Nachtflugverbot hat sich eingespielt

Zähneknirschende Zusammenarbeit

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Mehr Flexibilität in den Randstunden gefordert

Wiesbaden/Frankfurt - Das Nachtflugverbot am größten deutschen Airport in Frankfurt bleibt ein Zankapfel. Die Fluggesellschaften haben sich zwar auf die Vorgaben eingestellt. Trotz guter Zusammenarbeit mit den Genehmigungsbehörden im Alltag herrscht aber keine Harmonie.

Bei der Genehmigung von Flügen während der Lärmpause klappt die Zusammenarbeit der Airlines mit dem Verkehrsministerium immer besser. Rund 90 Prozent der Anträge für Flüge zwischen 23 und 5 Uhr werden auch genehmigt, sagte der verantwortliche Abteilungsleiter Luftverkehr, Bernhard Maßberg. „Wir sind mittlerweile in sehr guten Gesprächen mit den Fluggesellschaften, so dass keine sinnlosen Anfragen mehr kommen.“

Richtig zufrieden sind die Airlines trotzdem nicht: Zu starre Regelauslegungen sind der Hauptkritikpunkt. „Das Damoklesschwert, um 23 Uhr geht das Licht aus, ist fatal“, sagte der Generalsekretär des Airline-Verbands Barig, Michael Hoppe in Langen. „Wir wollen keine Änderung des Planfeststellungsbeschlusses, aber wir brauchen eine größere Flexibilität gerade in den sensiblen Randstunden.“ Es gehe bei Flügen, die nicht abheben können, teilweise um Kosten von einer halben bis zu einer Million Euro. Der Verband wolle kein Aufweichen der Regelung, die eine Lärmpause von 23 bis 5 Uhr vorsieht, betonte Hoppe. „Aber wenn die Prozesse am Abend ordentlich ablaufen und dann etwas Unvorhergesehenes passiert, dann darf ein Abflug nicht an formalen Gründen scheitern.“

Starre Auslegung der Regelung

Die Lufthansa schlug in die gleiche Kerbe. „Flüge, die rechtzeitig das Gate verlassen haben, sollten auch eine Startfreigabe erhalten“, erklärte ein Sprecher. Bei einer zu starren Auslegung der Regelung droht dem Luftverkehrsstandort Frankfurt ein Reputationsschaden. Als Beispiel nannte der Sprecher einen nicht genehmigten Start im Juni, der durch einen Fluglotsenstreik in Frankreich verursacht worden sei. Diese Situation habe nicht im Einflussbereich der Airline gelegen, die Ablehnung des Flugs sei daher nicht nachvollziehbar. Grundsätzlich habe sich das Prozedere mit der Genehmigungsbehörde bei den Ausnahmeregelungen während des Nachtflugverbots aber eingespielt, erklärten die größte deutsche Fluggesellschaft und der Airline-Verband, der die Interessen von etwa 100 Fluggesellschaften vertritt.

Nach Angaben von Maßberg wird im Alltag zwar oft zum Telefon gegriffen, um vor dem eigentlichen Antrag über die Erfolgsaussichten zu sprechen. Die Zahl der Anträge sei aber deutlich zurückgegangen. Gerade mit den großen Fluggesellschaften gebe es eine gute Zusammenarbeit. Einige ausländische Airlines stellten aber trotz zu erwartender Absage noch Anträge, um ihren Unternehmenszentralen zu zeigen, dass sie alles getan haben. Pro Antrag muss eine Fluggesellschaft 135 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen. „Das wird auch bei einer Ablehnung fällig“, betonte Maßberg. „Wird der Antrag genehmigt, nach 23 Uhr zu starten, müssen zusätzlich pro Passagier vier Euro und pro Tonne Fracht 20 Euro gezahlt werden.“

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Der Hauptgrund für Ausnahmegenehmigungen während der sechsstündigen Lärmpause seien Verspätungen wegen schlechten Wetters, erklärte Jörg Arne Egerter, Referatsleiter und zuständig für die Sicherheit des Luftverkehrs am Frankfurter Airport. Diese gelten bis Null Uhr. Danach dürfen Starts und Landungen nur im Fall einer besonderen Härte genehmigt werden. Es gebe aber keine Liste, bei welchen Vorkommnissen Flüge nach 23 Uhr genehmigt werden, betonte Maßberg. „Jeder Fall wird einzeln geprüft.“ Grundsätzlich gelte, dass alles, was im und am Flugzeug passiert - also technische Probleme oder bei verspäteter Crew -, Sache der Airlines ist und kein Grund für einen Start während der Nachtflugverbotszeit.

100. Montags-Demo im Flughafen

100. Montags-Demo im Flughafen

Für eine Genehmigung können neben dem Wetter Sicherheitsaspekte sowie Katastrophen oder medizinische Hilfseinsätze angeführt werden. Als sich vor einiger Zeit bei einer schwangeren Frau auf einem Flug von Tel Aviv nach Brüssel die Geburt ankündigte, durfte die Maschine auch nach Null Uhr in Frankfurt landen. Bei der Entscheidung über Verspätungsstarts zähle daher alleine, ob der Grund der Verspätung außerhalb des Einflussbereiches der Luftverkehrsgesellschaft gelegen hat, betonte der Abteilungsleiter. „Dabei spielt es keine Rolle, ob 500 oder fünf Passagiere an Bord sind, oder ob es sich um einen Frachtflug handelt.“ Medizinische Hilfsflüge, etwa für Organspenden, könnten dagegen rund um die Uhr erfolgen.

Mit kuriosen Voranfragen werden die Experten auch immer wieder konfrontiert: „Im Vorfeld der Bambi-Verleihung in Wiesbaden wurde gefragt, ob einige Stars gegebenenfalls auch noch nach 3 Uhr mit ihren Privatluftfahrzeugen starten dürften“, so Maßberg. Dies sei abgelehnt worden, weil es keine Härtefälle waren und kein öffentliches Interesse vorlag.

dpa

Quelle: op-online.de

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