Musik, Theater und Tanz

Neue Pläne für Kulturcampus

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Blick auf den Uni-Campus Bockenheim, auf dem einmal der Kulturcampus entstehen soll.

Frankfurt -  Dass der Kulturcampus Bockenheim - derzeit das ambitionierteste städtebauliche Projekt - nur im Schneckentempo seiner Verwirklichung entgegenkriecht, ist bekannt. Neu ist, dass das Vorhaben auch in seinen Grundzügen verändert werden soll. Von Michael Eschenauer

Erkennbar wurde das Umdenken bei der Vorstellung des Strukturplanes für den Kulturcampus durch Planungsdezernent und Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) dieser Tage. So sieht der Plan, in dem die Resultate der unter Bürgerbeteiligung veranstalteten Planungswerkstätten eingeflossen sind, nun vor, das Zentrum des Kulturcampus nördlich der Bockenheimer Landstraße anzusiedeln. Bisher war der alte Universitätscampus südlich der Bockenheimer Landstraße als Zentrum vorgesehen. Betroffen hiervon wären die Junge Deutsche Philharmonie, das Tanzzentrum Lab, die Forsythe Company und das Ensemble Modern. Auch die Musikhochschule sah das Areal des heutigen Juridicums als Standort ihrer ersten Wahl.

Damit scheint nun Schluss zu sein. Cunitz schlug vor, dass die von der Stadt Frankfurt geförderten Kulturinstitute stattdessen auf dem Gelände der nördlich der Bockenheimer Landstraße stehenden Hochschulbibliothek gebaut werden. Damit fährt er nicht zuletzt dem Präsidenten der Musikhochschule, Thomas Rietschel, in die Parade. Der hatte sich immer wieder für „den Süden“ ausgesprochen. Nur so sei eine effektive Zusammenarbeit mit den anderen künstlerisch tätigen Einrichtungen gewährleistet. Gespeist wird der Widerstand Rietschels nicht zuletzt aus der Befürchtung, dass sich der Wegzug der Unibibliothek und damit die gesamte Entwicklung nördlich der Bockenheimer Landstraße unbegrenzt hinziehen könnte.

Kehrtwende des Planungsdezernenten

Rietschels Präferenz für den Süden steht im Gegensatz zur Position des Landes, das die Hochschule weiterhin auf einem ihr gehörenden Grundstück am Bockenheimer Depot bauen will. Beobachter sehen die Kehrtwende des Frankfurter Planungsdezernenten als Reaktion auf diese Verhältnisse. Wenn der Berg - eben die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst - nicht zum Proheten - gemeint sind die übrigen Kultureinrichtungen - komme, müsse dieser eben Flexibilität zeigen (so die Frankfurter Allgemeine Zeitung). Hand in Hand mit diesem Resümee geht die Befürchtung, dass die Stadt auf diese Weise das Heft des Handelns aus der Hand gebe.

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Eigentümer der Flächen rund um die Uni-Bibliothek ist nämlich das Land Hessen. Die Frage, wann und ob die Bibliothek auf den Campus Westend umzieht, ist der Schlüssel zur Verwirklichung des gesamten Kulturcampus - nur liegt dieser nach dem jüngsten Schwenk nicht mehr im Besitz der Stadt Frankfurt. Im Unterschied hierzu gehören die Flächen des Bockenheimer Campus südlich der Bockenheimer Landstraße mittlerweile der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG. Nur hier ist die Mainmetropole Herr des Verfahrens. Der Planungsdezernent äußerte die Hoffnung, dass das Land Hessen noch in diesem Jahr über die Zukunft der Musikhoschule endgültig entscheidet. Es sei nicht möglich, die Entwicklung des Kulturcampus beziehungsweise des gesamten Viertels in Wartestellung verharren zu lassen.

Vorstufe des Bebauungsplans

Der von Cunitz vorgelegte Strukturplan, der im Norden außerdem zwei jeweils 50 Meter hohe Hochhäuser vorsieht, bildet die Vorstufe des Bebauungsplans und soll am 20. November öffentlich vorgestellt werden. Cunitz glaubt, dass ein entsprechender Bebauungsplan im kommenden Sommer beschlossen werden kann. Er sieht weiterhin eine zentrale Grün-Achse parallel zur Gräfstraße vor, diverse Bereiche für das Wohnen sowie möglicherweise einen 70 Meter hohen Wohnturm. Insgesamt sollen in dem neuen Quartier 1500 Wohnungen entstehen.

Ein Denkmalschutz-Status für Philosophicum und Studierendenhaus wäre in die Pläne integrierbar. Nahe der Senckenberganlage soll ein gewerblich ausgerichtetes Kerngebiet mit einen 100 und einem 140 Meter hohen Bürotürmen entstehen. Nördlich des Senckenbergmuseums will man ein Mischgebiet errichten wo Kultur, Einzelhandel und Gewerbe zugelassen werden. Wohnnutzung bis zu einer Grenze von 30 Prozent ist auch in anderen Bereichen zugelassen. Dies soll der besseren Durchmischung des neuen Viertels dienen.

Quelle: op-online.de

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