Nach der Wahl ist vor der Wahl

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Erst Rivalen um den Posten des Landrats im Kreis Offenbach, ab 1. März 2010 Kollegen: Der neue Landrat Oliver Quilling (CDU, links) und der Kreisbeigeordnete Carsten Müller (SPD).

Offenbach - Morgens um 9.15 Uhr war für die Spitzen der CDU im Kreis Offenbach die Welt in Ordnung - trotz einer Feier am Sonntagabend, die „kurz, knapp und heftig“ ausfiel, wie Landrat Peter Walter (CDU) am Montag bei einem Gespräch in Rödermark berichtete. Von Christian Riethmüller

Zum Feiern hatte es für die Christdemokraten allen Grund gegeben, schließlich war es dem Neu-Isenburger Bürgermeister Oliver Quilling am Sonntag gelungen, die Stichwahl um das Amt des Landrates des Kreises Offenbach mit 63,3 Prozent der Stimmen und damit deutlichem Vorsprung vor dem SPD-Kandidaten Carsten Müller (36,7 Prozent) zu gewinnen.

Nachfolge an Verwaltungsspitze muss geklärt werden

Sein neues Amt wird Quilling am 1. März 2010 antreten und bis dahin die „recht sportlichen Wochen“ des Wahlkampfs wohl weggesteckt haben, auch wenn der 44-Jährige nun noch einiges in seinem Amt als Bürgermeister aufzuarbeiten hat. Das meint nicht nur liegengebliebene Aktenvorgänge. Vor allem die Nachfolge an der Verwaltungsspitze in der Hugenottenstadt muss geklärt werden, denn nicht nur Quilling scheidet dort am 28. Februar aus. Am selben Tag endet auch die Amtszeit des  Ersten Stadtrats Herbert Hunkel. Quilling möchte in diesem Fall dem Isenburger Stadtparlament die Empfehlung geben, Hunkels Amtszeit zu verlängern, um eine vernünftige Vertretung während der Einarbeitung eines neuen Stadtoberhaupts zu gewährleisten.

Kreisbeigeordneter Carsten Müller arbeitet „den Neuen“ ein

Quillings Einarbeitungszeit in seiner neuen Position wird von einem Kollegen begleitet, der bis Sonntag Rivale um den Posten des Landrats war: Kreisbeigeordneter Carsten Müller. Dem fairen Wahlkampf, den beide führten, und der gegenseitigen Wertschätzung der Kontrahenten zum Trotz, dürfte es zumindest in der Großen Koalition aus CDU und SPD im Kreistag in den kommenden Wochen und Monaten einigen Diskussionsstoff geben. Erster Punkt ist eine Personalie, für die ebenfalls der 28. Februar bedeutsam ist. Dann endet nämlich die Wahlperiode für den Posten des Ersten Kreisbeigeordneten, der derzeit mit Claudia Jäger (CDU) besetzt ist. Nach Vorstellung der Christdemokraten sollte Jäger diesen Posten weiterhin innehaben, wie die CDU sich auch den Sozialdemokraten Carsten Müller gut für eine weitere Amtsperiode auf dessen Position vorstellen kann.

Diese Äußerungen, die durchaus als zarte Avancen gedeutet werden können, die Koalition möglicherweise auch nach den Kommunalwahlen 2011 fortzusetzen, finden bei der SPD zwar Gehör, doch Verabredungen auf diese beiden Positionen will man nicht treffen, sondern ein Wörtchen mitreden, was vor allem für die Position des Ersten Kreisbeigeordneten gilt. Das sagten SPD-Vertreter gestern bei einem Gespräch in Dietzenbach.

SPD von Arbeit des Kulturfonds nicht überzeugt

Auf wenig Gegenliebe bei der SPD stößt auch Oliver Quillings Absicht, dem Kulturfonds FrankfurtRheinMain beizutreten. Während der künftige Landrat die Mitgliedschaft in diesem Verbund für überfällig hält („Wir können nicht alles Frankfurt überlassen“), ist die SPD in Gestalt des Fraktionsvorsitzenden Werner Müller von der Arbeit des Kulturfonds nicht überzeugt. Das „Haus der Region“, das die Stadt Frankfurt, der Hochtaunus- und der Main-Taunus-Kreis vergangene Woche ins Leben riefen, interessiert Müller da schon eher, der sich mit dem Frankfurter Regionaldezernenten Uwe Becker (CDU) in dieser Angelegenheit unterhalten will. Quilling hingegen scheint andere Präferenzen zu haben, jedenfalls antwortete auf die Frage nach dieser Einrichtung lapidar „Eins nach dem anderen“.

Vor der regionalen Zusammenarbeit betonte Quilling am Montag aber die Themen Schulsozialarbeit und Ganztagsbetreuung als wichtige Felder seiner künftigen Arbeit. Hier gilt es, eine erhitzte Diskussion - vor allem im Ostkreis - zu beruhigen. An Ruhe ist Quilling auch in einem andren Punkt gelegen, der immer wieder für Schlagzeilen sorgt, die „AG Wohlfahrt“. An der sei aber auch die Polizei beteiligt, weshalb der Kreis nicht allein über Wohl und Wehe entscheiden könne. Weiter wollte Quilling noch nicht in Zukunft blicken, sondern eher müde, aber glücklich genießen, dass am Montagmorgen um 9.15 Uhr die Welt in Ordnung ist.

Quelle: op-online.de

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