Bahnverkehr im Jahr 2016

Neue Geduldsprobe für Frankfurt-Pendler - Tunnel wieder zu

Frankfurt - Die wochenlange Sperrung des Frankfurter S-Bahntunnels im vergangenen Sommer war nur der Anfang. 2016 kommt es für die Pendler noch dicker. Dafür steigen die Preise für Busse und Bahnen diesmal moderat.

Auf Pendler und Bahnreisende im Rhein-Main-Gebiet wartet im neuen Jahr die nächste Geduldsprobe. In den hessischen Oster- und Sommerferien wird der S-Bahntunnel unter der Frankfurter City erneut gesperrt. Wie im Sommer 2015 müssen S-Bahnfahrer dann wieder wochenlang auf U-Bahn, Bus oder Straßenbahn umsteigen.

Das neue, 95 Millionen Euro teure Stellwerk der Deutschen Bahn, für das im Tunnel die Technik erneuert wird, soll erst 2018 in Betrieb gehen. An der Pünktlichkeit der Züge wird aber die neue Technik vermutlich nicht viel ändern. Der 6,4 Kilometer lange Tunnel ist ein Nadelöhr. "Er ist unsere Achillesferse", sagt Sven Hirschler, Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Anders als beispielsweise in Berlin, wo die Bahnen auf einem Ring um die Stadt fahren, laufe der Verkehr im Rhein-Main-Gebiet sternförmig auf Frankfurt zu und treffe sich dort. Fast alle S-Bahnen fahren unter der Frankfurter City durch und verbinden die Innenstadt mit Zielen im weiten Umkreis. In jeder Richtung fahren zur Hauptverkehrszeit pro Stunde 24 Züge, mehr geht nicht, und Verspätungen einzelner Züge bauen sich oft erst nach Stunden wieder ab. Derzeit sei jeder zehnte Zug nicht pünktlich, sagt Hirschler. An der Verbesserung werde gearbeitet, dazu sei auf höchster Ebene ein gemeinsamer Arbeitskreis mit der Deutschen Bahn eingerichtet worden.

Tickets für Busse und Bahnen werden zu Jahresbeginn durchschnittlich 1,85 Prozent teurer - das ist weniger als im Bundesdurchschnitt. Schwarzfahrer müssen schon seit August 60 statt bisher 40 Euro zahlen, wenn sie ohne Karte erwischt werden. An dem Kostendeckungsgrad von etwa 56 Prozent ändere das nichts, sagt RMV-Sprecher Hirschler. Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) erhöht zum Jahresanfang seine Preise um durchschnittlich 1,9 Prozent. Er erwirtschaftet nach eigenen Angaben durch den Verkauf der Fahrscheine nur 32 Prozent seiner Kosten.

Um die Fahrpreise gerechter zu machen, testet der RMV im nächsten Jahr ein neues Tarifsystem und sucht dafür 20.000 Testkunden. Künftig sollen Fahrten mit Bussen und Bahnen nach Entfernung und nicht mehr wie bisher nach Tarifgebieten berechnet werden. RMV-Geschäftsführer Knut Ringat verglich das System mit Taxifahrten, bei denen zu einem Grundpreis die gefahrenen Kilometer berechnet werden. Zunächst solle das Modell mit einer Ticket-App für Mobiltelefone erprobt werden. Der Pilotversuch ist auf drei Jahre angelegt. Der Fahrgastverband pro Bahn ist skeptisch. "Das sind drei Jahre verlorene Zeit", meint Verbandssprecher Wilfried Staub. Er bezweifle, dass dieses System wirklich auf das gesamte Ticketsortiment übertragbar ist. Rückschlüsse auf die Einnahmen seien schwierig. Klar aber scheint, dass es auch mit einem neuen Zahlsystem für die Kunden unter dem Strich nicht billiger werden dürfte.

Bus, Bahn und Tram -Metropolen im Test

Unterdessen gehen die Bauarbeiten für das Stellwerk im S-Bahntunnel weiter. In Phase zwei beginnen die Arbeiter parallel zum Einbau von Signalen, Achszählern, Gleismagneten und Anzeigern mit dem Oberbau. 34 Weichen werden erneuert, 20 Kilometer Gleise ausgetauscht. Die im Sommer 2015 verlegten Kabel bekommen Anschluss an Signale. Während zunächst noch tagsüber der Verkehr normal läuft, wird der Tunnel dafür nachts gesperrt. Während der Osterferien vom 27. März bis zum 8. April und der Sommerferien vom 16. Juli bis 25. August ruht dann der Bahnverkehr im Tunnel wieder rund um die Uhr. Pro Bahn meint, die Informationen für die Kunden über Alternativen zur S-Bahn müssten besser werden. Zumindest an manchen Stationen sei das Angebot im Sommer dürftig gewesen. Schulbusse, die in den Ferien nicht gebraucht würden, könnten zudem die Straßenbahnen entlasten, beispielsweise zwischen Galluswarte und Hauptbahnhof.

Mit der Erweiterung des S-Bahnnetzes geht es langsam voran. Für die geplante Anbindung des Büroviertels "Gateway Gardens" am Frankfurter Flughafen sind die Vorbereitungen abgeschlossen, Anfang 2016 sollen die Aufträge für den Rohbau des zwei Kilometer langen Tunnels vergeben werden. Baubeginn ist nach Angaben der Deutschen Bahn 2017, Fertigstellung soll Ende 2019 sein. Die 223 Millionen Euro teure Strecke samt neuem Bahnhof ist das am weitesten fortgeschrittene S-Bahn-Bauprojekt rund um Frankfurt. Pläne für die nordmainische S-Bahn nach Osten und die Westtangente westlich an der City vorbei stecken noch in der Planungsphase. (dpa)

Bilder: Bahnhof des Jahres 2015 in Marburg

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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