Monument des stabilen Euro

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Ein Blick in die Zukunft: Die neue Zentrale der Europäischen Zentralbank im Osten Frankfurts hat gestern ihren offizellen Grundstein erhalten. Sie soll in vier Jahren die Euro-Banker aufnehmen.

Frankfurt ‐ Im künftigen Sitz der Europäischen Zentralbank wird der Euro mit Sicherheit noch viele Jahrzehnte Bestand haben: Im Grundstein für die fast 200 Meter hohen Doppeltürme wurden gestern neben Tageszeitungen aus den 27 EU-Staaten je ein Satz Euro-Münzen und ein Satz Euro-Banknoten aus allen 16 Mitgliedsländern der Währungszone begraben. Von Thomas Maier (dpa)

Inmitten der schwersten Krise der Zentralbank versicherte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bei dunklen Wolken im Dauerregen, dass die Zentralbank sich der Preisstabilität verpflichtet sehe. Außerdem müsse gewährleistet werden, dass die Baukosten innerhalb des veranschlagten Budgets blieben. Der Neubau, so Trichet, werde funktional sein und die „komplexen Anforderungen einer europäischen Institution“ erfüllen.

Das europäische Währungsteams habe den Auftrag, das vorrangige Ziel der Wahrung der Preisstabilität zu verfolgen. Preisstabilität sei nicht nur das vorrangige Ziel im Euro-Vertrag, sondern genau das, was „unsere Demokratien, die Menschen in Europa, von uns fordern“. Man fühle sich auch der ökologischen Nachhaltigkeit verpflichtet.

Die vom Wiener Architektenbüro Coop-Himmelb(l)au entworfenen Türme sollen im Jahr 2014 bezugsfertig sein. Die Gesamtkosten für den schon erheblich verzögerten Neubau im Frankfurter Ostend direkt am Main werden auf mindestens 850 Millionen Euro geschätzt. Initiiert wurde das Projekt im Jahr 1998 vom EZB-Rat während der Präsidentschaft von Wim Duisenberg. Damals war die EZB gerade gegründet worden.

Zentralbanker hatten das Projekt 2008 auf Eis gelegt

Ursprünglich sollte mit der Errichtung der ineinander verschlungenen Türme vor zwei Jahren begonnen werden. Doch die Zentralbanker hatten 2008 das Projekt auf Eis gelegt, da kein Generalunternehmer für die vorgesehenen 500 Millionen Euro bauen wollte. Nach separaten Ausschreibungen für zwölf Teilabschnitte ist die Zentralbank jedoch optimistisch, dass die reinen Baukosten von 500 Millionen Euro - gerechnet zu Preisen von 2005 - eingehalten werden. Ausgerechnet die Euro-Banker haben dabei von den in der Finanzkrise gefallenen Rohstoffpreisen profitiert.

Derzeit sind die rund 1400 Beschäftigten der Zentralbank auf mehrere Gebäude im Bankenviertel verteilt. Im Juni beginnen die ersten größeren Bauarbeiten am Hochhaus, das für knapp 2500 Mitarbeiter ausgelegt ist. Trichet, dessen Amtsperiode nach acht Jahren Ende 2011 ausläuft, wird auf alle Fälle nicht mehr selbst einziehen können.

Rund 400 Firmen aus ganz Europa hatten sich an der Ausschreibung für die ersten acht Teilabschnitte beteiligt. Teil des Neubaus wird die denkmalgeschützte frühere Frankfurter Großmarkthalle des Architekten Martin Elsaesser. Der für seine Spannbeton-Konstruktion berühmte Backstein-Bau aus dem Jahr 1928 wird durch einen stählernen Querriegel mit den Doppeltürmen verbunden. Der Riegel wird der EZB künftig als Eingangscenter und Pressezentrum dienen. An der Großmarkthalle wurde bereits Ende April mit vorbereitenden Arbeiten begonnen.

Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bezeichnete den Neubau als eines der wichtigsten europäischen Bauprojekte. Der EZB- Turm würde zu einem Wahrzeichen für ganz Frankfurt. Im Grundstein wurde auch die Main-Metropole verewigt: Neben den Bauplänen fand auch eine Frankfurter Gedenkmünze Platz.

Quelle: op-online.de

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