Nachlass des Posaunisten Albert Mangelsdorff

Sein Ton war unverwechselbar

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Ein Schild in der Bockenheimer Anlage erinnert an Albert Mangelsdorff, der dort Vögel beobachtete. Ein Ort des Gedenkens für Ilo und Ralph Mangelsdorff

Frankfurt - Am 5. September wäre Albert Mangelsdorff 87 Jahre alt geworden. Grund genug für das Frankfurter Institut für Stadtgeschichte dem „Weltmeister der Posaune“ einen Erinnerungs-Abend im Karmeliterkloster zu widmen. Von Detlef Kinsler 

Der ist mit „Spielen für Albert – Konzert, Film, Erinnerungen“ überschrieben. Ein All-inclusive-Programm mit Anmerkungen von Michael Rüsenberg („Der weltberühmte Posaunist und der unbekannte Wal“), dem Film „Die Posaune des Jazz“ von Thorsten Jeß und einem Liveauftritt von Christof Lauer (Saxophon) und Nils Wogram (Posaune). „Diese beiden Künstler waren meine Wunschkandidaten“, erzählt Ilo Mangelsdorff, die sich im zehnten Todesjahr ihres Mannes lieber den Geburtstag als Termin ausgewählt hat. „Das Duo-Konzert mit Lauer und Wogram wird sicher ein schönes und spannendes Konzert mit zwei Echo-Preisträgern, die Albert musikalisch sehr nahe standen.“

Wogram ist allzu gern dabei an diesem Tag. „Mangelsdorff ist der bedeutendste deutsche Jazzmusiker. der auch international Anerkennung fand“, unterstreicht der Preisträger des von der Union Deutscher Jazzmusiker und der GEMA-Stiftung initiierten Albert-Mangelsdorff-Preises 2013 die Reputation des großen Kollegen. „Er war ein echter Innovator mit seinem mehrstimmigen Spiel auf der Posaune. Er hat das erreicht, wonach so viele Jazzmusiker streben: Unverwechselbarkeit. Wenn man etwas von ihm hört erkennt man nach drei Sekunden wer da spielt, ähnlich wie bei Thelonious Monk oder Miles Davis.“

Auch wenn Albert Mangelsdorffs Sohn Ralph dem Vater, was den Jazz betrifft, nicht nacheiferte, so ist der Biologe an der Goethe-Universität (Interessenschwerpunkt Biodiversitätsforschung) doch auch Musiker. Als Countertenor interpretiert er vorzugsweise Neue Musik. „Bereits als ganz kleines Kind machte mein Vater mit mir Gehörbildungsübungen. Sicher war das eine Prägung, die später mein Interesse beflügelte. Aber er hat nie versucht, mich in meinem Geschmack zu beeinflussen, da es seine Überzeugung war, dass ich mich frei entwickeln sollte“, erinnert sich Mangelsdorff jr.

„Es wird immer wieder gesagt, dass der Klang der Posaune der menschlichen Stimme am ähnlichsten sei. Ich kann dem nicht zustimmen, denn die physikalische Erzeugung eines Tons ist bei der menschlichen Stimme grundverschieden von der eines Blechblasinstrumentes“, korrigiert er ein wiederkehrendes Klischee. Aber durch die funktionale Kopfstimme, die sein Vater in seinen „Multiphonics“ einsetzte, gab es dennoch viele Berührungspunkte zwischen den Generationen. „Für mich ging es in meiner musikalischen Entwicklung in eine andere Richtung. Ich bin bei meiner großen Vorliebe für die Polyphonie des Spätmittelalters und der Frührenaissance hängen geblieben.“

Der Glockenspieler vom Bartholomäusturm

Dass die Stadt Frankfurt sich für ihre großen Künstler verantwortlich zeigt, begrüßen Ilo und Ralph Mangelsdorff. „Die Stadtverwaltung hat weder Mühe noch Kosten gescheut, um den Nachlass meines Mannes im Institut für Stadtgeschichte zu erhalten“ betont Ilo Mangelsdorff. Das musikalische Vermächtnis wurde im Karmeliterkloster fachgerecht archiviert und digitalisiert.

„Es ist erfreulich, dass der Nachlass als Ganzes an einer gut kuratierten Stelle verbleibt, wo er für zukünftige Arbeit genutzt werden kann“, zeigt sich auch Ralph Mangelsdorff erfreut. „Gerade bei seiner Musik, wo das Geschriebene ein Stenogramm darstellt, das durch Kenntnis und Erfahrung der Spielenden zu dem ergänzt wird, was tatsächlich erklingt, wird es für zukünftige Forschungen sicher spannend sein, von den zahlreichen Tondokumenten zu den Keimzellen seiner Kompositionen vorzudringen.“

„Spielen für Albert – Konzert, Film, Erinnerungen“ am 5. September um 19 Uhr im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte, Karmeliterkloster, Münzgasse 9. Eintritt: 15,-

Quelle: op-online.de

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