43 Millionen Joints

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„Wie ein Kornfeld“: In Rodgau-Jügesheim hatte eine hoch professionell arbeitende Bande in einer 2 000 Quadratmeter großen Halle optimale Bedingungen für den Cannabis-Anbau geschaffen.

Arnsberg/Frankfurt/Rodgau - Der größte Fall von Cannabis-Anbau in der Geschichte der BRD beschäftigt seit fast zwei Jahren die Justiz in Arnsberg (Sauerland). Ein Dutzend Haupttäter aus dem Raum Frankfurt und deren Helfern sollen von 2000 bis 2007 insgesamt 2,6 Tonnen Marihuana produziert haben. Von Jörg Taron

Als „hoch professionell“ bezeichnen Ermittler die Bande, deren Treiben nur durch Zufall aufgedeckt wurde. Einige Bandenmitglieder wurden bereits zu Strafen zwischen drei und knapp sieben Jahren Haft verurteilt. Heute beginnt vor dem Arnsberger Landgericht der siebte Prozess gegen einen 41 Jahre alten Mann aus dem Rhein-Main-Gebiet.

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Im Prozess um den bisher größten Fall von Cannabis-Anbau in der Bundesrepublik hat der 41 Jahre alte Angeklagte vor dem Arnsberger Landgericht ein umfassendes Geständnis angekündigt. Dem gelernten Computer-Experten wird zur Last gelegt, als Mitglied einer Bande zwischen 2001 und 2007 in mehreren Fabrikhallen im Frankfurter Raum und im Sauerland mehr als zwei Tonnen Marihuana produziert zu haben. Wegen hoher Schulden habe er sich von einem Bandenmitglied anwerben lassen, sagte der 41-Jährige.

Ohne das Hochwasser und Kommissar Zufall in Form der Feuerwehr wäre das nie aufgefallen“, sagt der Arnsberger Oberstaatsanwalt Rainer Hummert, der die Ermittlungen gegen die Bande leitet. Im August 2007 drohte Starkregen eine Fabrikhalle im sauerländischen Sundern-Hachen unter Wasser zu setzen. Feuerwehrleute wollten den Strom abstellen und stießen dabei auf getrocknete Cannabis-Pflanzen. Die Polizei stellte 150 Kilogramm Drogen sicher und nahm zunächst zwei Männer fest.

Doch damit war nur die Spitze eines Eisberges angekratzt. Die Ermittler fanden einen Kontoauszug über eine Stromrechnung für eine Fabrikhalle im Gewerbegebiet von Rodgau-Jürgesheim. Während die Drogen-Produktion im Sauerland schon fast geräumt war, stießen die Ermittler in Jürgesheim auf eine 2 000 Quadratmeter große Halle, in der mehr als 2 000 Cannabis-Pflanzen in künstlich erzeugtem Wind wogten. „Wie ein Kornfeld“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Das hat eine bisher nicht gekannte Qualität.“ Sowohl was die Professionalität der Zucht mit computergesteuerter Bewässerung, Beleuchtung und Lüftung im Wert von mehreren Hunderttausend Euro angeht, als auch im Bezug auf den hohen Wirkstoff-Gehalt von mehr als elf Prozent. „Was die Natur nicht bringt, kann man in einer solchen Aufzuchthalle optimieren.“ Die der Bande zur Last gelegten 2,6 Tonnen Drogen reichen für rund 43 Millionen Konsumeinheiten, rechnet Hummert vor. „Theoretisch wäre das für jeden Einwohner Polens ein Joint.“

Insgesamt neun Fabrikhallen vor allem im Raum Frankfurt und Offenbach hatte die Bande im Laufe der Jahre angemietet. Bis zu dreimal pro Jahr wurde geerntet. Nach spätestens zwei Jahren wurde der Standort gewechselt: „Dann bestand die Gefahr, dass Nachbarn oder Behörden zu neugierig wurden.“ Offiziell wurden in den Hhallen „dubiose Lichtexperimente“ durchgeführt, auch um die hohen Stromrechnungen und die Verdunklung der Fenster zu rechtfertigen.

Die haben sich Erntehelfer aus Kroatien geholt“, sagt Hummert. Allerdings seien den Helfern einige Kilometer vor den Hasch-Fabriken die Augen verbunden worden, um zu verhindern, dass jemand den genauen Standort kennt. „Sie bekamen weiße Overalls an mit Nummern auf dem Rücken, damit sich niemand mit Namen ansprach.“

Die Bande um den auf dem Balkan untergetauchten mutmaßlichen Drahtzieher aus Frankfurt war vorsichtig. „Die haben sich zum Teil schon aus der Kindheit gekannt, von außen kam da so schnell keiner rein“, sagt Hummert. Die allesamt nicht vorbestraften Haupttäter gönnten sich großzügige Monatsgehälter und Prämien. „Sie haben das irgendwann wie einen legalen Broterwerb betrachtet“, meint der Oberstaatsanwalt.

Nach ersten Zuchterfolgen im Keller oder auf Dachböden wurden die Anlagen immer größer. Die Ernten wurden später maschinell in Ein-Kilo-Beutel verpackt. Dann übergab man die Drogen dem in den Akten als „Finanzminister“ bezeichneten mutmaßlichen Stellvertreter der Bandenchefs. Er war nach Entdeckung der Fabriken nach Thailand geflohen und dort von Zielfahndern des BKA ausfindig gemacht worden. Wie und an wen dieser „Finanzminister“ die Drogen weitergab, haben die Ermittler auch fast zwei Jahre nach dem Zufallsfund noch nicht herausgefunden.

Quelle: op-online.de

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