Naturschutzbeirat sauer: Kreis verweigert Akten

Dietzenbach - „So etwas habe ich überhaupt noch nicht erlebt!“, wettert Ernst Böhm, Vorsitzender des zwölfköpfigen Naturschutzbeirats des Kreises. Das Gremium tagte am Montagnachmittag im Kreishaus mit Vertretern der Kreisverwaltung.

Allerdings nur bis zum dritten Tagesordnungspunkt: Planfeststellungsverfahren „Südumfahrung Buchschlag“. Denn dazu rückte der Kreis keine Unterlagen heraus. Da fühlte sich der ehrenamtliche Beirat derart brüskiert, dass er die Sitzung sofort abbrach.

„Am Montag bin ich um 8.30 Uhr von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises informiert worden, dass uns zur heutigen Sitzung keinerlei schriftliche Informationen zu der geplanten Stellungnahme der Fachbehörde zur Südumgehung vorgelegt werden. Ein absolutes Novum in der bisherigen Zusammenarbeit zwischen Naturschutzbeirat und der Kreisverwaltung“, wunderte sich gestern der 76-jährige Zeppelinheimer. Dies widerspreche sämtlichen bisherigen Vorgehensweisen - und das ohne Begründung.

Auch auf Nachfragen verärgerter Beiratsmitglieder wegen des Vorenthaltens der Stellungnahme der Naturschutzbehörde habe der Leiter des Fachbereichs Umwelt, Jörg Nitsch, nur gesagt, er dürfe darauf keine Antwort geben, so Böhm weiter. Er vermutet einen politischen Hintergrund für diese Verhaltensweise, da der Umgehungsstraßenbau von den Naturschutzverbänden weiter abgelehnt werde, weil der „massive Eingriff in die Natur niemals ausgeglichen werden kann“. Böhm: „Vielleicht haben die etwas in den Akten gefunden, was nicht der Rechtslage entspricht und das Bauprojekt gefährden würde.“ Er habe jetzt bei der Ersten Kreisbeigeordneten Claudia Jäger (CDU) als zuständiger Dezernentin Akteneinsicht beantragt, denn die Stellungnahme des Beirats müsse bis zur zweiten Aprilwoche vorliegen, dann befasse sich der Kreisausschuss damit. „Die Ordner durchzuarbeiten, dass wird verdammt eng.“

Sie verstehe „die Aufregung nicht“, teilte Claudia Jäger auf Anfrage schriftlich mit. Die Stellungnahme des Kreisausschusses müsse bis 30. April beim RP Darmstadt sein. Der Beirat könne jederzeit die vom RP dem Kreis überlassenen Unterlagen einsehen. Böhm hingegen: „Uns interessiert die Stellungnahme der Untere Naturschutzbehörde des Kreises, und nicht die RP-Unterlagen.“

Quelle: op-online.de

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