative und viel Engagement haben zwei Offenbacher das Projekt „Komm ich zeig dir Main Hiphop“ ins Leben gerufen. Damit bieten sie eine Bühne für jeden, der einmal selbst vor Publikum auftreten möchte. Gleichzeitig soll so auch die Rap-Szene vernetzt werden. Von Christian Wachter

Frankfurt und Hiphop, das gehört schon lange zusammen. Angefangen bei Konkret Finn, Rödelheim Hartreim Projekt, Nordmassiv über Azad, D-Flame und Jonesmann bis hin zu Vega sowie Celo & Abdi. Das hatte nicht zuletzt auch seine Strahlkraft nach Offenbach. Haftbefehl ist inzwischen wie vieles, was derzeit aus der Region kommt, angekommen im Mainstream. Nicht musikalisch allerdings; die Straße, wie man im Jargon sagen würde, ist nur zur rentablen Popkultur geworden. Hiphop in Frankfurt und Offenbach findet aber auch nach wie vor abseits der großen Medienpräsenz statt. Etwa bei „Komm ich zeig dir Main Hiphop“. Ein Projekt, das Levent Görcek und Daniele Loiotile gestartet haben.

Jungen Künstlern soll die Möglichkeit gegeben werden, sich am Mikrofon und vor Publikum zu präsentieren. Dabei kann jeder unangemeldet und bei freiem Eintritt vorbeikommen und sich das Mikrofon greifen. Das gelte nicht nur für Rapper, betonen die beiden. Sänger seien ebenso willkommen und auch einige Besucher mit Instrumenten habe man schon gehabt. Diese Open-Mic-Sessions fanden bislang dreimal in Offenbach – am Mainufer und der Akademie für internationale Prozesse (afip!) – und zuletzt hinter der EZB in Frankfurt statt. Das soll aber nicht die letzte Station sein: „Wir würden gerne eine Main-Tournee starten. Eine Woche lang jeden Tag eine andere Stadt. Ein wichtiges Anliegen von uns ist es, die Rap-Szene zu vernetzen.“, erzählt Görcek. Das Projekt hat Görcek mit ins Leben gerufen, weil er früher selbst gerne die Möglichkeit gehabt hätte, häufiger am Mikro zu stehen: „Mit 18 wollte ich selbst auf Open-Mic-Sessions gehen. Allerdings gab es in der Region sehr wenige Angebote.“

Um eben für solche Angebote zu sorgen, sei neben dem Ort auch die Infrastruktur wichtig, fügt Loiotile hinzu. Die Musikbox, die bei den Veranstaltungen im Zentrum steht, habe sein Kumpel und Partner Görcek deshalb auch selbst finanziert. „Ich persönlich komme eigentlich eher aus einer anderen Musikszene, mehr die Gitarren-Ecke. Aber als mir Levent von der Idee erzählt hat, war ich Feuer und Flamme. Auch ich habe nämlich gemerkt, dass man in der Region häufig zu wenig Möglichkeiten hat, um sich auszuprobieren“ so Loiotile. Für die Zukunft haben die beiden ambitionierte Pläne: Sie wollen einen Verein gründen und eine Stiftung finden, um finanziell andere Möglichkeiten zu haben: „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir uns neben der Musik auch generell mehr mit Jugendkulturförderung beschäftigen. Ich habe ein ehrenamtliches Jahr beim Peoples Theater in Offenbach gemacht. Das hat mich sehr geprägt. Auch in der Hinsicht, dass ich gerade Jugendlichen aus finanziell schwächeren Familien helfen möchte, mit Erfahrungen umzugehen, die ich auch selbst gemacht habe. Daniele wiederum ist gelernter Koch und würde gerne Grundkenntnisse im Umgang mit Lebensmitteln vermitteln, die bei vielen einfach fehlen.“

Komm ich zeig dir Main Hiphop: Bilder

Das Engagement der beiden kommt auch bei den Besuchern auf den Open-Mic-Sessions gut an: Rapper Hanseklinger berichtet an der EZB: „Es gibt wenige Orte im Umkreis, wo man einfach so vorbeikommen und kreativ sein kann. Wo der Gemeinschaftsgedanke des Hiphop noch so gepflegt wird“. Und Rap-Kollege Barbarossa stimmt ihm zu. „Hier gibt es eine richtig positive Atmosphäre. Das fällt gleich auf. Natürlich auch ein schönes Statement, so etwas mal direkt vor der EZB zu machen. Man merkt einfach, mit wie viel Liebe für die Sache die Organisatoren mit dabei sind.“

Ein Feedback, dass Görcek und Loiotile sicher gerne lesen und auch hören. Rückmeldungen sind ihnen nämlich generell sehr wichtig. Deshalb gibt es auf jeder der Open-Mic-Sessions Fragebögen, auf denen die Teilnehmer eintragen können, was ihnen gefallen hat und was sie noch verbessern würden. „Mit dieser Grundlage setzen wir uns nach den Sessions zusammen, um zu schauen, wie wir die nächste Veranstaltung angehen“, erörtert Loiotile. Infos und Bilder gibt es auch auf der Facebook-Seite von „Komm ich zeig die Main Hiphop“. 

Quelle: op-online.de

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