Bunter Firmenmix angesiedelt

Musikalische Nachbarschaft

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Axel Eisenbeis ist unter dem Namen „Der Schulz“ so bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund.

Frankfurt - Wer dieser Tage ein Konzert in der Batschkapp besucht, wird bemerken, dass auf dem weiträumigen Gelände der ehemaligen Zimmer AG an der Ecke Borsigallee/Gwinnerstraße kein Stein auf dem anderen bleibt. Von Detlef Kinsler 

Einzig ein eingeschossiges Gebäude rechts neben der zum großen Liveclub aus- und umgebauten Fabrikationshalle wird nicht dem Bagger zum Opfer fallen. Denn das hatte sich Ralf Scheffler, der Betreiber der Batschkapp, von Anfang an als kleinen Verwaltungstrakt ausgeguckt. Doch die 900 auf Souterrain, Erdgeschoss und ersten Stock verteilten Quadratmeter wollten wohl genutzt sein. Schefflers Idee war, „die Räume an mit dem Konzertgeschäft kompatible Firmen zu vermieden. “ Und die wurden nicht etwa über Anzeigen, sondern nur via Facebook und die gute alte Mundpropaganda kommuniziert.

Die Reaktion war beachtlich. Sechzehn Monate nach Eröffnung der Batschkapp an ihrem neuen Standort belebt nun ein buntes Völkchen das Flachdachhaus mit dem Sechzigerjahre-Charme. Musiker, Produzenten, Promoter, Designer, Magazinmacher und Sicherheitsdienstleister sind nach und nach eingezogen. „Man weiß ja nicht, was sich daraus entwickelt“, sagt Scheffler, „Synergieeffekte nicht ausgeschlossen.“ Die Allstar Music Production von Matthias Grein und Rolf Ellmer hat sich im Keller breit gemacht. „Um noch mehr Krach machen zu können“, meint Nachtleben-Urgestein Grein (Cooky’s, U60311, Tunnel Rave). Auch in der alten „Kapp“ waren sie mit ihrem Tonstudio schon Untermieter. Im „Turm“ oberhalb der Bar entstanden auf nur 40 Quadratmetern etwa die Hits der Trance-Pioniere „Jam & Spoon“.

„38 gebuchte Shows für 2015 schon im März“

Alex Schomann vertiefte nach drei Jahren als Chefredakteur beim Partymagazin „Pur“ die Kontakte zu Grein. Zusammen firmieren sie nun als By Awake, bringen DJs auf die Bühnen (Paul Kalkbrenner sogar in die Festhalle) und veranstalteten in den vergangenen Jahren viel beachtete Open-Air-Events auf der Maaraue in Wiesbaden und im Stadionbad Frankfurt. In diesem Jahr konzentrieren sich Grein und Schomann ganz auf die Dark House-Newcomer „Rey & Kjavik“. Der Name provozierte Posts auf Isländisch in den sozialen Netzwerken, worüber Schomann nur schmunzeln konnte. Das vermeintliche Duo von der Vulkaninsel bleibt ein Mysterium. Nur so viel: Ein Frankfurter verkörpert „Rey & Kjavik“ live. „38 gebuchte Shows für 2015 schon im März. Das ist für einen DJ-Act richtig gut“, schwärmen die By Awake-Macher. Zeit für ein Heimspiel bleibt dennoch: bei der „Katermukke Night“ an diesem Samstag (25. April) in der Batschkapp.

„Es war eine ganz spontane Entscheidung, nach 18 Jahren in der Homburger Landstraße hierher umzuziehen“, erzählt Andreas Fauser, „auch um neue Leute kennenzulernen, wo sich Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben können.“ Mit Lucia Zimara, die 1995 mit Heike Urban das NuzzCom Music Office gründete, bedient er mit der Promotionagentur längst unterschiedliche Nischen. Angefangen hat das Team mit Latin, Reggae und Weltmusik. Kein ausgedachter Schwerpunkt. „Das war die Musik, die wir damals gehört haben“, erzählt Zimara. Im Büro hängt eine Goldene Schallplatte vom Buena Vista Social Club. Ein Dankeschön der Kubaner für optimale PR. Neben Ana Moura, Angelique Kidjo oder Gilad Atzmon und anderen Worldmusic-Größen betreuten Nuzzcom zudem Künstler wie Arto Lindsay und Ani diFranco, die auch schon in der Batschkapp aufgetreten ist.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

„Vor 30 Jahre hätte ich nicht gedacht, dass das mal mein Hauptberuf wird.“ Mit dieser Aussage überrascht Axel Eisenbeis, den alle nur als „Der Schulz“ kennen. Sein „Künstlername“ ist inzwischen sogar in seinem Personalausweis eingetragen. „Ich gehe in die ,Kapp’ seit ich 15, 16 bin, phasenweise war sie mein zweites Wohnzimmer. Eines Abends sollte ich an der Tür aushelfen“, erinnert er sich. Über die Jahre hat er mit seinen Schulz Security Concepts Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen und Objekte entwickelt. Mit seinen Leuten trifft man ihn vor St. Peter, dem Ponyhof, Elfer, Zoom oder Mousonturm an. Die klassische Wahrnehmung des Türstehers passt nicht zu diesen Locations. „Dieses Klischee - groß, breit, Schlagetot - ist da eher kontraproduktiv“, weiß er. „Man muss mit Menschen umgehen können, eine gewisse innere Ruhe habe, stressresistent sein.“ In der Batschkapp ergänzt der gebürtige Offenbacher die Haus-Security bei Disco-Veranstaltungen. Deshalb hat er auf dem Gelände in der Gwinnerstraße auch ein „operatives Büro“.

Quelle: op-online.de

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