Große Pläne für Neckermann-Areal

Türken setzen auf den Osten

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Vermietung von Flächen im Logistik-, Handels- und Bürobereich geplant „Frankfurt entwickelt sich in eine gute Richtung“, sagte gestern der Geschäftsführer von Servet GYO, Mahmut Sefa Çelik. Seine Firma will auf dem 170 000 Quadratmeter großen Areal des einstigen Versandriesen Neckermann ein internationales Logistik-, Handels- und Bürozentrum einrichten.

Frankfurt - Auf dem ehemaligen Areal des Versandhaus- konzerns Neckermann an der Hanauer Landstraße im Frankfurter Osten entsteht ein internationales Logistik-, Handels- und Bürozentrum. Von Michael Eschenauer

Der neue Eigentümer heißt Servet GYO und gehört zum Immobilien- konzern Sinpas mit Sitz in der Türkei. Gestern wurden die Pläne offiziell vorgestellt.

„Frankfurt ist die wichtigste Finanz-, Messe- und Industriestadt in Europa und bietet aus logistischer Sicht die besten Möglichkeiten. Es ist schlicht der Kreuzungspunkt“, sagte Servet-Geschäftsführer Mahmut Sefa Çelik. Er spricht kein Deutsch und bediente sich bei der opulenten Präsentation der Pläne einer Simultandolmetscherin.

5000 Arbeitsplätze auf 291.000 Quadratmetern

Seine Firma hat das 17 Hektar große Areal vor einem Jahr für 60 Millionen Euro gekauft. Vermietet werden sollen bestehende Büros und Lagerflächen, in denen etwa 5000 Menschen Arbeit finden. Man investierte nichts in die Bausubstanz, sagte Çelik. Das, was man vorgefunden habe, sei in gutem Zustand. Einzig in die Substanzerhaltung werde man jährlich 1,2 Millionen Euro stecken. Der Vorbesitzer des Grundstücks, die britische Segro-Gruppe, hatte dem Vernehmen nach 120 Millionen Euro für die Anlage ausgegeben. Übergeben wurde das Areal im Dezember 2013. Das Aus für Neckermann liegt eineinhalb Jahre zurück.

Das Areal unter dem Projektnamen „OSWE“ für „Ost-West“ bietet insgesamt 291 .000 Quadratmeter Mietfläche, davon sind bereits 83. 000 Quadratmeter an rund 30 Firmen vermietet. An Lagerflächen stehen 207. 000 Quadratmeter zur Verfügung, an Bürofläche 83. 400 Quadratmeter. Die Kapazität des bestehenden Parkhauses liegt bei 1850 Stellplätzen.

„Wir werden hier weder etwas abreißen, noch etwas neu bauen oder verkaufen“, betonte der Manager. Man werde sich selbstverständlich an die Vorgaben des Denkmalschutzes halten, betonte Çelik. Wohnungsbau ist bisher nicht vorgesehen. Nicht zuletzt wegen der Nähe der Chemiefabrik Allessa in Fechenheim. Die Beschränkungen infolge des internationalen Katastrophenschutzabkommens „Seveso II“ seien bekannt, so der Firmenvertreter. Etwa die Hälfte des Grundstücks falle unter die Beschränkungen für Wohnungsbau. Das Angebot, so Çelik, richte sich an deutsche und internationale Unternehmen, aber nicht speziell an Firmen aus seinem Heimatland. Angesichts der großen Unterschiedlichkeit der Bausubstanz sei ein breiter Firmenmix denkbar. Die Investoren aus der Türkei beabsichtigen die Einrichtung eines Museums zur Firmengeschichte von Neckermann und wollen Raumangebote für Künstler bereithalten.

„Wir möchten Frankfurt in der Welt bekannt machen“

„Wir möchten Frankfurt in der Welt bekannt machen“, so Çelik. Man werde starke Anreize für Firmen schaffen, sich in der Mainmetropole anzusiedeln. In diesem Jahr will man in erster Linie die Werbetrommel in Sachen „OSWE“ rühren. Ziel ist die „Vollvermietung“ mit 95 Prozent bis 2016. Ein „erfahrenes Vermietungsteam“ werde sich um die Akquise kümmern. Weitere Projekte, so Celik, seien allerdings in Deutschland derzeit nicht geplant. Um den Standort zu einem Treffpunkt der Menschen aufzuwerten, prüft Servet die Schaffung eines „attraktiven gastronomischen Angebots“ und die Einrichtung eines Kindergartens. Die Mietpreise auf dem Neckermann-Areal werden sich bei Lagerflächen zwischen sieben und zehn Euro und bei Büros zwischen acht und zwölf Euro je Quadratmeter bewegen.

Sinpas ist ebenso wie seine Tochter Servet GYO an der Börse notiert und beschäftigt sich mit dem Bau, der Vermarktung und der Verwaltung von Großimmobilien mit Schwerpunkt Türkei. Insgesamt gehören elf Tochterfirmen zur Sinpas-Holding.

Man hat bereits mit dem Frankfurter Architekten Albert Speer zusammengearbeitet. Außer Immobilienfirmen zählen die Produzenten von industriellen Mineralien, Keramik, Holz und Granit zum Konzern. Ferner betreibt man Hotels. „OSWE“ ist das erste Engagement der türkischen Geschäftsleute in Deutschland.

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Quelle: op-online.de

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