Goetheturm bleibt gesperrt

Morsches Wahrzeichen

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Imposant, aber leider nicht mehr sicher. Seit Anfang vergangenen Jahres darf niemand mehr die Aussicht genießen.

Frankfurt (mic) - Seit Anfang 2011 ist der Goetheturm im Frankfurter Stadtwald wegen schweren Schäden an tragenden Holzteilen gesperrt.

Nun können die Fans des im Jahr 1931 vollständig aus Buchen-, Kiefern- und Eichenstämmen errichteten, 43,5 Meter hohen Aussichtspunkts ein wenig Hoffnung schöpfen. Gegenüber der FAZ erklärte die stellvertretende Leiterin des Grünflächenamtes, Heike Appel, dass der Goetheturm - unter bestimmten Voraussetzungen - im Frühsommer kommenden Jahres wieder den legendären Blick auf die Frankfurter Skyline ermöglichen wird.

Kosten werden auf 250.000 bis 400.000 Euro geschätzt

Die Sanierung des luftigen Wahrzeichens wird allerdings alles andere als einfach. Vor 30 Jahren hatte man bereits wichtige Bauteile ausgewechselt, doch deren Holzqualität und Imprägnierung war offensichtlich derart mangelhaft, dass nun erneut ein Sicherheitsrisiko für die Besucher besteht.

Entdeckt wurden morsche Stellen und Pilzbefall an tragenden Balken. Eigentlich sollte die Sanierung des über fast 200 Stufen erreichbaren Bauwerks schon in diesem Frühjahr begonnen werden. Dann hätte einer Wiedereröffnung ilm Sommer nichts entgegengestanden. Doch es kam anders: Die Schäden erwiesen sich als gravierender. Die veranschlagten Kosten sind von 250.000 auf 400.000 Euro angestiegen.

Nächste Hürde ist die Geldbeschaffung. Bei den Kosten, die auch nicht einfach im laufenden Haushalt der Stadt Frankfurt abgebucht werden können, schlagen vor allem Aufbau und Miete des Baugerüstes zu Buche. Laut FAZ wurde jetzt eine Finanzierungsvorlage eingereicht. Der Magistrat wird möglicherweise in den kommenden Wochen über die Sanierung beraten und entscheiden.

Traurige Vorfälle sollen der Vergangenheit angehören

Bei alledem müssen die Turmplaner auch ein anderes, eher trauriges Thema im Auge behalten: Das sind die nicht selten vorkommenden Selbstmorde am Goetheturm. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber es ereignen sich wohl mehrere Suizide im Jahr. Dies, so Appel, sei auch ein Grund für die Schließung gewesen. Man wolle die Arbeitnehmer des Grünflächenamtes besser vor schockierenden Erlebnissen schützen. Sie seien immerhin diejenigen, die bei ihren Kontrollgängen am Morgen auf die zerschmetterten Körper stoßen würden. Sogar auf den gesperrten Turm seien lebensmüde Menschen hinaufgeklettert, berichtet Appel.

Gedacht ist nun an eine ausladende Fangnetz-Konstruktion rund um die Aussichtsplattform und die Zwischenplattformen sowie oberhalb der Brüstung. Damit ist der unverstellte Panoramablick auf Frankfurt und die umliegende Landschaft Vergangenheit. Immerhin sollen die Maschen so groß sein, das Kameraobjektive hindurchpassen. Auch die Statik wird durch die Schutznetze verändert.

Quelle: op-online.de

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