G8/G9 und Eltern-Zorn

Kommentar: Nachhilfe für Ministerin

Hessen- Eine neue Runde im „hessischen Schulkrampf“ - und wieder geht es um G8/G9, wieder müssen Schüler leiden, unter den langfristigen Folgen der „Husch-Husch-Taktik“ des Kultusministeriums. Von Peter Schutle-Holtey

Wegen des Zeitgewinns von einem Jahr wird es „Turbo-Abitur“ genannt. Gemeint ist die verkürzte Ausbildungszeit von Gymnasiasten: Statt nach neun Jahren macht der „G8-Abiturient“ nach acht Jahren seine Reifeprüfung. Das Konzept bleibt umstritten, vor allem an Hessens kooperativen Gesamtschulen, die grundsätzlich die Möglichkeit haben, zur neunjährigen Gymnasialzeit (G9) zurückzukehren. Elternbeiräte stellen mit Entsetzen fest, dass ihnen bei bestehenden Jahrgängen die vom Ministerium geforderte „Alle-oder-Keiner-Regelung“ den Weg zu G 9 verbaut.

Dorothea Henzler, die neue Kultusministerin, sollte den Aufschrei der betroffenen Eltern ernst nehmen  - und die Blockadehaltung der Schulbehörden auf den Prüfstand stellen. Die FDP-Politikerin müsste sich doch daran erinnern, dass der Unmut vieler Eltern über die Hast bei der Wende zu G 8 wesentlich zu den Wahlschlappen der CDU beigetragen hat.

Wahrscheinlich braucht die Ressortchefin aber Nachhilfe-(Unterricht). Denn bislang hat sie den Zorn von Müttern und Vätern kaum beachtet; sie ärgern sich immer mehr über den enormen Druck auf ihre Kinder, die mitten in die G8-Reparaturarbeiten geraten sind.

Erneut zeigt sich, dass es grundfalsch war, G 8 einzuführen, ohne ein echtes Ganztagskonzept mitzuliefern. Es wurde fahrlässig versäumt, die Lehrpläne so zu überarbeiten, dass die Kinder und Jugendlichen nicht von einer Aufgabe zu nächsten gehetzt werden müssen.

Vielen Eltern wird es angesichts der Auseinandersetzung an Schulen und der offensichtlichen Schwächen in der Ministeriumsspitze „gruseln“. Sie setzen jetzt auf Rücksichtnahme der Behörden, auf unbürokratische Entscheidungen, auf ein Parallelangebot von G8/G9.

Quelle: op-online.de

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