Der Mülleimer müffelt und keiner riecht‘s

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Der neunjährige Birk Magnussen vom Wilhelmsgymnasium Kassel präsentiert seinen „stinkfreien Mülleimer“. Ein Miniventilator saugt Geruchs- und Wassermoleküle ab und befördert diese in das Abwasserrohr. Die Stromkosten liegen bei 2,50 Euro im Jahr.

Darmstadt ‐ Wenn man morgens aufsteht, geht im Badezimmer sofort die Lampe an, der Heizkörper gibt wohlige Wärme ab, und in der Küche duftet es bereits nach frischem Kaffee. Geht man aus dem Haus, werden automatisch alle elektrischen Geräte ausgeschaltet. Von Daria Hassan (dpa)     

Eine intelligente Anlage zur Energieeinsparung in Haushalten, die auf individuelle Bedürfnisse der einzelnen Bewohner abgestimmt wird - das ist die Idee von Thomas Schrauth (19), Sascha Schorsch (18) und Robert Wagner (19) vom Beruflichen Schulzentrum in Michelstadt. Ihr Projekt stellten die jungen Nachwuchsforscher beim Landeswettbewerb von „Jugend forscht“ gestern in Darmstadt vor.

Die drei Abiturienten aus Michelstadt gehören zu den insgesamt 52 Teilnehmern, die ihre Projekte zwei Tage lang beim Chemie- und Pharmaunternehmen Merck einer kritischen Jury unterbreiten. Die 20 Mädchen und 32 Jungen haben die fünf Regionalentscheidungen bei Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb bereits hinter sich und wollen beim bundesweiten Finale vom 13. bis 16. Mai in Essen mit dabei sein. Dort wird Hessen von den Siegern der sieben unterschiedlichen Fachkategorien vertreten, die heute geehrt werden sollen.

Tödlicher Unfall brachte Jugendliche auf eine Idee

An ihrem Energiesparsystem haben Robert Wagner und seine beiden Mitstreiter über zwei Jahre getüftelt. „Die Idee kam auf, als wir in der Zeitung gelesen hatten, dass Haushalte der zweitgrößte Energieverbraucher sind“, sagt der 19-Jährige. Mit Hilfe einer Software, eines Bildschirms und eines Funksystems könne der gesamte Energieverbrauch im Haushalt besser gesteuert werden. „Ein kleiner Chip, der beispielsweise im Hausschuh getragen werden kann, erfasst den Bewohner beim Betreten und Verlassen des Raumes und kann automatisch das Licht ein- und ausschalten“, erklärt Sascha Schorsch. Im Moment müsse alles noch manuell im Programm eingetragen werden. Ziel sei es jedoch, die individuellen Gewohnheiten der Bewohner zu errechnen und sie automatisch ins System einzuspeisen.

Während bei den Odenwälder Abiturienten die öffentliche Debatte über Energiesparen den Forschungsdrang weckte, war es bei Matthias Ruh (15), Daniel Heiser (15) und Marius Gutzeit (15) aus Bürstadt an der Bergstraße der tödliche Unfall eines Motorradfahrers aus dem Nachbarort, der sie auf eine Idee brachte. „Wenn der verunglückte Fahrer nicht erst am nächsten Morgen im Graben gefunden worden wäre, hätte er vermutlich überlebt“, erzählt Matthias. Deswegen habe er gemeinsam mit seinen Mitschülern ein Notfallbenachrichtigungssystem entwickelt, das bei einem Unfall ausgelöst wird, die Standortdaten über Satellitennavigation ermittelt und eine entsprechende SMS an die Notrufzentrale schickt. Das System mit drei Sensoren könne auch von Bergsteigern oder Skifahrern benutzt werden.

Müll soll nicht mehr stinken

Die Teilnehmer beim diesjährigen Landesentscheid haben sich häufig mit dem Thema Energiesparen und mit anderen Alltagsproblemen beschäftigt. Theodor Edmund Peez (19) aus dem südhessischen Mörfelden hat bei seinem Projekt den Capsaicin-Gehalt in Lebensmitteln ermittelt und weiß jetzt, welche Chilli-Soßen am schärfsten sind. Dem mit neun Jahren jüngsten Teilnehmer Birk Magnussen aus Kassel hat es hingegen gestunken. Richtig genervt sei der Nachwuchsforscher vom Gestank des Mülleimers bei ihm daheim gewesen. Deswegen hat er recherchiert, getestet und bei „Jugend forscht“ schließlich einen „stinkfreien Müllbehälter“ vorgestellt.

Infos auf der Internetseite von „Jugend forscht“

„Die Gase dürfen nicht an die Nase“, erklärt er fachmännisch. Seine Lösung: Ein Absaugsystem mit Ventilator am Eimerdeckel, der die durch Bakterien entstehenden Gase nicht nach draußen, sondern in den Abfluss leitet. „Da stinkt es ja sowieso“, erklärt Birk und lacht. Welche Abfälle am meisten übelriechende Gase produzieren, weiss der Fünfklässler natürlich auch: Windeln.

Quelle: op-online.de

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