Neue Urteile gegen Eltern der verhungerten Jacqueline

Frankfurt/Rhein-Main - Gießen (dpa) Im neu aufgerollten Prozess um den qualvollen Hungertod der kleinen Jacqueline aus dem nordhessischen Bromskirchen werden heute die Urteile für die Eltern erwartet.

Den bereits zu mehrjährigen Haftstrafen Verurteilten, die sich seit Anfang Februar erneut wegen Mordes durch Unterlassen und Misshandlung Schutzbefohlener vor dem Landgericht Gießen verantworten müssen, drohen nun lebenslange Freiheitsstrafen. Das forderte am Dienstag die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer für die 23 Jahre alte Hausfrau und den 35 Jahre alten Industriemechaniker.

Dagegen plädierte der Verteidiger der 23-Jährigen auf Totschlag durch Unterlassen und Misshandlung Schutzbefohlener und forderte eine Strafe, die acht Jahre nicht übersteigt. Der Anwalt des 35-Jährigen plädierte auf fahrlässige Tötung und legte das Strafmaß in das Ermessen des Gerichts. Beide Ehepartner sind psychiatrischen Gutachten zufolge schuldfähig.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Eltern vor, Jacqueline grausam getötet zu haben, indem sie die notwendige Ernährung und Pflege ihrer Tochter einstellten - und zwar aus „Desinteresse, Gleichgültigkeit und Gefühllosigkeit“.

Die 14 Monate als Jacqueline war im März 2007 im Haus ihrer Eltern in der 2000-Seelen-Gemeinde Bromskirchen verhungert und verdurstet. Als das kleine Mädchen starb, wog es gerade einmal sechs Kilogramm und hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft nur 70 Prozent des für Kinder dieses Alters üblichen Gewichts. Durch die mehrere Monate anhaltende Mangelversorgung war Jacqueline so wund, dass sich ihre Haut zwischen Knien und Bauchnabel ablöste, was unvorstellbare Schmerzen für das Kleinkind bedeutete.

Der Fall wurde neu aufgerollt, weil der Bundesgerichtshof in Karlsruhe die Beweiswürdigung des Landgerichts Marburg gerügt hatte. Dieses hatte die „Mordmerkmale der Grausamkeit, der Verdeckungsabsicht und der sonstigen niedrigen Beweggründe“ bei der Mutter verneint.

Quelle: op-online.de

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