Neue Türme für die Stadt

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Die Animation zeigt das Kongress-Zentrum Skyline Plaza, dessen Bau im Europaviertel demnächst starten soll.

Frankfurt - Auf dem Frankfurter Büromarkt, der Mitte 2010 noch am Boden lag, begann das neue Jahr mit einem Paukenschlag. Von Thomas Maier

Der New Yorker Projektentwickler Tishman Speyer kündigte im Januar gemeinsam mit Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) den Bau des 170 Meter hohen Taunusturms im Bankenviertel an. Für die Finanzmetropole ist es das größte Hochhaus-Projekt des Jahres. Und für Tishman Speyer, das bereits mit Abbrucharbeiten an der Baustelle begonnen hat, ist es der dritte spektakuläre Wolkenkratzer in Frankfurt nach dem Messeturm und dem Opernturm.

Der oppositionellen Rathaus-SPD fiel dann auf, dass Bebauungsplan und Hochhausrahmenplan nur eine Höhe von 135 Metern für den Taunusturm vorsehen. Für das Planungsamt der Stadt ist das aber kein Problem. Man erwäge eine Befreiung vom Bebauungsplan, sagt Sprecher Mark Gellert. Städtebaulich sei der Turm, der nebendran noch einen 60 Meter hohen kleinen Bruder mit Luxus-Wohnungen erhält, absolut genehmigungsfähig. „Er passt sich jetzt auch besser in die Silhouette der Hochhäuser ein“, meint Gellert zur neuen Höhe, die seiner Meinung nach den Turm - ohne Ausweitung der Fläche - schlanker macht.

„Rahmenplan teuer und liefert nur Unverbindliches“

„Das Ganze macht den Hochhausrahmenplan zur Makulatur“, wettert dagegen der SPD-Fraktionschef im Rathaus Römer, Klaus Oesterling. Ihm geht es nicht so sehr um den Taunusturm, sondern ums Prinzip. Wenn der Rahmenplan gewisse Höhen vorschreibe, müsse man dies auch beachten. Allerdings hat sich die Stadt schon oft nicht an den - zuletzt im Jahr 2008 fortgeschriebenen - Plan gehalten. Einige Hochhäuser, die gebaut wurden, standen nie im Plan. Und der gerade neugebaute Opernturm an der Alten Oper sollte an der Stelle des dort abgerissenen Zürich-Hochhauses ursprünglich nur etwa 60 Meter hoch werden - er wurde dann fast dreimal so hoch.

Der Rahmenplan sei teuer und liefere nur Unverbindliches, kritisiert Oesterling. Planungsamtsprecher Gellert verweist dagegen darauf, dass der Plan eben nur einen „Rahmen“ vorgebe. Der Bau des Taunusturms gilt den Stadtoberen als Symbol für die rasche Erholung des Büro-Immobilienmarkts. Nach dem absoluten Tiefpunkt im Rezessionsjahr 2009 wurde im vergangenen Jahr bereits wieder 32 Prozent mehr an Fläche vermietet, wie der Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle jüngst berichtete. Allerdings stieg der Leerstand auf knapp 15 Prozent der Gesamtfläche.

Einkaufs- und Freizeitzentrum beim Messegelände

Ein Beweis dafür, dass der Markt immer stärker zweigeteilt ist. Viele minderwertige Bürohäuser gelten als nicht mehr vermietbar - und rotten vor sich hin. Neue Türme bleiben bei solventen Mietern gefragt, auch wenn für Toplagen um die 33 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden müssen. Deshalb ist es auch Tishman Speyer, das sich zum aktuellen Konflikt nicht äußern will, um die Vermietung des Taunusturms nicht bange. Mit dem „MainTor“ auf dem ehemaligen Degussa-Areal zwischen Schauspiel und Römer soll noch in diesem Jahr ein weiteres großes Projekt beginnen. Dort sollen neben Wohnungen auch drei Bürotürme zwischen 60 und 100 Metern entstehen.

Und nach mehr als zehnjähriger Planung soll es in den kommenden Wochen mit dem „Skyline Plaza“ nahe des Messegeländes losgehen. Auf rund 90 Hektar wollen die Investoren Vivico und ECE ein großes Einkaufs- und Freizeitzentrum mit dazugehörendem Kongresszentrum bauen. Das Skyline Plaza, das neben dem beinahe bezugsfertigen „Tower 185“ entsteht, soll Zentrum des neuen Europaviertels werden. Dort sollen künftig 5000 Menschen wohnen und etwa 30 000 arbeiten. Das Viertel entsteht auf dem Areal des ehemaligen Frankfurter Güter- und Rangierbahnhofs. Es gehört zu den größten städtebaulichen Projekten in Deutschland.

Bei der Höhe des Taunusturms scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen - denn die Kommunalwahl am 27. März könnte für Veränderungen im von CDU und Grünen beherrschten Magistrat sorgen. Die Frankfurter SPD will nach den Worten ihres Fraktionschefs Oesterling auf jeden Fall erreichen, dass in der Stadtverordnetenversammlung über die zusätzlichen 35 Meter Höhe abgestimmt wird.

Quelle: op-online.de

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