Von der Münzsammlung bis zur Dekowaffe

Offenbach ‐ So etwas erleben wohl auch hartgesottene Polizisten selten: Als sie am vergangenen Dienstag in der Region eine Diebesbande mit elf Männern und zwei Frauen deutscher und polnischer Herkunft ausgehoben hatten, fiel ihnen neben geringen Mengen Amphetaminen und Haschisch kistenweise Beweismaterial in die Hände. Von Angelika Dürbaum

Gefälschte und verfälschte Ausweise sowie Versicherungs- und Kreditunterlagen, Schmuckstücke, hochwertige Armbanduhren und Handtaschen, antike Bilder und Statuen, Dekowaffen, Standuhren und eine Münzsammlung gehörten zum Diebesgut. Zurzeit wird nach Angaben von Polizeisprecher Henry Faltin von den Beamten des Einbruchskommissariats in Offenbach noch untersucht, welche Fundstücke welchen Fällen zuzuordnen sind. Beteiligt sind auch Kollegen aus Südhessen. Es wird mit langen Ermittlungen gerechnet.

Nach derzeitigen Erkenntnissen lag das „Hauptgeschäft“ der Bande im Bereich des Einbruchsdiebstahles, den die beiden Köpfe der Gruppe, zwei Polen im Alter von 44 und 56 Jahren, wohl arbeitsteilig und streng hierarchisch organisierten. Demnach boten Mitglieder der unteren Ebene der Bande den späteren Opfern ihre Dienste in Form von Arbeiten am Haus oder im Pflegebereich an - gerne auch „schwarz“. Es wurden allerdings nicht nur Renovierungsarbeiten oder Altenbetreuungen für kleines Geld übernommen, die Helfer nahmen die betreffenden Wohnungen auch genau unter die Lupe. Wurde lohnenswerte Beute gefunden, schlug die Stunde der mittleren Ebene, die gezielt ans räuberische Werk gehen konnte.

Mindestens 86 Wohnungseinbrüche und wenigstens fünf Einbrüche in Geschäfte, allein in Stadt und Kreis Offenbach, dürften auf das Konto der Bande gehen, erklärte die Polizei. Darüber hinaus waren die Täter wohl auch in Frankfurt, Hanau und im südhessischen Bereich etwa in Pfungstadt unterwegs - die Ermittler in Darmstadt haben die Gruppierung derzeit schon für zwölf Einbrüche auf der Rechnung, so dass wahrscheinlich weit mehr als 100 dieser schweren Diebstähle den „Akteuren“ zuzuschreiben sind.

Doch damit nicht genug, wie Polizeisprecher Faltin berichtete: Einige Tatverdächtige räumten bereits ein, mit falschen Ausweisen Betrügereien begangen zu haben. So erschufen sie nach eigenem Bekunden mit gefälschten Dokumenten eine fiktive Person, die sie alsbald wieder sterben ließen. Dazwischen schlossen sie eine Lebensversicherung für die Karteileiche ab, um nach deren Tod die fällige Prämie zu kassieren. Darüber hinaus ergaunerten sich ein paar Mitglieder der Bande unter Vorlage unechter Papiere bei Banken betrügerisch Kredite.

Quelle: op-online.de

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