Monsterlok rollt gen Norden

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Sie sieht aus wie eine normale Elektrolok, ist aber ein Fahrzeug der Extreme und darf nur abgespeckt auf deutschen Trassen rollen: Die „Iore II“ erhält das Original-Fahrgestell und ihren Schneeflug erst am Bestimmungsort Kiruna, 150 Kilometer nördlich des Polarkreises.

Kassel ‐ Eine der schwersten und stärksten Lokomotiven der Welt soll am heutigen Mittwoch von Hessen aus auf die Fahrt nach Schweden gehen.

Die im Einsatz 360 Tonnen schwere Elektrolok wurde in Kassel gebaut und soll künftig nördlich des Polarkreises Eisenerz schleppen. Weil die Zugmaschine mehr als viermal so schwer ist wie eine Standardlok, wird sie in Einzelteile zerlegt auf die 2596 Kilometer lange Reise geschickt. Der 96 Meter lange Transportzug fährt nach Rostock, von dort mit der Fähre nach Trelleborg und dann weiter in den Norden Schwedens.

Die Elektroloks werden immer im Zweiergespann eingesetzt und haben dann zusammen 14  000 PS. Damit sollen sie 68 Waggons von je gut 20 Tonnen schleppen. Beladen wiegt der ganze Zug 8200 Tonnen. Neben der Zugstärke sei auch das Klima das besondere Problem gewesen, sagte Projektleiter Karl-Heinz Buchholz: „Das Eisenerz im schwedischen Kiruna ist so gut, dass der Abbau auch 150 Kilometer nördlich des Polarkreises lohnt. Das heißt für uns aber, dass unsere Lok auch bei minus 40 Grad funktionieren muss.“ Entsprechend klein sei der Markt: „Wie mussten fast jedes Bauteil auf so extreme Temperaturen abstimmen. Wer das nicht braucht, wird es nicht bezahlen wollen.“ Die vier bestellten Doppelloks kosten laut Hersteller 56 Millionen Euro. Eine Standardlok koste sonst drei Millionen Euro.

30-Tonnen-Radgestell wurde gegen leichteres ausgetauscht

Die „Iore II“ („Eisenerz II“) genannten Lokomotiven können 30 Tonnen Gewicht pro Achse auf die Schiene bringen. Weil in Deutschland aber nur 22,5 Tonnen erlaubt sind, wurden sie abgespeckt. Das 30 Tonnen schwere Radgestell wurde gegen ein leichteres Transportgestell ausgetauscht, die Motoreneinheit und der tonnenschwere Schneepflug fahren auf einem Waggon mit. Deshalb reist „Iore“ antriebslos und von einer Rangierlok geschleppt nach Schweden. „Für die sieben bis acht Tage lange Reise sind Unmengen an Zulassungen und Genehmigungen nötig, aber der Zug wird rechtzeitig ankommen“, sagte Gerd Schäfer von der Spedition. Bereits im nächsten Monat solle eine weitere „Iore“ nach Kiruna gehen. Die Schweden schleppen ihr Eisenerz seit 2000 mit elektrogetriebenen Schwerlastlokomotiven aus Kassel.

dpa

Quelle: op-online.de

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