„Neue“ Altstadt: Es geht los

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Das Areal zwischen Dom und Römer soll eine ähnliche Anmutung erhalten wie der Römerberg, an dessen Ostseite ebenfalls Rekonstruktionen alter Fachwerkhäuser aufgebaut wurden. Als sicher gilt die Rekonstruktion von sechs bis sieben historischen Fachwerkhäusern, darunter das berühmte „Rote Haus“ und die „Goldene Waage“ (letzteres in der Bildmitte). 

Frankfurt - Es scheint Bewegung in den seit längerem anvisierten Wiederaufbau des Kerns der Frankfurter Altstadt zu kommen. Erst vor wenigen Tagen fand auf dem Areal am Technischen Rathaus ein „ Altstadt -Forum“ diverser Initiativen statt, wo sich auch der Schriftsteller Martin Mosebach für eine kleinteilige Bebauung nach historischem Vorbild aussprach. Von Claus Wolfschlag

Nun hat auch die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend die Gründung einer „Dom-Römer GmbH“ als städtisches Tochterunternehmen beschlossen. Diese Projektgesellschaft soll das Grundstück des ehemaligen Technischen Rathauses baureif machen und die Gebäude im Wege einer Erbbaurechtsbestellung gewinnfrei an interessierte Bauherren vergeben. Geplant ist die Errichtung von rund 30 Häusern, davon mindestens sechs Rekonstruktionen. „Durch diese Verfahrensweise ist sichergestellt, dass die Stadt an allen wichtigen Entscheidungen direkt beteiligt bleibt“, erklärte Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) vor den Stadtverordneten.

Die Entwicklung des Quartiers auf dem Gebiet der Frankfurter Altstadt scheint sich demnach in Schritten von je zwei Jahren zu vollziehen. 2005, nachdem Pläne zum Abriss des maroden Technischen Rathauses an der Braubachstraße publik geworden waren, brachten die „Freien Wähler“ und die neu gegründete Bürgerinitiative „Pro Altstadt“ die Idee einer Rekonstruktion von Altstadthäusern ins Gespräch. Es dauerte zwei Jahre des Denkprozesses, bis die Stadtverordneten 2007 mit großer Mehrheit diesen Wiederaufbau nach historischem Vorbild beschlossen. Nicht nur die alten Gassenverläufe entlang des ehemaligen „Krönungsweges“ sollten wieder erstehen, auch eine Orientierung am alten kleinteiligen Parzellenzuschnitt wurde angestrebt. Zudem verkündete Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) die städtische Rekonstruktion von sechs bis sieben historischen Fachwerkhäusern, darunter das berühmte „Rote Haus“ und die „Goldene Waage“.

„Jetzt geht‘s los“

Erneut brauchte es zwei Jahre, um die Gründung der Projektgesellschaft auf den Weg zu bringen, als deren Aufsichtsratsvorsitzende Roth fungieren möchte. Ein Gestaltungsbeirat aus mindestens drei unabhängigen Fachleuten, Architekten oder Kunsthistorikern, soll die ästhetische Planung der Einzelgebäude beratend unterstützen. Jeder Erbbauvertrag soll zudem von der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung abhängig bleiben.

Wären wir auf dem Fußballplatz, würden wir rufen: `Jetzt geht´s los´“, verkündete Jochem Heumann (CDU), Mitglied des „Dom-Römer“-Sonderausschusses, während der Plenarsitzung euphorisch. Frankfurt bekomme bald ein Stück Identität, ja eigentlich sein Herz, zurück.

Die Opposition kritisierte hingegen den schleppenden Prozess der Altstadtbebauung. Sein Vater sei 87 Jahre alt geworden, erklärte der Fraktionsvorsitzende der „Freien Wähler“, Wolfgang Hübner. Und er selber hoffe, so alt wie sein Vater zu werden, um irgendwann doch noch durch die wiederaufgebaute Altstadt spazieren zu können. Die offizielle Planung geht derweil von einer Fertigstellung im Jahre 2014 aus.

Man sei immer noch auf dem gleichen Stand, wie vor vier Jahren, kritisierte auch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Klaus Oesterling den langsamen Fortgang der Entscheidungen. Die Frage der Verlegung der U-Bahn-Zugänge, die Bebauung des archäologischen Gartens, der Abriss des Beton-„Tisches“ vor der „Schirn“, die Rekonstruktion des „Hauses Rebstock“ neben dem „Haus am Dom“ - all dies sei immer noch nicht richtig geklärt. Bis heute fehle ein konkreter Bebauungsplan. Auch der Abriss des Technischen Rathauses wurde unlängst wieder um Monate verschoben, nun auf Anfang 2010. Seit Jahren herrsche „Schwarz-Stillstand“, polterte Oesterling in Anspielung auf den Planungsdezernenten.

Frankfurt bleibt ein Zentrum moderner Architektur

Da aber die neue „Dom-Römer GmbH“ endlich die Altstadt-Bebauung beschleunigen soll, stimmte die SPD dem Antrag zu deren Gründung dennoch zu. Frankfurt bleibe trotz der Fachwerkhäuser selbstverständlich auch ein Zentrum moderner Architektur, sagte Oesterling und plädierte zugleich für einen unideologischen Blick auf das gegenwärtige Baugeschehen.

Hier schien er sich einig mit der Kunsthistorikerin Heike Hambrock von den „Grünen“, die sich von der GmbH die zügige Bearbeitung aller offenen Fragen erwartete. Selbstkritisch bemerkte sie, dass ihr und vielen anderen anfänglich die Bedeutung jener historischen Keimzelle Frankfurts für die Menschen nicht bewußt gewesen sei. Dies sei heute anders, und dafür dankte sie auch der Bürgerinitiative „Pro Altstadt“. Sie plädierte für ein lebendiges Quartier, allerdings auch unter Anerkennung der Moderne.

Sechs oder sieben Rekonstruktionen seien schön, erklärte Wolfgang Hübner, aber die entscheidende Frage sei, welche Bauten auf den restlichen Parzellen entstünden. Viele Architekten hätten die schwierige Aufgabe noch nicht begriffen, ein harmonisches Gesamtensemble zu schaffen. Statt Demut gegenüber dem historischen Ort zu empfinden, bestände ihr Interesse oft nur im egoistischen Ausleben eigener Kreativität.

Die Detailgestaltung wird jedenfalls noch zu Diskussionen führen, wenn die Bauphase näher rückt. Es könnte dabei zu weitaus mehr Rekonstruktionen, als den bislang genannten, kommen. Die Einzelvergabe von Parzellen an private Bauherren ermöglicht es diesen nämlich, zusätzliche historische Bauten zu errichten. Unlängst hatte bereits der Verein „Pro Altstadt“ Interesse an solch einem Bauplatz angemeldet.

Ebenfalls gibt es erste Schritte zur Überbauung des angrenzenden Archäologischen Gartens. Bis zum 27. Juli können Architektenbüros hierzu ihre Bewerbungsunterlagen für den städtischen Wettbewerb einreichen. Auf dem Gelände nahe der Kunsthalle „Schirn“ sollen ein Besucherzentrum und eine stadtgeschichtliche Ausstellung ihren Platz finden.

Quelle: op-online.de

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