Neue Vorschläge zur Entlastung

Fluglärm: Höher rein, steiler runter

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Das neue zweifache Instrumentenlandesystem auf der Nordwest-Landbahn: Die beiden Peilsender im Hintergrund ermöglichen es in Zukunft, steiler zu landen und damit die Lärmbelastung am Boden zu verringern.

Frankfurt - Und, haben Sie gestern was gemerkt? Sie sollten, vor allem wenn Sie in Offenbach-Stadt, aber auch wenn Sie im Kreis Offenbach wohnen. Seit gestern greifen nämlich drei weitere Maßnahmen zur Verminderung des Lärms rund um den Flughafen. Von Michael Eschenauer

Dies sei, betonten der Vorsitzende des Forums Flughafen & Region (FFR), Johann-Dietrich Wörner, und Flughafenchef Stefan Schulte, nicht dem einjährigen Jubiläum der neuen Landebahn Nordwest geschuldet. Ganz bestimmt. Es handelt sich um einen Versuch, dessen Auswirkungen man nun intensiv verfolgen will. Die neuen Veränderungen der Führung der Luftfahrzeuge sind Bestandteil eines weiteren geplanten Pakets von insgesamt 19 Maßnahmen gegen Fluglärm, die bis 2013 in Angriff genommen werden sollen.

Veränderung, die Erleichterung verschaffen

Also, was ist neu? Es sind insbesondere zwei Veränderungen bei der Führung anfliegender Flugzeuge, die der Region Offenbach zum Teil Erleichterung verschaffen sollen. Erstens wurde der südliche Korridor, auf dem sich die Flugzeuge vor ihrer Landung auf der Südbahn sammeln, um etwa 300 Meter auf jetzt 1525 Meter erhöht. Diese Linie - genannt „Südlicher Gegenanflug“ - verläuft parallel zum Bahnsystem etwa über die Bereiche Egelsbach/Langen, Dietzenbach, Rodgau/Rödermark und Seligenstadt.

Grafik zur Führung anfliegender Flugzeuge

Die Folge der Anhebung, dies machten Wörner und Schulte klar, sei nicht nur eine Entlastung der Städte, die direkt unter dieser Luftverkehrsstraße liegen, sondern auch eine Verminderung des Lärms in Offenbach. Weil der „Südliche Gegenanflug“ insgesamt angehoben wird, schwenken die Jets bei Westwind und bei Anflugrichtung Westen zwangsläufig in einer größeren Höhe in den Endanflug auf die Landebahn-Süd ein. Man erwarte eine Lärmminderung von 1,5 bis drei Dezibel durch den Höhengewinn, so Wörner. Eine Reduzierung um drei Dezibel entspricht etwa einer Halbierung des Lärms.

Neue Belastung für Seligenstadt

Die zweite Neuerung betrifft den Eindrehbereich der Maschinen. Künftig soll kein Flugzeug näher als 11,3 Meilen (21 Kilometer) vor der Landebahn in den Endanflug eindrehen. Bisher war dies bis zu etwa 18 Kilometern möglich.

Dadurch, dass auch der nördliche Gegenanflug um 300 Meter auf hier 1830 Meter angehoben wird, dürften ähnliche Wirkungen auch für die Anfluglinie auf die neue Landebahn Nordwest auftreten. Betroffen hier: Offenbach, Mühlheim und Hanau. Allerdings, so die Experten des Gremiums Aktiver Schallschutz beim FFR, schaffe dieses „Stauchen“ des Eindrehbereiches in Richtung Osten zeitweise neue Belastungen - zum Beispiel für den Bereich Seligenstadt.

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Die dritte Maßnahme betrifft ausschließlich die neue Landebahn: Hier wird den landenden Piloten künftig empfohlen, mit einem steileren Winkel - 3.2 Grad statt bisher 3,0 Grad - anzufliegen. Dies führt, so Wörner, im günstigsten Fall dazu, dass die Höhe der nahenden Flieger über Offenbach nicht mehr 900 Meter wie bisher, sondern 960 Meter beträgt. In Sachsenhausen steigt die Überflughöhe um 50 auf 730 Meter. Dieser Testbetrieb, für den theoretisch 94 Prozent Flugzeuge geeignet sind, machte ein neues Instrumenten-Landesystem erforderlich.

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Eine Wunde, die nicht heilt

Bei schlechtem Wetter lande man weiterhin mit 3 Grad, ansonsten könne man mit 3,2 Grad anfliegen, so André Biestmann von der Deutschen Flugsicherung. Man verfüge nun als einziger Flughafen in Deutschland über ein zweigleisiges Instrumentelles Landesystem. Ein ähnlicher Umbau für die Süd-Landebahn sei derzeit nicht geplant. Die Veränderungen der Höhen im Gegenanflug, beim Eindrehen und die steileren Landungen sollen ganztägig praktiziert und bei Erfolg dauerhaft installiert werden.

Quelle: op-online.de

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