Nachtflugverbot allein reicht noch nicht

Frankfurt - Bringt es die erhoffte Erleichterung für drei Millionen lärmgeplagte Menschen in der Region? In einem „Positionspapier“ fordert die Frankfurter Fluglärmkommission eine Lärmobergrenze, finanzielle Hilfen für besonders betroffene Kommunen und leiseren Flugverkehr. Von Veronika Szeherova

Das Gremium, das unter anderem aus Vertretern aller vom Fluglärm betroffenen Gemeinden und Landkreise besteht, bezieht darin erstmals eine gemeinsame Position. Lediglich die Vertreter von Behörden und Luftfahrt haben sich enthalten oder dagegen gestimmt. Das Papier soll an den hessischen Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) geschickt werden. .

Alle Artikel zu dem Thema finden Sie auch in unserem Stadtgespräch

„Die Spielregeln für aktiven Schallschutz müssen deutlich bestimmt werden“, fordert der Vorsitzende der Fluglärmkommission und Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD). Zentrales Anliegen bleibe das Nachtflugverbot, das zumindest in der Mediationsnacht von 23 bis 5 Uhr gelten solle. „Seit dem Mediationsverfahren vor elf Jahren sind jegliche Beschlüsse vernachlässigt worden – bis auf den Ausbau selbst“, moniert Jühe. Nun sollten die Belange der Wirtschaft zugunsten der Bevölkerung in den Hintergrund rücken. „Die Entwicklung des Flughafens muss mit diesem Ausbau ihr Ende finden.“ Die Bewohner hätten das Anrecht auf Planungssicherheit, etwa beim Hausbau, so Jühe.

Daher soll eine verbindliche Lärmobergrenze festgelegt werden. Eine Aufgabe, der sich eine Arbeitsgemeinschaft der Fluglärmkommission widmen wird. „Es muss so leise geflogen werden, wie es technisch und flugbetrieblich nur möglich ist“, sagt Jühe. So müssten die Anflughöhen verändert werden, die derzeit zu tief seien. „Es ist unerklärlich, dass die Flugzeuge in nur 1000 Meter Höhe über uns hinwegdonnern“, sagt der Beigeordnete des Main-Kinzig-Kreises, André Kavai (SPD). Ein Lärmgutachten, das für die ganze Region durchgeführt wird, soll zu einer gleichmäßigeren Verteilung des Lärms beitragen. Der Gesundheitsschutz stehe an erster Stelle, lautet die Marschrichtung.

Die Einführung eines Regionalfonds, der besonders lärmbelastete Gebiete finanziell ausgleichen soll, ist eine weitere Forderung. Hiervon könnte besonders Offenbach profitieren. Flughafendezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) beschreibt die Not der Stadt: „80 Prozent des Stadtgebietes sind Bauverbotszonen für Schulen, Altenheime und Wohnungen. Wir jonglieren ständig mit Ausnahmegenehmigungen.“ Seit der Mediation sei nichts geschehen. „Dieser Forderungskatalog war schon lange fällig.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare