Nachhaltigkeit im Vordergrund

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Holger Heinze (links) hat mit Georg Faust das Online-Kaufhaus Monagoo für nachhaltige Produkte gegründet.

Bad Homburg - Berichte über verheerende Arbeitsbedingungen insbesondere in Asien sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Monagoo setzt dagegen auf Nachhaltigkeit. Das Online-Kaufhaus ist jetzt an den Start gegangen. Von Marc Kuhn 

Holger Heinze lebt sein Geschäftsmodell. Die Schuhe sind ohne umweltschädliche Chemikalien hergestellt worden, wie der Geschäftsführer von Monagoo berichtet. Und die Jeans sei ohne Bleichmittel produziert worden. Heinze will glaubwürdig sein. Im August hat er mit seinem Freund Georg Faust das Start-up auf dem Markt gebracht - ein Online-Kaufhaus für nachhaltige Waren. Monagoo steht für mother nature’s goods - Produkte von Mutter Natur. „Wir akzeptieren nicht mehr, dass uns suggeriert wird, nachhaltiger Konsum sei nicht alltagstauglich“, sagt Heinze. „Das stimmt nicht und wir werden das zeigen.“ Er wolle beweisen, dass verantwortungsvoller Konsum frisch sei, der Einkauf komfortabel sein könne und das Preis-Leistungs-Verhältnis mit gutem Gewissen für sich spreche.

„Es ist ein Grundbedürfnis so zu leben, dass niemandem Leid zugefügt wird“, meint Heinze. Allerdings gehe dies oft aus den Augen verloren. Das Wort Nachhaltigkeit werde häufig missbraucht. „Man verhält sich so, dass Ressourcen verbraucht werden.“ Nach Einschätzung von Heinze hat Nachhaltigkeit eine soziale, ökologische und ökonomische Komponente. Er und seine Mannschaft entscheiden anhand von Positiv- und Ausschlusskriterien darüber, welche Produkte von welchen Firmen über ihre Homepage angeboten werden. Das Arbeitsrecht in den produzierenden Ländern spielt eine Rolle. Gifte sind tabu. Recycelbare Materialien sollten genutzt werden. Einen langen Fragebogen müssen die Partner ausfüllen, wie Heinze erläutert. Wie viele Festangestellte gibt es? Wie sieht es mit Kitas und Arbeitszeitmodellen aus? So lauten einige Fragen. Aber auch nach dem Wasser-Recycling, nach Solarzellen auf dem Firmendach und nach dem sozialen Engagement erkundigt sich Monagoo. Jährlich werden die Angaben überprüft. Heinze betont aber: „Wir bauen keine Nachhaltigkeits-Stasi auf.“ Von den Partnern werde Transparenz gefordert. Und: „Wenn etwas schief geht, müssen die Partner bei der Aufklärung helfen, das ist wichtig.“ Zudem würden sie unabhängige Zertifikate vorlegen, sagt Heinze. Darüber hinaus gebe es glaubwürdige Label. 19 deutsche Unternehmen und ein Schweizer haben die Tests bisher bestanden. Sie lassen zum Beispiel in Pakistan und Portugal ihre Waren herstellen. Eine Tasche kommt aus Indien. Alte Sicherheitsgurte und die Schläuche von Reifen würden verarbeitet, erklärt Heinze. Jeans, Schuhe, Socken, Jacken, Kosmetika und Duschgel hat Monagoo im Programm. Und Holzvibratoren aus dem Odenwald würden verkauft, berichtet Heinze. Seine Kundschaft sei über 30 Jahre alt und zu zwei Drittel weiblich. Mit Nachdruck werde an der Erweiterung des Sortiments gearbeitet, berichtet der Geschäftsführer.

Seine Firma sei zudem auf der Suche nach Investoren. Mit dem Geld wolle das Unternehmen durchstarten. Bisher stecken ausschließlich eigene Mittel in der Firma. Dort arbeiten zwei Praktikanten, die von der EU finanziert werden. Vier Freiberufler und die Gründer gehören zum Personal. Einziger Angestellter sei der Nachhaltigkeitsbeauftragte, berichtet Heinze. Er betont, das Geschäft sei „ganz gut angelaufen“. Nach 18 Monaten soll Monagoo in den schwarzen Zahlen sein. So sieht es der Businessplan vor. Aber: „Wir würden auch überleben, wenn es länger dauert“, erläutert Heinze.

Mit Zahlen kennt der 32-Jährige sich aus. Ist er doch Diplomwirtschaftsinformatiker. Als Unternehmensberater hat er für große Konzerne gearbeitet. Seine 31-jährige Frau Kerstin Heinze hatte ebenfalls einen lukrativen Job. Dann hätten beide aber festgestellt: „Wir arbeiten 80 Stunden in der Woche für Gegenstandsloses“, sagt Heinze. Konsequent war der Ausstieg aus den Jobs. Zwei Jahre reisten sie um die Welt, Südamerika, Australien und Neuseeland. Zeitweise hat Heinze als Entwicklungshelfer gearbeitet. „Reisen bildet mit Bezug auf Werte“, erklärt er. „Da denkt man nach.“ Danach müsse „man sich passend zu den Werten definieren“, erklärt Heinze - die Idee für das nachhaltige Online-Kaufhaus war geboren. Anfang des Jahres begannen die Vorbereitungen. Seit August ist Monagoo online.

Quelle: op-online.de

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