Missbrauchsopfer bitten Kirche zur Kasse

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Geld/Symbolbild

Fulda/Limburg/Mainz - Nach dem Skandal um Gewalt und sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche haben Opfer in Hessen dutzendfach Entschädigungszahlungen erfolgreich eingefordert. Von Jörn Perske (dpa)

Das hat eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa in den Bistümern Fulda, Limburg und Mainz ergeben. 56 Anträge wurden in den drei Bistümern gestellt, in 48 Fällen wurde Geld gezahlt - bis zu einer Höhe von 14 000 Euro. Vor einem Jahr hatte die katholische Kirche Missbrauchsopfern ermöglicht, finanzielle Hilfen zu beantragen.

Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Bonn sind aus dem Bundesgebiet bislang 1030 Anträge eingegangen. In mehr als 90 Prozent der Fälle sei eine Geldzahlung empfohlen worden, die über die jeweiligen Bistümer oder Orden erfolgt. Die katholische Kirche hatte im März 2011 angeboten, Missbrauchsopfern bis zu 5000 Euro zu zahlen.

In Mainz die meisten Anträge

Die meisten Anträge in der Region wurden im Bistum Mainz (759.624 Katholiken) gestellt, das bis weit nach Hessen hineinreicht. Bei 29 Anträgen wurden 25 Mal Zahlungen bewilligt. Zwei Anträge wurden abgelehnt, zwei Rückmeldungen der DBK stünden noch aus, sagte Bistumssprecher Tobias Blum. Die Missbrauchsopfer bekamen zwischen 1000 und 13.000 Euro.

Im Bistum Limburg (655.564 Katholiken) wurde in 14 von 18 Fällen gezahlt, und zwar zwischen 3000 und 14.000 Euro. Vier Anträge würden noch bearbeitet. Bei neun von 18 Anträgen habe es sich um Internate beziehungsweise Heime von Orden, der Caritas oder selbstständigen katholischen Einrichtungen gehandelt, erläuterte Bistumssprecherin Patricia Arndt. Die deutliche Mehrheit der Anträge betreffe Vorwürfe, bei denen die Beschuldigten bereits verstorben seien.

Anerkennung des Leids

Im Bistum Fulda (409.121 Katholiken) wurde bei allen neun Anträgen Geld gezahlt, zwischen 1000 und 5000 Euro. Dabei habe es sich um eine Anerkennung des Leids gehandelt, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde - so die offizielle Bezeichnung der Kirche.

Zu diesem Theme lesen Sie auch den Kommentar: Kirche trägt schwere Last

Auch die Limburger Bistumssprecherin Arndt betonte: „Finanzielle Hilfen können niemals erlittenes Unrecht wieder gut oder gar ungeschehen machen.“ Mit der Möglichkeit einer finanziellen Hilfe gehe die Kirche aber unmittelbar auf die Bedürfnisse der Betroffenen ein. Zur Hilfe gehörten auch unterstützende Therapien und die Vermittlung von seelsorglichen Gesprächspartnern.

Die großen Unterschiede bei den Entschädigungen begründete Arndt mit der unterschiedlichen Schwere der Vergehen. Die Bistümer folgten bei den finanziellen Hilfen einer nicht verbindlichen Empfehlung der Zentralen Koordinierungsstelle.

Unterstützung der Betroffenen

Die finanziellen Hilfen stellten einen Weg dar, die Betroffenen zu unterstützen, wenn aufgrund von Verjährungsfristen kein formal-juristischer Rechtsanspruch bestehe, erklärte Arndt. Strafrechtlich hatte der Missbrauchsskandal in Hessen wenig Konsequenzen. In vielen Fällen waren die Taten verjährt.

In der Koordinierungsstelle der DBK beraten Psychologen, Juristen und Theologen über die Anträge. Anträge könnten weiterhin unbefristet eingereicht werden.

Quelle: op-online.de

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