Neue Brücke kostet 41 Millionen

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Offiziell ist sie nur als Verbindung zweier Stadtteile gedacht - inoffiziell könnte sie zu einem Schleichweg für den Frankfurter Verkehr Richtung A661 und A3 werden: Die neue Mainbrücke zwischen dem Frankfurter Ostend, der Europäischen Zentralbank und dem Deutschherrnufer wird so aussehen.

Frankfurt ‐ So soll sie also aussehen, die neue Mainbrücke, die ab 2012 die Gerbermühlstraße am östlichen Rand von Sachsenhausen über die Franziusstraße und die Honsellbrücke am Frankfurter Osthafen mit der Hanauer Landstraße verbinden wird. Von Michael Eschenauer

Die Gewinner des entsprechenden Wettbewerbs, Ferdinand Heide und BGS Ingenieursgesellschaft, haben jetzt diese Computersimulation vorgelegt. Einen Namen hat die Flussquerung noch nicht. Frankfurts Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Grüne) nennt sie vorsichtig eine „Stadtteilverbindung“ - wohl auch, um Bedenken in Offenbach zu zerstreuen. Dort befürchtet man Verkehrsprobleme im Umfeld des Kaiserleikreisels. Im Ostend gibt es ebenfalls Sorgen wegen zusätzlichen Verkehrs.

Fakt ist, dass die Pläne derzeit von rund 17 000 Fahrzeugen täglich ausgehen. Hauptgrund für den Brückenbau-Beschluss der Stadtverordneten im Jahre 2004 war allerdings der Einzug der Europäischen Zentralbank in die ehemalige Großmarkthalle. Hier musste eine leistungsfähige Anbindung geschaffen werden. Hinzu kommt die seit langem im Römer angestrebte Aufwertung des gesamten Ostens der Mainmetropole. Dies soll nun durch die neue Brücke beschleunigt werden.

20 Millionen Euro muss die Stadt Frankfurt tragen

175 Meter lang wird der Weg übers Wasser sein. Zwei Fahrspuren führen nach Süden, eine nach Norden, für Fußgänger und Radfahrer wird zusätzlicher Raum geschaffen. Direkten Zugang vom Mainufer sollen auf beiden Uferseiten Treppen bieten. Für Gehbehinderte sind spezielle Rampen vorgesehen. Die Fahrbahn endet auf der Nordseite in einem Kreisel an der Franziusstraße, im Süden an einer Kreuzung mit Ampelanlage.

Billig wird der zusätzliche Übergang von Hibb- nach Dribbdebach nicht: Aus einst prognostizierten Kosten in Höhe von 17,5 Millionen Euro wurden - man kennt das von zahllosen öffentlichen Bauwerken - aktuell 41,6 Millionen Euro. 20 Millionen Euro muss die Stadt Frankfurt tragen. Die Bau- und Finanzierungsvorlage, die das Verkehrsdezernat erarbeitet hat, taxiert die Baukosten auf 35,5 Millionen Euro, die Nebenkosten mit Planung, Bauüberwachung und Gutachten liegen bei sechs Millionen Euro.

Derzeit noch nicht beschieden ist der Antrag der Stadt beim Bund auf eine Förderung in Höhe von 20 Millionen Euro. Die Stadtverordneten müssen noch über die Investition abstimmen. Ein entsprechender Bebauungsplan existiert noch nicht. Klar ist allerdings schon jetzt, dass die auf der Main-Südseite ansässigen Kleingärtner mit neuen Grundstücken entschädigt werden sollen, falls ihre Parzelle der Brücke zum Opfer fällt. Betroffen sind zwölf Parteien. Ihre Gärten würden zu nahe an dem Übergang liegen. Andere Anwohnerbelange müssen in den Bebauungsplan einfließen.

Offenbacher beäugen Pläne misstrauisch

Als Ursachen für die deutliche Kostensteigerung nennt die Magistratsvorlage die im Vergleich zu früheren Plänen merklich größere Spannweite der Brücke. Hinzu kommen der notwendige Wegzug der Löschbootstation der Frankfurter Feuerwehr von der Spitze der Hafenmole, diverse Vorbereitungsarbeiten für ein hier möglicherweise entstehendes Hochhaus, gestiegene Preise für Stahl und die Beleuchtung der Brücke.

In Offenbach beobachtet man die Pläne für die dann sechste öffentliche und autotaugliche Brücke in der Frankfurter Kernstadt mit Misstrauen. So befürchtet man, dass die Beschäftigten im Frankfurter Ostend künftig über neue Mainbrücke, Deutschherrnufer, Strahlenbergerstraße, Kaiserlei das Autobahnnetz A661/A3 ansteuern und damit den Kreisel überfordern. Schon ist die Rede davon, ihn abzureißen und zwei Großkreuzungen anzulegen: Eine am Anschluss Strahlenberger Straße, die andere an der Berliner Straße. An die Stelle des weithin bekannten Riesen-Kreisels würden dann vier Hochhäuser treten. Preis der Idee: 20 Millionen Euro. Ohne Zustimmung aus Offenbach kann die Frankfurter Brücke nicht gebaut werden. Dort ist man - wen wundert‘s? - deshalb auch für die neuen Kreuzungen.

Quelle: op-online.de

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