„Mit denen darf ich sprechen“

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Ein großer Aufkleber an der Eingangstür dieses Ladens signalisiert Kindern: Hier findest du Hilfe.

Frankfurt ‐ Noteingänge, Schutzburgen, Notinseln: Die Projekte haben verschiedene Namen, aber ein Ziel. Sie sollen die Schulwege so sicher machen, dass Kinder bedenkenlos allein zur Schule gehen können. Ladenbesitzer erklären sich bereit, den Kleinen in Notfällen zu helfen und zeigen das mit großen, bunten Aufklebern in ihren Schaufenstern. Von Franziska von Tiesenhausen (dpa)

Solche Präventionsprojekte gibt es mittlerweile in vielen hessischen Städten - unter anderem auch in Seligenstadt, Hanau, Münster-Eppertshausen und im übrigen Raum Dieburg.

Meist sind es die kleinen Probleme des Alltags, bei denen die Geschäftsleute Unterstützung leisten: Die Kinder kommen wegen verlorener Schlüssel, mit aufgeschürften Knien oder weil sie dringend zur Toilette müssen. Erfahrungsberichte der verschiedenen Organisationen zeigen, dass die Geschäftsleute nur in seltenen Fällen Streit schlichten oder gar bedrängten Kindern Schutz bieten müssen.

Für die Kinder sind aber die kleinen Probleme auch schon schlimm“, sagt Sabine Göbel, die bei der Stadt Dieburg für die „Schutzburgen“ zuständig ist. 35 Geschäfte machen hier bei dem vor vier Jahren initiierten Projekt mit, das von dem Berliner Büro für Umweltpsychologie PSYPLAN getragen wird. „Ernstere Vorfälle gab es noch nicht“, berichtet Göbel.

Soziale Netzwerke müssen sichtbar gemacht werden

Kinder gerieten in Notfällen immer in ein Dilemma, sagt Umweltpsychologin Nicola Moczek von PSYPLAN, die das Projekt „Schutzburgen“ seit sieben Jahren wissenschaftlich auswertet. Auf der einen Seite bräuchten sie Hilfe, auf der anderen Seite sei ihnen bewusst, dass sie keine Fremden ansprechen sollen. „Durch den Aufkleber wissen die Kinder: Das sind handverlesene Leute, mit denen darf ich sprechen.“ Soziale Netzwerke für solche Lagen gebe es in den Kommunen durchaus, sie müssten aber für die Kinder sichtbar gemacht werden.

Mehr Informationen:

Schutzburg

Notinsel

Gewalt sehen und helfen

Rüsselsheim und Bad Vilbel beispielsweise starteten im September mit den „Notinseln“. In Langenselbold, Limburg, Nauheim und Wetzlar gibt es das von der Stiftung Hänsel und Gretel in Karlsruhe getragene Projekt schon länger. Bei den „Schutzburgen“ ist Südhessen mit 18 Teilnehmern sogar bundesweite Hochburg. In Frankfurt wurden die „Noteingänge“ auf Nieder-Eschbach als sechsten Stadtteil ausgeweitet. Vor einem Jahr startete die vom Frankfurter Präventionsrat getragene Initiative im Stadtteil Bergen-Enkheim. Einen Erfahrungsbericht gibt es nach Angaben der Kinderbeauftragten des Stadtteils, Renate Müller-Friese, noch nicht. Von ernsten Notfällen wisse sie aber nichts.

Im vergangenen Jahr habe es viele Probleme mit Jugendlichen gegeben, die randaliert oder andere verprügelt hätten, erzählt der Vorsitzender des Regionalrates Nieder-Eschbach, Werner Ullrich. „Die Kleinen hier sind eventuell gefährdet und da wollten wir präventiv vorgehen“, erklärt er die Initiative. Die Wohngegend „Am Bügel“ gehört zu Frankfurts sozialen Brennpunkten.

Quelle: op-online.de

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