30 Jahre Music-Hall

„Das war eine andere Liga“

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Die neue Batschkapp bei ihrer Eröffnung.

Frankfurt - Wann immer ein Veranstalter zuletzt in Frankfurt eine Location für bis zu 1500 Besucher suchte und nach Offenbach ins Capitol oder nach Neu-Isenburg in die Hugenottenhalle ausweichen musste, gab es Wehklagen: Von Detlef Kinsler 

Für Unmut sorgte, dass das Volksbildungsheim zum Multiplex-Kino umfunktioniert und die Music-Hall 1994 zugunsten der City West dem Erdboden gleich gemacht worden war. Neun Jahre zuvor, im März 1985, war die „Hall“ eröffnet worden. Den „Bauherren“ Peter Mahnke, Siegfried Lauth und Uwe Vollmershausen schwebte keine weitere Großraumdisco vor, sondern eine multifunktionale Konzerthalle, die auch zum Tanztempel taugte. „Wir haben sie mit Arena-Charakter gebaut, für eine gute Sicht auf die Bühne von allen Plätzen“, erinnert Vollmershausen an das innovative Konzept, das selbst noch die Macher des Gibson inspiriert haben dürfte. Das Who’s Who des Rock und Pop schaute in der Voltastraße vorbei, darunter Simply Red, INXS, Falco, Dave Stewart, Die Ärzte, TEXAS, A-ha und Neil Young. Michael Münzing, der spätere Snap!-Erfinder, war der erste Disc Jockey in der Music-Hall, auch DJ Dag legte hier auf.

Das ist Geschichte. Dass die nicht in Vergessenheit gerät, dafür sorgen Bernhard Kunz und Ralf Holl. Kunz ist ein Fan der ersten Stunde. Schon als 15-Jähriger ließ er sich von seiner Clique in die „Hall“ schmuggeln. Wenn eine Polizeikontrolle kam, versteckte er sich in einer Ecke auf der Bühne. Ein Schrank voller Endstufen in der Ecke und das eigens fürs Haus designte Soundsystem mit den legendären, in den Bühnenboden eingelassenen Bassbogen, begeisterten den jungen Mann. „Der Klang hatte eine andere Dimension, das war eine andere Liga“, schwärmt er noch heute.

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Holl war zu diesen Zeit schon Resident-DJ in Bockenheim; Münzing einer seiner Lehrmeister. „Er war mit seiner Vision eines Clubs der Zeit um Jahre voraus.“ Bei Holl, der von Ende 85 bis 1991 die Turntables bediente, lautete das Credo: „Jeder im Publikum sollte musikalisch zu seinem Recht kommen, egal ob Punker oder Banker, Rock’n’Roller und Electro-Freak.“ Dem wurde er mit einem Mix aus Pop, Rock, Wave und Dance gerecht.

All das hatte Kunz nie vergessen, und als er dann anfing, seine alten Platten aus der Zeit zu digitalisieren, kam er auf die Idee, auf der Internet-Plattform laut.fm seinen eigenen Musiksender zu lancieren. Prompt reagierten seine Hörer: Mach’ doch mal ’ne Party! Im März 2010 wurde die Unionhalle angemietet. Nach dem Debüt gab es in den folgenden Jahren erfolgreiche Partys im MTW, dem Cocoon und der Commerzbank-Arena. Zum Jubiläum „30 Jahre Music-Hall“ wird nun die neue Batschkapp beschallt. „Ein Kreis schließt sich“, meint Holl. Zumal Snap! („The Power“) als Liveact dabei ist und die „Kapp“ endlich die Lücke der 1500er Kategorie schließt.

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Quelle: op-online.de

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