In ausverkaufter Jahrhunderthalle

Pop-Girlie-Ikone Nena begeistert mit fröhlicher Hyperaktivität

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Nena vereint mit ihrer Musik die Generationen - die Teenies, ihre Eltern und ihre Großeltern feiern sie zum Dank frenetisch und 100-Prozent textsicher.

Frankfurt - Und dann ist da noch der dauerfröhliche Blick zurück nach vorn. Von einer Kultfigur, die auf ihrer aktuellen Tour alles tut, um nicht zu sein, was ihr neues Album orakelt - „Oldschool“. Von Peter H. Müller

Das ewige Pop-Girlie Nena lässt am Samstagabend in der ausverkauften Jahrhunderthalle erst gar keine tristen Gedanken an die dramatischen Ereignisse der vorangegangenen Nacht aufkommen. Mit Enkeln, Kindern, Kegel und restlos begeisterten Fans feiert sie lieber eine Zeitreise durch die komplette Karriere. Auch ein Statement. Vielleicht war der Testlauf im März dieses Jahres doch der richtige Einstieg für die aktuelle Tournee-Sause: In der Batschkapp hatte „Frau 99 Luftballons“ in intimer Atmosphäre ausprobiert, was ihre Fangemeinde, die Opa, Oma und Teenager in entzückender Eintracht versammelt, so hält von den mit Electro-Beats getunten Songs, die ihr HipHop-Kollege Sammy Deluxe verordnet hat. Und von der Nena-Family-Band, in der sie als Chef-Coach drei Stammhalter/innen unter die Fuchtel genommen hat: Sohnemann Simeon (eine Liaison mit Produzent Philipp Palm) sowie die Backvocal-Zwillinge Larissa & Sakias (eine andere Liaison mit Schauspieler Benedict Freitag) tummeln sich inmitten einer neunköpfigen Bühnentruppe.

Nicht zu vergessen zwei Enkel-Kids, die später zum unverwüstlichen „Kriegsminister gibt´s nicht mehr, und auch keine Düsenflieger“-Gassenhauer die Riesenballons mit dem „Love“-Aufdruck in die Menge kicken dürfen. Aber wahrscheinlich spielt das eh keine große Rolle, wenn man davon absieht, dass Sakias als Duett-Partner (u.a. „Peter Pan“) wie das Double von Xavier Naidoo klingt. Nein, bereits nach den Eröffnungssongs „Haus der drei Sonnen“ und „Nur geträumt“ festigt sich der Eindruck: Nena könnte auch mit den Kastelruther Spatzen über die Bretter wirbeln, sie würde ähnlich frenetisch und 100-Prozent textsicher gefeiert.

Promifrauen und ihre jungen Hüpfer

Fast möchte man den oft bemühten Begriff „Phänomen“ hernehmen. Denn das, was die 55-Jährige an Energie verströmt, ist bewundernswert. Gut zwei Stunden tänzelt, turnt, verdreht, verbiegt sie sich frei nach ihrem Song „Hyperaktiv“ - um dann, wenn es mit „Neue Deutsche Welle reloaded“-Klängen gen Finale geht, noch eine Schippe draufzulegen. Hier bei „Berufsjugendlich“, „Oldschool, Baby“ oder dem völlig umarrangierten Oldie „Zaubertrick“ zahlt sich die Arbeit mit Rap-Maestro Sammy Deluxe aus. Der hat die ollen Synthie-Elemente aus der Mottenkiste geholt, dazu fette Elektro-Beats drapiert und den Sound von Anette Humpe und Ideal reanimiert.

Passt, auch wenn das Lichtgewitter dazu manche Fans verschreckt haben wird. Aber dafür gibt es ja die XL-Portion Gute-Laune-Feeling, die wohl kaum jemand in der Popszene so überzeugend verabreicht wie die dreifach Omi. Am Ende, nach einem Zugabenblock mit „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“, „Zusammen“ und „Vollmond“ ist die Nena-Gemeinde vollends aus dem Häuschen. War da irgend etwas mit Altmodisch? Kann gar nicht sein. Nena doch nicht.

Quelle: op-online.de

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