Museumskonzert in der Alten Oper

Liszt auf hohe Temperaturen gebracht

Frankfurt - Er ist nicht der langmähnige, extrovertierte Wilde, sondern eher der Gentleman an Tasten. Und dennoch für einen höllischen Ritt gut, wie ihn der charismatische Virtuose Franz Liszt in seinem Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur verlangt. Von Klaus Ackermann 

Jean-Yves Thibaudet machte wieder mal als Solist des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters in der Alten Oper Furore. Das hatte im Züricher Mario Venzago einen umsichtigen Dirigenten, der zudem César Francks Sinfonie d-Moll gestaltete, ein längst überfälliger Programmpunkt. Funken schlägt schon Haydns Nr. 59 A-Dur, sogenannte Feuersinfonie, die zudem dunkle klangliche Glut aufweist und melodiösen Charme bezeugt. Doch der etablierte Hofkomponist hat bei seinen Sinfonien auch immer etwas Neues ausprobiert. Etwa mit der Kadenz des Konzertmeisters, dem eleganten Trio im rustikalen Scherzo, bei dem zwei Geigen zwitschernd abheben, oder den auffälligen Trillern der zwei Hörner.

Dann ein Liszt der hohen klanglichen Temperaturen, der so anheimelnd beginnt, um schon im nächsten Moment virtuose Breitseiten abzufeuern. Pianist Thibaudet verhandelt dies ohne Aufgeregtheit, die Metamorphosen eines wunderschönen Cello-Themas umgarnend, das selbst in einem martialischen Marsch nicht untergeht. Meine Güte, was da zwischen Oktaven-Donner und wieselflinken Akkord-Repetitionen alles los ist. Und selbst das virtuose finale Gehämmer ist weit entfernt von Kraftmeierei. Liszt auch als Zugabe – mit der Consolation Nr. 3 schlägt Thibaudet empfindsame Saiten an.

Ein banges Fragethema, das sich zum kraftvollem Dur-Bekenntnis wandelt: Ungemein lebendig ist Venzagos Dirigat auch bei der Sinfonie des belgisch-deutschen Wahlfranzosen Franck, hier so nahe am Opern- und Museumsorchester wie sonst nur Sebastian Weigle. Eine tief traurige Englischhorn-Melodie zu zuversichtlichem Streicher-Zupf, Ohrwurm-Motive, die noch auf dem Heimweg haften. Der geneigte Zuhörer fragt sich, warum er dieses Werk seit gefühlten 20 Jahren nicht mehr im Konzertsaal erlebt hat!

Quelle: op-online.de

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