Opfer und Täter polizeibekannt

Mord in Frankfurt: Warum waren die Intensivtäter frei?

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Ermittler am Tatort der Schießerei.

Frankfurt - Der brutale Mord im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach wirft Fragen nach dem Umgang mit Intensivtätern auf, denn sowohl Täter als auch Opfer waren trotz unzähliger Delikte auf freiem Fuß. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach herrscht blankes Entsetzen: Mit mindestens 17 Schüssen hat dort ein 27-Jähriger einen zwei Jahre älteren Mann erschossen, hat dann noch auf sein Opfer eingetreten. Eine Explosion von Gewalt, wahrscheinlich ging es um Drogenhandel. Die Schüsse fielen vor den Augen zahlreicher Menschen, die sich am Nachmittag im Park der Wohnsiedlung am Bügel trafen. Täter und Opfer sind beide wegen vieler Delikte polizeibekannt: schwere Körperverletzung, Raub, Waffendelikte, Bedrohung, Drogenhandel, bandenmäßiger Diebstahl und Brandstiftung. 50 Taten umfasst die Liste des Schützen, 80 die des Opfers. Und doch waren sie auf freiem Fuß.

Es sei ja nicht so, dass Intensivtäter nicht verurteilt würden, sagt Doris Möller-Scheu, Pressesprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Das Opfer etwa habe bereits eine Haftstrafe verbüßt. Oft liefen auch Ermittlungsverfahren oder Verurteilte hätten die Haft noch nicht angetreten. Nachdem er sich gestellt hat, sitzt der 27-jährige Frankfurter natürlich in U-Haft, bei dringendem Mordverdacht ist die Sache klar. Doch nicht bei jedem Delikt werden Verdächtige sofort inhaftiert.

Andrea Titz, Richterin am Oberlandesgericht München und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, verweist auf drei Kriterien für die U-Haft: Fluchtgefahr, Wiederholungsgefahr und der dringende Tatverdacht bei einem schwerwiegenden Delikt. Das heißt, der Freiheitsentzug muss verhältnismäßig sein. „Bei uns gilt die Unschuldsvermutung, Gott sei Dank“, sagt die Richterin. Sie sei ein hohes Gut im Rechtsstaat. Richter seien „keine Weicheier“, populistischen Parolen wie „Wegsperren für immer“ hätten mit dem Rechtsstaat nichts zu tun. In den Augen vieler Polizisten ist das ein Dilemma, denn sie müssen bei Intensivtätern oft dabei zuschauen, dass diese nach der Festnahme nach Hause gehen und wenig später erneut straffällig werden. Allerdings sind es oft keine Straftaten, die unter die oben genannten Kriterien fallen. Dass so etwas Extremes passieren würde, hatte auch bei dem 27-Jährigen wohl niemand erwartet.

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Noch höher sind die Hürden im Jugendstrafrecht. Das „Wegsperren“ junger Menschen ist die letzte Option, sagt Johannes Luff von der Kriminologischen Forschungsstelle der bayrischen Polizei. Im Vordergrund stehe immer das Ziel, die noch nicht abgeschlossene Persönlichkeitsentwicklung Jugendlicher durch geeignete Maßnahmen positiv zu beeinflussen. Das könne auch in der Haft sein. In Hessen gab es 2013 laut Kriminalstatistik 1417 Mehrfach- und Intensivtäter, die seit ihrer Strafmündigkeit 107.692 Straftaten begangen haben, statistisch betrachten 76 für jeden. 90 Prozent der Täter sind älter als 21. An den Zahlen hat sich in den letzten Jahren wenig geändert.

Quelle: op-online.de

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