Neue Mehrheiten gesucht

Nur im Kreis Offenbach lassen Wähler die alte Koalition weiterleben

Offenbach - Die Wähler im Kreis Offenbach haben die Große Koalition im Kreistag bestätigt. Allerdings wird die Luft für CDU und SPD dünner. Im Main-Kinzig-Kreis hat das Dreier-Bündnis von SPD, Grünen und Freien Wählern keine Mehrheit mehr, und im Kreis Darmstadt-Dieburg ist Rot-Grün Geschichte. Von Dirk Iding, Corinna Hiss und Christoph Zöllner

Im Kreis Offenbach kann die Große Koalition ihre Arbeit fortsetzen. Allerdings ist die komfortable Mehrheit von zuletzt 55 Sitzen auf 49 – der Kreistag zählt 87 Sitze – geschrumpft. Federn lassen musste aber auch die Fraktion der Grünen, die der Wähler von 18 auf 10 Sitze reduzierte. Über einen Sitz mehr freuen sich die Linken, gleich zwei gewinnt die FDP dazu. Auf Anhieb schaffte es die AfD als drittstärkste Kraft auf 13 Sitze im Kreistag.

CDU-Fraktions-Chef Bernd Abeln sucht die Ursachen für die Verluste nicht vor der Haustür. Vielmehr sei die Bundespolitik entscheidend für den Ausgang der Kommunalwahl gewesen: „Die Vielzahl der Flüchtlinge erschreckt die Menschen“, sagte Abeln. „Und wir haben es hier auszubaden.“ Dabei leisteten Haupt- und Ehrenamtliche bei der Betreuung der Flüchtlinge vor Ort gute Arbeit. Die Koalition, die sowohl CDU als auch SPD erneut anstreben, könne die Probleme und Herausforderungen im Kreis in Ruhe anpacken. Dazu zählte Abeln die Schulen, die nach der Sanierung durch Public Private Partnership (PPP) weiterhin in gutem Zustand gehalten werden sollen: „Dafür müssen wir jetzt die wirtschaftlichste Lösung finden.“

Als größte Herausforderung sieht SPD-Fraktionsvorsitzender Werner Müller derzeit die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen. Aber auch der Schulentwicklungsplan sei in der nächsten Zeit eine sehr wichtige Baustelle. Als „betrüblich“ bezeichnete Müller das Abschneiden der Grünen, als „besorgniserregend“ das der AfD. Mit einem zweistelligen Ergebnis habe er nicht gerechnet.

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Die SPD bleibt die stärkste politische Kraft im Main-Kinzig-Kreis, gehört aber dennoch zu den Verlierern. Denn nach dem vorläufigen Endergebnis verlieren die Sozialdemokraten (33,6 Prozent, minus 2 Prozent) ihre Koalitionsmehrheit mit Grünen und Freien Wählern im Kreistag. Zusammen kommen die bisherigen Partner nur noch auf 40 Sitze (SPD: 29; Grüne: 7; Freie Wähler: 4) im 87 Sitze zählenden Plenum. Während die Freien Wähler mit fünf Prozent ihr Ergebnis der 2011er-Wahl exakt bestätigen konnten, verloren die Grünen kräftig und kamen nur auf 8,3 Prozent (minus 6,8). Damit muss die bisherige Dreier-Koalition entweder einen vierten Partner mit ins Boot holen – etwa die FDP, die sich auf 5,7 Prozent erholte und fünf Abgeordnete stellt – oder es läuft auf eine große Koalition mit der CDU hinaus, die nach sechs Prozent Stimmenverlust mit 27,1 Prozent (24 Sitze) wie die SPD ihr schlechtestes Ergebnis seit der Gebietsreform 1974 einfuhr. Klarer Wahlsieger ist die erstmals angetretene AfD, die auf Anhieb 14,6 Prozent der Stimmen holte und gleich mit 13 Abgeordneten im Kreistag vertreten sein wird. Republikaner und NPD holten mit je 0,9 Prozent jeweils ein Mandat. Die Linken schafften es auf 3,3 Prozent und drei Sitze.

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Im Kreis Darmstadt-Dieburg bleibt die SPD mit 31,9 Prozent und 23 Sitzen zwar die stärkste Fraktion im Kreistag, wird es aber schwer haben. Denn da auch die Grünen mit 13,5 Prozent (10 Sitze) deutliche Einbußen verzeichnen, gibt es keine rot-grüne Mehrheit mehr. Verluste (minus 3,5 Prozent) muss auch die CDU hinnehmen, die mit 26,9 Prozent (22 Sitze) zweitstärkste Fraktion bleibt. Die erstmals angetretene AfD schafft auf Anhieb den Sprung in den Kreistag und wird drittstärkste Fraktion (neun Sitze, 12,9 Prozent). Zu den Gewinnern zählt auch die FDP, die 6,2 Prozent (vier Sitze) schafft. Die Linke (3,6 Prozent, drei Sitze), die Freien Wähler (3,6 Prozent, 2 Sitze) und die Piraten (1,3 Prozent, ein Sitz) komplettieren den Kreistag.

Quelle: op-online.de

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