Todeskampf dauerte 15 Minuten lang

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Drei Kinder starben durch ihre Hand: die Verurteilte im Gerichtssaal.

Limburg - Eine Mutter konnte die Schreie ihrer Babys nicht mehr ertragen. Die Frau aus dem hessischen Villmar erstickt ihre drei kleinen Kinder deshalb mit einem Spucktuch. Von Katia Rathsfeld (dpa)

Das Landgericht Limburg verurteilte die 33-Jährige gestern wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von 13 Jahren. „Sie fühlte sich mit ihrer Rolle als Mutter überfordert“, sagte die Vorsitzende Richterin Karin Walter in ihrer Urteilsbegründung.

Nach der Tötung ihrer Tochter und ihrer beiden Söhne in den Jahren 2004, 2006 und 2009 hatte die Altenpflegerin stets vorgegeben, die Kinder seien an plötzlichem Kindstod gestorben. Anfangs glauben ihr auch Familie und Ärzte. „Es gab kaum Hinweise auf einen unnatürlichen Tod“, erklärte die Richterin. Beim zweiten Kind hätten die Rechtsmediziner lediglich eine Verletzung am Augenlid feststellen können. Diese habe aber auch bei den Reanimationsversuchen entstanden sein können. Doch als auch das dritte Baby trotz engmaschiger Überwachung und Untersuchungen unerwartet stirbt, werden Mediziner und Ermittler hellhörig.

Das Schreien nicht mehr ertragen

Die 33-Jährige gesteht schließlich ihre Taten. Sie berichtet davon, dass sie das Schreien der Kinder nicht ertragen habe und es „abstellen wollte wie ein Radio“. Dazu stopfte sie den Kindern jeweils ein Spucktuch aus Leinen so weit wie möglich in den Mund. Gleichzeitig hielt sie den Säuglingen die Nase zu - erst nach rund 15 Minuten Todeskampf hörten ihre Herzen auf zu schlagen. Anschließend prüfte die Mutter Atmung und Puls, dann informierte sie ihre Verwandten. Auch dem Vater der Säuglinge, der nach der Geburt des ersten Babys noch in Russland lebte, verschwieg sie ihre Taten.

„Sie redete sich ein, dass das Kind eines natürlichen Todes gestorben war“, sagte die Richterin. Deshalb habe die Angeklagte auch die Gräber der toten Babys gepflegt, Trauer gezeigt und den Wunsch nach weiteren Kindern gehabt. Vor Gericht widerrief die Frau zunächst ihr Geständnis, räumte die Taten aber dann doch ein. Ein Gutachter attestierte ihr die volle Schuldfähigkeit.

Als Mutter überfordert

Das Landgericht begründete das Urteil wegen Totschlags damit, dass Mordmerkmale wie etwa niedrige Beweggründe nicht vorgelegen hätten. Die Angeklagte nahm das Urteil mit gesenktem Kopf entgegen. Ihr Gesicht verbarg sie hinter ihren Händen.

Zu den Beweggründen der Frau sagte die Vorsitzende Richterin, dass die 33-Jährige ein ganzes Bündel an Motiven hatte. „Sie wollte aus ihrer Situation ausbrechen und hoffte, durch die Taten Zuwendung in Form von Mitleid zu bekommen.“ Insgesamt sei sie mit ihrer Situation und der Rolle als Mutter überfordert gewesen. „Das Schreien der Kinder war lediglich ein Teilaspekt.“

Im Prozess hatte die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Die Verteidigung plädierte auf vier Jahre Haft wegen Totschlags in einem minderschweren Fall.

Quelle: op-online.de

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