Musikhochschul-Studenten im Mousonturm

Tanz funktioniert auch ohne Musik

Frankfurt - Kann ein Mensch ohne Musik tanzen? Schaut man eine der insgesamt zehn Choreografien an, die während des Stücks „ZuKT-Machetanz“ im Frankfurter Mousonturm aufgeführt werden, heißt die Antwort: Ja. Von Thomas Ungeheuer

Erstaunlicherweise vermisst man nämlich keine musikalischen Impulse, während zwei Studentinnen der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst einen Ausschnitt aus William Forsythes „Duo“ tanzen. Lediglich die Atmung der Tänzerinnen ist hörbar. Es sind Geräusche, die man in dem gut zweistündigen Programm kaum vernimmt. Überwiegend begleitet elektronische Musik die 37 Talente, die in teils neuen Choreografien von Dieter Heitkamp, Alan Barnes, Marc Sprading, Toula Limnaios, Menghan Lou, Iván Perez und Georg Reischel auftreten.

Äußerst unterschiedlich sind deren Bewegungsentwürfe geraten. Wunderbar gelungen ist die Abfolge, mit der sie auf der kargen Bühne gezeigt werden. In der Tat brauchen die Studierenden kein aufwendiges Bühnenbild, um ihr Publikum zu begeistern. Hier und dort freilich beleuchtet das von Susanne Noodt auffallend reizvoll gesetzte Licht das Geschehen. Sonst jedoch steht erstaunlich reife Tanzkunst im Vordergrund. Selten blitzen dabei humorige Momente auf, wie in Dieter Heitkamps „Qu‘est-ce que vous voulez“. Meist vermitteln die sicheren Bewegungen und Gesten, die von Ensembles von verschiedener Größe zu sehen sind, Tiefgründiges, mitunter sogar Berührendes.

Zwar mag, bei der großen stilistischen Vielfalt der einzelnen Choreografien, das ein oder andere in seiner sperrigen oder leicht verstörenden Aussage weniger gefallen. Dennoch erscheint das tänzerische Niveau dieser meist schlicht, aber reizvoll kostümierten Künstler bereits enorm, was die Beherrschung von Technik und Ausdruck angeht. Wiederkehrend scheint es, als ob hier mit unbändiger Neugier ganz dicht an die Grenzen der Bewegungsmöglichkeiten des eigenen Körpers gegangen wird. Mit all dem kann man heute noch einmal im Mousonturm erfahren, wie faszinierend und nahezu unausschöpfbar das Bewegungsvokabular des zeitgenössischen Tanzes sein kann.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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