Neue Akten bei Prozess um Eiscafé-Schüsse

Darmstadt - Im Mordprozess um eine Schießerei in einem Rüsselsheimer Eiscafé mit drei Toten ist die Aussage einer wichtigen Zeugin gestern im letzten Moment verschoben worden. Die Frau hatte schon Platz genommen, als die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht Darmstadt überraschend Akten nachreichte und um eine Verschiebung bat.

Eine Erklärung gab Staatsanwalt Knut Happel nicht. Angeklagt sind drei Türken im Alter von 23, 29 und 32 Jahren.

Hintergrund der Schießerei war eine lange anhaltende Rivalität zweier türkischer Familien, die sich aus der Türsteher-Szene von Diskotheken kennen. Laut Anklageschrift hatten sich die beiden Familien an jenem Abend zur Erörterung ihrer auf persönlichen Animositäten beruhenden Streitigkeiten in dem Eiscafé „De Rocco“ verabredet. An dem Treffen hätten drei Vertreter der einen und fünf der anderen Familie teilgenommen. Offenbar hätten alle damit gerechnet, dass die Begegnung einen gewalttätigen Verlauf nehmen könnte, denn die Teilnehmer hätten zwei Messer, einen Schlagring, einen Elektroschocker und drei geladene Pistolen mitgebracht. Nach anfänglich noch ruhigem Gesprächsverlauf sei es zu gegenseitigen Beleidigungen gekommen. Schließlich habe der mitangeklagte 32-jährige Erdal E. ein Messer gezogen und in Tötungsabsicht mehrfach auf einen anderen Gesprächsteilnehmer eingestochen. Der Angegriffene griff zur Pistole und gab mehrere Schüsse auf sein Gegenüber ab. Im weiteren Verlauf der eskalierenden Gewalt starben der zuerst angegriffene 29-Jährige, ein weiterer 26 Jahre alter Beteiligter und eine unbeteiligte 55-jährige Griechin.

Staatsanwalt Happel kündigte an, den Prozessbeteiligten beim dritten Verhandlungstag nächste Woche die Gründe für sein Vorgehen darzulegen. In dem zunächst auf mindestens 16 Verhandlungstage terminierten Prozess haben sich die Angeklagten zu den Tatvorwürfen bisher nicht geäußert. Die Kammer muss sich deshalb besonders auf die Aussagen von Zeugen stützen.

Am zweiten Prozesstag am Donnerstag sagten jedoch einige Zeugen, sie könnten sich an das eigentliche Geschehen nicht mehr genau erinnern. Ein 53-Jähriger, der bei der Vernehmung kurz nach der Tat neben den Schüssen auch ein 10 bis 15 Zentimeter langes Messer erwähnt hatte, gab nun an, „heute an das Messer keine Erinnerung mehr zu haben.“ Der jüngste Angeklagte soll mit einem Messer auf eines der Opfer 14 Mal eingestochen haben, das dann starb.

dpa

Quelle: op-online.de

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