Möbel gehören zur Kuschelecke

Weiterstadt ‐ Krise, welche Krise? Zumindest der Möbelhandel stellt sich diese Frage zurecht, wartet die Branche doch mit erklecklichen Zuwachsraten auf. Reinhold Gütebier, Geschäftsführer beim Möbelhandelsunternehmen Segmüller beziffert das Umsatzplus auf „durchschnittlich drei bis fünf Prozent, wobei einige Unternehmen über zehn Prozent liegen“. Von Frank Pröse

Gütebier lässt durchblicken, dass sein Unternehmen bei den Umsatzriesen mit einem satten zweistelligen Plus ganz vorne mitspielt. Offensichtlich gewinnt in Zeiten der Wirtschaftskrise das Zuhause als Sicherheits- und Wohlfühlzone an Bedeutung. Menschen empfinden zunehmend Vergnügen daran, sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen, sie auszuschmücken und Geld in Wohnzimmereinrichtungen und Küchen zu investieren. Gütebier spricht vom Trend zum „Homing“, was sich vielleicht mit „Neuer Kuscheligkeit“ übersetzen lässt.

Mittlerweile 4.000 Beschäftigte

Davon profitiert auch das inzwischen zum Umsatzmilliardär aufgestiegene Einrichtungshaus Segmüller, was sich auch an der Beschäftigten-Entwicklung ablesen lässt. Inzwischen arbeiten rund 4.000 Frauen und Männer für das Unternehmen, darunter etwa 70 Prozent in Vollzeit. Zuletzt hat die Firma laut Gütebier 120 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Nach wie vor verfolge die Familie Segmüller die Politik, Menschen aus der Arbeitslosigkeit heraus in das Unternehmen einzubinden, sagt der Geschäftführer nicht ohne Stolz. Diese Mitarbeiter werden von Segmüller intensiv qualifiziert. Gütebier spricht von einer „erfolgreichen Integration“. Zudem setzt das Unternehmen auf ältere Mitarbeiter, die mit ihrer Lebenserfahrung gut bei den Kunden ankommen. So sind 38 Prozent aller Angestellten über 50 Jahre alt. Die Strategie geht auf. Laut Gütebier ist das Haus in Weiterstadt das umsatzstärkste der Branche in Deutschland.

Der Geschäftserfolg macht Mut für Expansionen. So berichtet Gütebier von konkreten Plänen, unter anderem im Frankfurter Norden ein weiteres riesiges Möbelhaus zu errichten.

Hülsta rechnet mit zehn Prozent Minus

Von den Erfolgen des Handels ist die heimische Möbelindustrie weit entfernt. Laut Jürgen Klümper, Vertriebschef des deutschen Premium-Herstellers Hülsta, rechnet die Branche mit einem Minus von zehn Prozent. Er begründet dies mit der hohen Exportabhängigkeit der Branche. Absatzeinbrüche in Spanien, Großbritannien und in Osteuropa hätten deshalb voll durchgeschlagen. Zudem sehe sich die deutsche Industrie einem verstärkten Importdruck von günstiger Ware aus Asien ausgesetzt. Und schließlich partizipiere die Industrie auch nicht vom verstärkten Accessoireverkauf in den Möbelhäusern.

Klümper hatte dennoch nicht nur düstere Nachrichten zu übermitteln, zeichnete er Segmüller doch als „Händler des Jahres“ aus. Segmüller setzte sich damit gegen 300 inländische Konkurrenten durch. Grund genug, die Preisvergabe mit 1 000 geladenen Gästen in Weiterstadt gebührend zu feiern.

Quelle: op-online.de

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