Verein Digital Hub legt „Frankfurter Manifest“ vor

Ruf nach schneller Datenautobahn

Frankfurt - Die digitale Infrastruktur in Frankfurt/Rhein/Main ist Voraussetzung für erfolgreiches Wirtschaften, sagen Fachleute. Sie sorgen sich indes um die Ausstattung in der Region. Von Marc Kuhn

Frankfurt gilt unter Experten als Internethauptstadt Europas - noch. Etwa 30 Anbieter betreiben rund 50 Rechenzentren auf einer Fläche von 400.000 Quadratmetern. Doch die Branche sorgt sich im Vergleich mit internationalen Metropolregionen um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur müsse Top-Priorität haben, forderte deshalb Peter Knapp, Geschäftsführer der Interxion Deutschland GmbH und Vorstandschef von Digital Hub Frankfurt/Rhein/Main, gestern an die Adresse der hessischen Landesregierung und an die Magistrate in den Städten. Der 2010 gegründete Verein hatte in Frankfurt zu seiner Jahreskonferenz geladen, die unter der Schirmherrschaft des hessischen Wirtschaftsministers Florian Rentsch stand. Dem Verein gehören Telekommunikationsunternehmen, aber auch die Goethe-Universität und die Frankfurter Wirtschaftsförderung an. Der Interxion--Chef, dessen Firma große Rechenzentren betreibt, erklärte, die Datenmenge, die am Knotenpunkt in Frankfurt verarbeitet werde, steige stets. Dies sei jedoch „kein Ergebnis eines strategischen Vorgehens, sondern von Unternehmen“. Andere Regionen würden massiv investieren.

Ob Smartphone, iPad oder HD-Fernsehen: „Das Datenvolumen verdoppelt sich von Jahr zu Jahr“, berichtete Gerd Simon von Digital Hub bei der Vorstellung einer Studie zur „Bedeutung der digitalen Infrastruktur für Frankfurt/Rhein/Main“. „Wir sind erst am Anfang.“ Die Zahl der Unternehmen in der Region, die über eine schnelle Glasfaser-anbindung verfügen, bewegt sich aber im „einstelligen Tausender-Bereich“, wie Simon erläuterte. In Frankfurt seien es etwa 5000 Firmen. Defizite gibt es offenbar auch in Offenbach und Hanau. „Wir stehen im Schatten des großen Frankfurt“, sagte Frank Orlowski vom Vorstand von Digital Hub, der in Heusenstamm ein Beratungsunternehmen für Rechenzentren betreibt. Simon betonte, dass mittlerweile fast die gesamte Produktion und Dienstleistungen von der digitalen Infrastruktur abhängen würden.

Er verwies auf die hohe Breitbanddichte beispielsweise in Hongkong und Seoul. In Singapur gebe es ein Regierungsprogramm für Zukunftstechnologien. Und auch in europäischen Städten wie Dublin, London, Amsterdam, Luxemburg oder Basel seien Programme zur Förderung der digitalen Infrastruktur aufgelegt worden. Solche Metropolen würden das Tempo vorgeben.

Zwar sei Frankfurt/Rhein/Main noch der Wirtschafts- und Innovationsmotor für Hessen, Deutschland und Europa, erklärte Simon. Er befürchtet jedoch den Verlust der Standortattraktivität im internationalen Wettbewerb. Simon beklagte beispielsweise eine fehlende Breitbandversorgung in vielen Gewerbegebieten in Rhein/Main ebenso wie einen Mangel an Glasfaseranbindungen.

In einem „Frankfurter Manifest“ fordert Digital Hub deshalb die Mängel zu beheben: Ein konsequenter Breitbandausbau und Ein-Gigabit-Anbindungen für Gewerbenutzer stehen auf der Wunschliste. Zudem müssten neue Gewerbegebiete mit Glasfasern erschlossen werden. Genehmigungsprozesse müssten auf unter vier Wochen verkürzt werden. Darüber hinaus macht sich Digital Hub für eine sichere Stromversorgung stark. Die Ausfallzeit für digitale Infrastrukturen dürfe maximal 100 Sekunden im Jahr betragen. Hessens Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch erklärte auf der Jahreskonferenz, die flächendeckende Versorgung mit schnellen Internetzugängen sei für moderne Informationsgesellschaften unverzichtbar.

Zur Begründung verwies Orlowski auf den Trend zum sogenannten Cloud-Computing - immer mehr Unternehmen lagern ihre Daten aus statt sie auf Servern zu speichern. Dafür sind schnelle Datenautobahnen nötig. Sie würden beispielsweise auch für weltweite Videokonferenzen gebraucht, fügte Simon hinzu.

Quelle: op-online.de

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