Mordprozess nach 17 Jahren: Angeklagter schweigt

Frankfurt - Rund 17 Jahre nach dem Mord an einem Regierungsbeamten hat sich seit heute ein 43 Jahre alter Konstrukteur vor dem Landgericht Frankfurt zu verantworten.

Ihm wird zur Last gelegt, den damals 51 Jahre alten Mann im Mai 1993 in einem Waldstück zwischen Oberursel und Königstein (Taunus) mit dessen Krawatte erdrosselt zu haben.

Anschließend verschwand der Täter mit der Geldbörse und der Uhr des Opfers und hob mehrfach mit dessen Scheckkarte Geld am Automaten ab. Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte zu dem Mordvorwurf und gab lediglich Details zu seinem Lebenslauf bekannt. 2001 übersiedelte er mit seiner Familie in die USA, wo er fünf Jahre später aufgrund gentechnischer Spuren als Täter überführt und nach Deutschland ausgeliefert wurde.

Wenige Tage vor seinem Tod Darlehen ersucht

Hintergrund der Tat könnten möglicherweise die verworrenen finanziellen Verhältnisse des Opfers gewesen sein. Obwohl er als Regierungsbeamter über geregelte Einkünfte verfügte, war er nach Angabe des mittlerweile pensionierten Ermittlungsbeamten bei den Banken hoch verschuldet. Er erhielt keine weiteren Kredite mehr und musste auf dubiose Finanzierungsfirmen ausweichen. Durch häufige Besuche in verschiedenen Bars im Rhein-Main-Gebiet hatte der Mann einen erhöhten Geldbedarf. Wenige Tage vor seinem Tod hatte er bei einer der Finanzierungsbüros um ein Darlehen von 10.000 Mark ersucht.
In diesem Zusammenhang kam er auch mit dem Angeklagten in Kontakt, der für das Unternehmen vorübergehend tätig war. Die Schwurgerichtskammer steht vor einer umfangreichen Beweisaufnahme mit zunächst sechs Fortsetzungsterminen und zahlreichen Zeugenvernehmungen. Unter anderem soll auch ein Journalist gehört werden, der am Tattag in der Nähe des Leichenfundortes Hilfeschreie gehört und daraufhin die Polizei verständigt hatte.

dpa

Quelle: op-online.de

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