Archäologisches Museum zeigt den „Teppich von Bayeux“ als Großdiapositiv

Mittelalterlicher Comic-Strip

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Ausschnitt aus dem berühmten „Teppich von Bayeux“

Frankfurt ‐ Der berühmte fast 70 Meter lange und über 50 Zentimeter breite „Teppich von Bayeux“ ist eigentlich gar kein Teppich. Und der Bumerang keine Erfindung australischer Ureinwohner. Von Reinhold Gries

Solche überraschenden Erkenntnisse zu den „letzten Wikingern“ gewinnt man beim Betrachten der Originalobjekte, Kopien und Fotos sowie beim Lesen ausgiebiger Texte in der aktuellen Ausstellung des Archäologischen Museums in Frankfurt. Im Zentrum der Schau „Die letzten Wikinger“ steht die Wiedergabe der Stickarbeit von Bayeux als Großdiapositiv in „halber natürlicher Größe“. Das Original im „Centre Guillaume le Conquérant“ in Bayeuxs Altstadt, mit zweifasrigem Wollgarn in zehn Farben auf neun Bahnen Leinwand genäht, ist unausleihbar. Selbst die Kopie der größten erhaltenen Textilarbeit des Mittelalters, zum „Weltdokumentenerbe“ ernannt, ist in der benachbarten Kathedrale ein vielbesuchtes Ziel. Viele Engländer reisen in die Normandie, um dort „ihren“, fast als Nationalheiligtum verehrten Teppich zu betrachten. Der um 1070 im Canterbury-Kloster Saint Augustine in zehnjähriger Arbeit hergestellte „Comic-Strip“ stellt die für England so wichtigen Ereignisse von 1065/66 in unglaublicher Klarheit dar - natürlich aus der Sicht des damaligen Siegers und Normannenherzogs Wilhelm des Eroberers.

Die Hauptpersonen des wunderschön gestickten Propaganda-Bilderbogens für den 1077 geweihten Dom von Bayeux sind der alternde englische König Edward, Harold Godwinson, der Jarl (Earl) von Wessex und Schwager des Königs, dazu Wilhelms Halbbruder Odo, Bischof von Bayeux und Auftraggeber der gestickten Reliquiengeschichte. Offensichtlich gaben Edwards Kinderlosigkeit und die rechtswidrige Krönung Harolds Wilhelm den Anlass, die englische Krone zu beanspruchen und die Eroberung von 1066 zu legitimieren. Also verliert „Treuebrecher“ Harold die entscheidende Schlacht bei Hastings gegen Wilhelm und stirbt.

Vor der Krönung Wilhelms bricht das Bildprogramm mit der 58. Szene ab. Dass man es noch betrachten kann, ist einem gewissen Dom Bernard de Montfaucon zu verdanken, der das wertvolle Leinen rettete, als es in der Französischen Revolution gerade als Schutzdecke für ins Feld ziehende Wagen verteilt wurde. So ist das Bildprogramm immer noch zu verfolgen: der Bau der Eroberungsflotte und deren Einschiffung, die Überquerung des Kanals in Wikingerschiffen – Frankreichs Normannen kamen ursprünglich aus Dänemark – dazu Edwards Tod, Harolds Eid und Tod, der unheilbringende Halleysche Komet, die Landung in England und die Schlacht bei Hastings.

Einige der in der Bilderfolge vorkommenden Gegenstände sind in der Ausstellung auch in Originalen zu bewundern, die das Nationalmuseum Kopenhagen leihweise zur Verfügung gestellt hat, darunter auch einer der letzten erhaltenen Krieger-Bumerange. Neben normannischer Bekleidung und Fibeln schimmern goldene wikingerzeitliche Kunstwerke von Rang, etwa das Vatnas-Reliquiar, die runde Dekorfibel mit dem Chalcedon oder das Bönderup-Kreuz von 1070.

PDie Schau „Die letzten Wikinger – Der Teppich von Bayeux und die Archäologie“ ist bis 14. März im Archäologischen Museum Frankfurt zu sehen. Öffnungszeiten: Di-So 10 bis 18 Uhr, Mi 10 bis 20 Uhr.

Quelle: op-online.de

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