Die Muskeln anspannen und hoffen

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Zur Zeit, als die Büro- und Hoteltürme der Baustelle „Palais Quartier“ an der Frankfurter Zeil geplant wurden, befürchtete noch niemand eine Wirtschaftskrise. Frankfurt trifft das Ausbleiben der Geschäftskunden besonders hart - mit minus zwölf Prozent.

Frankfurt - In Hessen bleiben immer mehr der 90 000 Hotelbetten leer. Viele Firmen im In- und Ausland streichen im Wirtschaftsabschwung die Budgets für Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter rigoros zusammen. Von Daniel Kirch (dpa)

Besonders für das Gastgewerbe in der Messestadt und Finanzmetropole Frankfurt wird die Bewältigung der Krise zum Kraftakt. „In der Hotelleriebranche spannen alle die Muskeln an und hoffen, dass es ab Herbst besser wird“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) Hessen, Julius Wagner.

 Die Hotels berichten durchweg von hohen Buchungsausfällen. „Die Geschäftskunden reisen kürzer oder gehen 'runter in niedrigere Sterne-Segmente“, sagt Wagner. Die Entwicklung bei den Geschäftskunden mache der Branche „schwer zu schaffen“, heißt es in einem renommierten Frankfurter Hotel, das üblicherweise viele Messebesucher beherbergt. Der Tourismus kann das wegbrechende Geschäft der Business-Reisenden nicht ausgleichen.

Nur jedes zweite hessische Hotelzimmer war nach der Studie der internationalen Hotelberatung STR Global im April 2009 belegt, im Vorjahresmonat waren es noch 70 Prozent. Die Auslastungsquote sank landesweit in den ersten vier Monaten im Vorjahresvergleich von 63 auf 55 Prozent. Die Stadt Frankfurt verlor in den ersten vier Monaten des Jahres knapp zwölf Prozent der Gäste.

Die Delle bei der Auslastung könnte langfristige Folgen für die Hotellandschaft haben, unabhängig von der Frage, ob die Wirtschaft bald wieder wächst: „Wenn Firmen Reiserichtlinien verschärfen, ohne an der Produktivität zu verlieren, dann wird man solche Errungenschaften nicht so leicht wieder abgeben“, vermutet der Präsident des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR), Dirk Gerdom.

   Flächendeckend reagieren die Hotels seit Monaten mit teils drastischen Preisnachlässen auf die eingebrochene Nachfrage. Eine Studie des Geschäftsreisevermittlers American Express ergab, dass die Zimmerpreise in Frankfurt von Januar bis März um 17,3 Prozent gefallen sind.

Die Frankfurter Hotelberaterin Bianca Spalteholz rät den Hotels jedoch, sich in der Krise nicht unter Wert zu verkaufen. Hohe Preisnachlässe bedeuteten Einbußen bei der Leistung. Gehobene Hotels liefen dann Gefahr, auf „den Standard eines Backpacker-Hotels oder einer Jugendherberge“ zu sinken.

   Umsatzrückgänge im zweistelligen Prozentbereich stellen viele Betriebe vor erhebliche finanzielle Probleme. Mehrere Hotels aller Größenklassen haben bereits zu einem in der Branche unüblichen Instrument gegriffen: Sie meldeten Kurzarbeit an. Im Juni hatten einer Zählung der Arbeitsagentur Frankfurt zufolge etwa ein Dutzend Hotels von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. 400 Beschäftigte waren betroffen.

Quelle: op-online.de

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