Neue Technik zur genaueren Navigation 

Mit „GBAS“ zur Landebahn

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Frankfurt -  Gerade erst haben Mediziner wieder vor den Folgen von Fluglärm gewarnt. Ein neues Landesystem in Frankfurt soll nun auf lange Sicht den Lärm reduzieren. Ein kleines Mosaiksteinchen. Denn vorerst ändert sich nichts. Der Name des neuen Anflugsystems: GBAS. Von Sabine Ränsch

Ein höherer Anflug, im Slalom um Städte herum zur Landebahn - das soll eine Technologie mit dem Kürzel GBAS Flugzeugen künftig ermöglichen. Die Buchstaben stehen für „Ground Based Augmentation System“ - ein satellitengestütztes Anflugsystem, das mit Hilfe des Ortungssystems GPS präzisere und steilere Anflüge bewerkstelligen soll. An Mittwoch geht das System in Frankfurt in Betrieb. „GBAS ermöglicht eine noch effizientere Abwicklung des Flugverkehrs und ist auch ein Teil des Maßnahmenpaketes der Allianz für Lärmschutz“, teilte der Flughafenbetreiber Fraport dazu mit. Frankfurt verfügt dann als erstes internationales Drehkreuz in Europa über die neue Technologie.

Weniger Lärm wird es allerdings vorerst nicht geben. Für GBAS müssen nämlich Boden- und Flugzeugtechnik dieselbe Sprache sprechen. Das System, das Fraport für fünf Millionen Euro am größten deutschen Flughafen installiert hat, ist bisher jedoch nur in wenigen Flugzeugtypen eingebaut, darunter im Riesenflieger Airbus A380.

Der erste Schritt ist getan

Für die Fluglärmkommission (FLK) ist GBAS ein erster Schritt, um höhere Anflugwinkel und das Umfliegen von Städten zu erreichen. „Mit den ersten GBAS-Flugverfahren ist der Anfang für dieses System gemacht“, sagte FLK-Vorsitzender Thomas Jühe Ende 2013. Die Kommission werde sehr genau darauf achten, dass auch die Fluggesellschaften ihre Maschinen mit der nötigen Technik ausstatten. Mittelfristig habe das System großes Potenzial.

Bürgerinitiativen erwarten wenig Erfolg

Dietrich Elsner vom Bündnis der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm erwartet dagegen auch langfristig keinen Gewinn von dem neuen System, selbst wenn alle Maschinen GBAS hätten. Im dicht besiedelten Ballungsgebiet rund um den Flughafen seien kurvige Anflüge bei dem regen Flugverkehr in Frankfurt nicht realistisch, und schon gar nicht bei der angestrebten Kapazität von über 700.000 Starts und Landungen im Jahr: „Wie sollen die Piloten denn fliegen, damit sie nicht stören?“

Entlastung könne das neue System höchstens bringen, wenn der Verkehr aufgelockert würde, etwa bei einer Reduzierung der Flugbewegungen auf nicht mehr als 380.000, eine alte Forderung der Ausbaugegner. „Das ist einfach zu erreichen - man muss nur die Kurzstreckenflüge streichen“, sagt Elsner.

Erhöhung des Anflugwinkels zur Fluglärmentlastung

Vorerst geht der Flugbetrieb auf den gewohnten Routen weiter. Angeflogen wird im drei Grad-Winkel, nur auf dem Weg zur Nordwest-Landebahn gilt ein steilerer Winkel von 3,2 Grad - in einigen Kilometern Entfernung sind die Maschinen dann höher und deshalb unten weniger laut. Würde der Winkel auch auf den Parallelbahnen erhöht, könnten nach Fraport-Angaben Neu-Isenburg und Offenbach-Süd entlastet werden. Kurven um Städte seien beim Anflug derzeit nicht in der konkreten Planung. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz hatten erst kürzlich eine Studie über die Folgen von Fluglärm für Herzpatienten vorgestellt. Danach schädigt Fluglärm die Gefäße von Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung. Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle könnten die Folge sein. Dieser Effekt wurde 2013 schon für gesunde Probanden gezeigt.

dpa

Quelle: op-online.de

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