Neue Ärzte braucht das Land

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Landarzt gesucht - aber der Weg ist umstritten.

Offenbach ‐ Die erfolgversprechende Therapie ist noch nicht gefunden, aber in einem Punkt sind sich Politiker wie Verbände einig: Gegen den Ärztemangel auf dem Land und an den Rändern der Ballungsräume muss möglichst schnell etwas getan werden. Von  Peter Schulte-Holtey

Bundesweit könnten 2.026 Hausärzte, 1.260 Psychotherapeuten und 334 Fach- und Kinderärzte problemlos eine Zulassung bekommen - wenn es für diese freien Arztsitze nur Bewerber gäbe. Auch in Hessen klaffen in großen Bereichen Lücken, vor allem bei der Hausarztversorgung. Händeringend werden im Land schon mindestens 50 Hausärzte gesucht, die Lücken in der medizinischen Versorgung schließen. Ein drängendes Problem, denn es geht vor allem um alte und kranke Menschen, die auf wohnortnahe ärztliche Hilfe angewiesen sind.

Die Landesregierung arbeitet zusammen mit den Verbänden an einem Konzept gegen den Ärztemangel. „Verzweifeltes Herumdoktern“ - sagen die Praktiker vor Ort. Helfen könne nur ein echter Systemwechsel bei der Bezahlung: zugunsten der Landärzte. Rezepte - über die jetzt diskutiert wird:

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) schlägt vor, in Ballungszentren nicht mehr jede frei werdende Praxis wiederzubesetzen. Da der Praxisverkauf für Ärzte aber wichtiger Teil der Altersversorgung ist, hatten Ärzteverbände dies heftig kritisiert und vor „Quasi-Enteignung“ gewarnt.

Prämien bis zu 100.000 Euro den Ärztemangel entgegen

Um mehr Ärzte aufs Land zu bekommen, will auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Zahl der Arztsitze in Ballungszentren verringern. „Dazu kann es gehören, dass in einer überversorgten Region eine Kassenärztliche Vereinigung die Praxis eines Arztes aufkauft“, sagt der KBV-Vorsitzende Andreas Köhler. Denkbar sei dies etwa, wenn Mediziner für ihre Praxis keinen Käufer fänden oder keinen adäquaten Preis erzielen könnten. Gleichzeitig müssten die Kassenärztlichen Vereinigungen dann aber auch „in unterversorgten Gebieten Eigeneinrichtungen gründen dürfen“. Daran denkt jetzt auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Hessen.

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel: „Notfall in Hessen: Ärzteverband will eigene Praxen“

Vorbildhaft könnte ein Vorhaben in Sachsen sein, dort soll mit Prämien von bis zu 100.000 Euro dem Ärztemangel in bestimmten Regionen entgegengewirkt werden. Ziel sei es, junge Mediziner zur Übernahme oder Neugründung einer Praxis zu motivieren, teilten die gesetzlichen Krankenkassen und die KV Sachsen mit. Die höchsten Investitionszuschüsse soll es für Augenärzte geben. Die Beitragsmittel müssten dorthin fließen, wo der Bedarf bestehe, fordert die Krankenkasse Barmer GEK. Denkbar wären Vergütungsabschläge in überversorgten Gebieten. Diese abgezweigten Gelder könnten in einen speziellen Bonustopf für unterversorgte Gebiete fließen. Eine solche „Pool-Lösung“ sei ein guter Beitrag zur besseren Steuerung der Ärzteversorgung. In die medizinische Betreuung chronisch kranker Menschen sollten stärker nichtärztliche Berufsgruppen einbezogen werden. Die „Gemeindeschwester“ biete hier den richtigen Ansatz.

Ein Verteilungsproblem

Der Ärztemangel ist nach Meinung des Gesundheits- und Versorgungsforschers Wolfgang Hoffmann in erster Linie ein Verteilungsproblem. Die marktwirtschaftlichen Elemente hätten zwar zu mehr Konkurrenz geführt, aber nicht dazu, eine flächendeckende Versorgung zu garantieren. „Die Struktur der Selbstverwaltung unterstützt den Status Quo und droht dadurch zum Innovationshemmnis zu werden“, sagte der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Community Medicine an der Universität Greifswald. In unterversorgten Regionen könnten Klinikärzte Lücken ausgleichen, indem sie in Teilzeit die ambulante Versorgung auf dem Lande unterstützen. Mehr Steuerung müsse es bei der Zulassung von niedergelassenen Ärzten geben. Dadurch ließen sich auch die Arbeitsbedingungen für Landärzte verbessern.

Quelle: op-online.de

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