Neue „Tatort“-Ermittler für Frankfurt

Das Haus der toten Menschen

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Neu in Frankfurt als „Tatort“-Ermittler im Dienst: die Schauspieler Margarita Broich und Wolfram Koch.

Frankfurt - Seit zwei Tagen dudelt immer die gleiche Schallplatte in dem ganz normalen Haus in dieser ganz normalen Straße in Frankfurt, als ein Nachbar die Polizei benachrichtigt. Von Michael Eschenauer

Die Beamten finden in der Garage ein vollgepacktes Auto und im Haus eine ermordete Familie - aber ein Kind fehlt. Dies wird der Moment sein, an dem das Krimi-Flaggschiff des deutschen Fernsehens namens „Tatort“ zwei neue Kommissare ins Kampfgeschehen einführt. Gespielt werden sie von Margarita Broich und Wolfram Koch. Gestern stellte der Hessische Rundfunk (hr) die neuen Ermittler vor. Der Fall der getöteten Familie bricht über sie herein, während sie gerade ihre Schreibtische in der Mordkommission einräumen. Er kommt von der „Sitte“, sie hat vorher als psychologisch geschulte Ermittlerin gearbeitet. Man mag sich sofort.

„Zwei fast noch nicht entdeckte Edelsteine“ seien die beiden, schwärmte hr-Fernsehspiel-Chefin Liane Jessen gestern. Zunehmend schiele man im TV-Bereich auf große Namen, weil sich so schnell Quote machen lasse. „Wir haben uns für einen neuen Trend entschieden, für Gehalt, Begabung und Inhalt und deshalb für die beiden Schauspieler“, sagte Jessen. Die beiden „Neuen“ sind vor allem als Theaterschauspieler bekannt.

Filmnamen haben sie noch nicht, ebenso wenig wie ein ausgefeiltes persönliches Profil. Die Dreharbeiten beginnen am 17. Februar kommenden Jahres. Vor der Ausstrahlung der ersten Folge mit Broich und Koch im November oder Dezember 2014 sind noch zwei Folgen mit Joachim Król (56) zu sehen, in denen er nach dem Ausstieg seiner Partnerin Nina Kunzendorf (41) allein auf Verbrecherjagd geht.

Im Vordergrund, so Jessen gestern, steht bei den neuen „Tatort“-Folgen „die spannende Geschichte“ und nicht so stark die Darstellung der psychischen Verfassung der Ermittler, wie man sie von den skandinavischen Krimis her kenne. Leider sei dieses Stilmittel etwas zum Klischee geworden. Ganz aussparen allerdings will man auch diesen Aspekt nicht. Denn: „Unbeschädigt kann man derartige Gewalt nicht aushalten.“ Sicher sei, so die Macher der zunächst geplanten zwei Folgen, dass man keinen „Themen-Tatort“ anvisiere, in dem man sich an bestimmten gesellschaftlichen Problemen abarbeite. Die beiden Kommissare, so Jessen, seien „ganz normale Menschen, die dem Bösen ausgesetzt sind, und die sich wie der Zuschauer bemühen, den Alltag, der ihnen zunehmend zu entgleiten droht, zu meistern.“

Broich spielt eine alleinerziehende Mutter, deren Sohn in Australien lebt, Koch hat keine Beziehung. Ein Ansatz für eine Liebesgeschichte? „Man soll niemals nie sagen“, so Jessens Kommentar.

„Ja, ich will“, sei ihre sofortige Reaktion auf das überraschende Angebot des hr gewesen, erinnert sich Broich, die mit dem Leipziger „Tatort“-Ermittler Martin Wuttke verheiratet ist. Zwei „Kommissare“ in einer Familie. „Da fragt man sich natürlich sofort, was haben wir falsch gemacht?“, so die 53-Jährige, die ihren ersten „Tatort“ mit 12 oder 13 Jahren gesehen hat. „Die Melodie ist ganz tief drin, wie das Vaterunser.“

Kollege Koch (51) war ähnlich überrascht, hat aber den „Tatort“ nicht mit der Muttermilch eingesogen, weil bei ihm früher kaum Fernsehen geschaut wurde. Frankfurt eigne sich als Schauplatz hervorragend, so Koch. Es sei „wie eine große Hafenstadt“.

Quelle: op-online.de

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